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Wohnschutz
Fliegen → 20 Min. Lesezeit

Fliegen auf Balkon und Terrasse vertreiben: Was wirklich hilft

Fliegen auf Balkon und Terrasse im Sommer loswerden: Kräuter, Zitronella, Netze und mechanische Methoden – praxiserprobte Tipps für Deutschland.

Von Vyacheslav Levchenko
Gemütliche deutsche Terrasse mit Holzmöbeln und Lavendel im Sommer

Der erste warme Julitag, Kaffee auf dem Balkon – und innerhalb von Minuten surren die ersten Fliegen über den Tisch. Wer kennt das nicht? Fliegen auf Balkon und Terrasse sind im deutschen Sommer ein hartnäckiges Problem, das durch die richtigen Maßnahmen aber deutlich eingedämmt werden kann. Mehr über das allgemeine Fliegenproblem im und am Haus finden Sie in unserem Überblick Fliegen im Haus bekämpfen – Ursachen und wirksame Methoden.

Inhalt · 11 Abschnitte
Gesundheitshinweis: Fliegen und Lebensmittelsicherheit im Freien

Fliegen können Krankheitserreger wie Salmonellen und Campylobacter von organischen Abfällen auf Speisen übertragen. Das gilt besonders für Grillgut und Salate bei sommerlichen Temperaturen. Abgedeckte Speisen und rasches Wegräumen von Essensresten sind keine optionalen Komfortmaßnahmen, sondern hygienisch notwendig. Bei gastrointestinalen Beschwerden nach Mahlzeiten im Freien sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Warum kommen Fliegen auf den Balkon?

Fliegen sind wechselwarm und stark temperaturabhängig. Unterhalb von 10°C werden Stubenfliegen (Musca domestica) träge und kaum flugfähig; bei 25–35°C hingegen sind sie maximal aktiv, fressen mehr, pflanzen sich schneller fort und legen weitere Strecken zurück. Ein typischer deutscher Hochsommertag mit 28–32°C ist für Fliegen ideal – und für Balkonbesitzer unangenehm.

Dazu kommen standortspezifische Faktoren:

Nahrungsquellen in der Nähe: Offene Speisen, Getränkegläser, angebissene Früchte – selbst ein leerer Weißweinglas mit Rückständen genügt, um Fliegen anzulocken. Fliegen orientieren sich stark über den Geruch und finden offene Speisen schnell.

Wärme und Sonneneinstrahlung: Dunkle Böden und Wände speichern Wärme. Ein südlicher Balkon kann nachmittags 5–10°C wärmer sein als die Umgebungsluft. Das macht ihn besonders attraktiv für wärmeliebende Fliegen.

Benachbarte Quellen: Gastronomiebetriebe, Biomüll-Container im Hof, Komposthaufen im Nachbargarten oder Hundekot in der Umgebung erzeugen einen kontinuierlichen Fliegenstrom. Auf Balkone in höheren Etagen kommen Fliegen entsprechend seltener als auf erdnahe Terrassen.

Saisonaler Höhepunkt: Ein Stubenfliegen-Weibchen legt laut Umweltbundesamt 600 bis 2000 Eier, und innerhalb einer Saison können acht bis zehn Generationen entstehen. Weil sich die Generationen über den Sommer addieren, ist die Belastung in der zweiten Julihälfte und im August am größten – und steigt in längeren Hitzeperioden noch einmal spürbar an.

Windstille: Fliegen meiden starken Luftzug. An ruhigen, schwülen Abenden ohne Brise ist der Befall auf Terrassen und Balkonen am stärksten.

Balkon vs. Innenraum: was ist anders?

Im Innenraum lassen sich Fliegen durch Fliegengitter vor Fenstern und Türen dauerhaft ausperren. Auf dem Balkon funktioniert das nur begrenzt: Der Bereich ist naturgemäß offen, und eine vollständige Abschirmung würde das Flair eines Außenbereichs zerstören.

Weitere Unterschiede:

  • Chemie draußen riskanter: Insektensprays im Freien verflüchtigen sich schnell, belasten aber Insektenpopulationen in der Umgebung und gelangen leichter auf Speisen oder in Getränke.
  • Keine UV-Fallen im Freien: UV-Insektenfänger sind draußen nach § 4 Bundesartenschutzverordnung nicht erlaubt (Details unten).
  • Kein Fliegengitter möglich: Offene Balkone können nicht abgeklebt werden; hier helfen raumgreifende Maßnahmen wie Terrassenvorhänge oder Sonnensegel mit integriertem Insektennetz.

Pflanzliche Abwehrmittel: was wirklich wirkt

Aromatische Kräuter gelten als natürlichster Weg, Fliegen vom Balkon fernzuhalten. Die nüchterne Einordnung vorweg: Ihre ätherischen Öle – darunter Linalool, Eugenol und Menthol – wirken als Konzentrat im Labor abweisend auf Insekten. Dass eine Topfpflanze am Sitzplatz genug davon abgibt, um Fliegen fernzuhalten, ist nicht belegt; das Umweltbundesamt setzt bei Fliegen auf Abdecken, Müllhygiene und Fliegengaze, nicht auf Pflanzen.

Lavendel (Lavandula angustifolia) ist der Klassiker. Ätherisches Lavendelöl enthält Linalool, das in Laborversuchen eine abweisende Wirkung auf Fliegen zeigt – die Pflanze selbst gibt allerdings deutlich weniger davon ab als ein Öl. Wer Lavendel ohnehin mag, stellt ihn in die Sonne – erwarten Sie davon aber keinen fliegenfreien Tisch.

Basilikum (Ocimum basilicum) enthält Linalool und Eugenol und wird oft als Fliegenabweiser empfohlen – belastbar belegt ist das für die Topfpflanze nicht. Als Küchenkraut neben dem Grill schadet es nicht. Wer Fragen zur Hygiene am Grill hat, findet in unserem Artikel Fliegen in der Küche – Hygiene und schnelle Hilfe weitere nützliche Hinweise.

Pfefferminze (Mentha × piperita) ist besonders robust und wächst schnell – fast aggressiv. Ihr Menthol-Duft wird gegen Fliegen und Mücken empfohlen, eine nachgewiesene Abwehr am Sitzplatz gibt es auch hier nicht. Achtung: Minze breitet sich in Beeten massiv aus; auf dem Balkon im Topf ist sie ideal. Der intensive Duft kann bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen verursachen – dann lieber auf Abstand zum Sitzbereich achten.

Wirkung optimieren: Reiben Sie die Blätter gelegentlich zwischen den Fingern auf, um mehr ätherische Öle freizusetzen – besonders bevor Gäste kommen oder Sie selbst auf dem Balkon essen möchten.

Kräutertöpfe auf deutschem Balkon – Minze, Basilikum und Lavendel als natürlicher Fliegenschutz
Minze, Basilikum und Lavendel duften für Menschen angenehm – eine belegte Fliegenabwehr sind die Töpfe aber nicht

Mechanische Methoden: Netze und Vorhänge

Wer auf dem Balkon oder der Terrasse konsequent schützen möchte, kommt an mechanischen Barrieren nicht vorbei. Sie sind chemie- und geruchsfrei, dauerhaft wirksam und stören weder Kinder noch Haustiere.

Terrassenvorhänge aus Insektennetz: Transparente oder halbtransparente Vorhänge aus feinem Polyester-Netz (Maschenweite 1,2–1,5 mm) lassen sich an Balkongalerie oder Pergola-Querbalken befestigen. Sie halten Fliegen, Wespen und Mücken draußen und können bei Bedarf zur Seite gezogen werden. Achten Sie auf UV-beständiges Material, das auch nach mehreren Sommern nicht porös wird.

Windmühlen und Windspiele: Ein verbreitetes Hausmittel auf deutschen Terrassen. Die rotierende Bewegung und das optische Flattern sollen Fliegen desorientierten. Der Effekt ist wissenschaftlich begrenzt: Windmühlen funktionieren nur bei tatsächlichem Wind und halten Fliegen allenfalls vorübergehend auf Abstand. Als ergänzende Maßnahme neben Kräutern geeignet, als Alleinlösung unzureichend.

Fliegengitter für Türen und Fenster: Wer die Balkontür häufig offen lässt, sollte dort ein Fliegengitter nachrüsten. Magnetverschluss-Gitter sind für Mieterwohnungen ideal, da sie ohne Bohrungen befestigt werden können.

Abdeckhauben für den Tisch: Mesh-Abdeckglocken aus Edelstahl oder Kunststoff für Schüsseln, Teller und Grillplatten sind beim Essen im Freien unverzichtbar. Sie verhindern, dass Fliegen auf Speisen landen, ohne den Genuss des Außenessens zu stören.

Elektrische Methoden und Zitronella

UV-Insektenfänger: nur drinnen. UV-Licht zieht viele Insekten an – draußen vor allem Nachtfalter und andere Nützlinge. Nach § 4 Bundesartenschutzverordnung dürfen UV-Insektenfänger im Freien nicht betrieben werden – auch nicht auf überdachtem Balkon oder Terrasse –, weil sie besonders geschützte Arten wie Hornisse und viele Nachtfalter anlocken und töten (Umweltbundesamt).

In der Wohnung, in die Fliegen vom Balkon eindringen, kann ein UV-Gerät mit Klebefolie dagegen sinnvoll sein – welche Bauart passt, vergleicht die Kaufberatung zu Insektenvernichtern.

Zitronella-Kerzen und -Fackeln: Zitronellöl (Cymbopogon nardus) gilt als einer der am besten untersuchten natürlichen Insektenabweiser. Die Wirkung bleibt auf den unmittelbaren Umkreis von ein bis zwei Metern beschränkt und setzt Windstille voraus; schon eine leichte Brise trägt den Rauch weg. Gegenüber Stubenfliegen ist der Effekt geringer als gegenüber Stechmücken.

Platzieren Sie Zitronella-Kerzen niemals direkt über oder neben Speisen. Der Ruß kann Lebensmittel kontaminieren, und die Abweiserwirkung entsteht durch Verdunstung, nicht durch Rauch. Zwei bis drei Kerzen im 60–80 cm-Abstand rings um den Sitzbereich angeordnet sind effektiver als eine einzelne große Kerze in der Mitte.

Elektrische Duftstecker für den Außenbereich: Es gibt wetterfeste Varianten mit Citronellöl-Pads für Außensteckdosen auf der Terrasse. Sie bieten eine gleichmäßigere Duftwirkung als Kerzen, benötigen aber einen Stromanschluss in der Nähe.

Grillen und Essen auf der Terrasse schützen

Das Grillgut ist der stärkste Fliegenmagnet auf der Terrasse. Fleisch und Fisch senden Geruchssignale aus, die Stubenfliegen und vor allem Schmeißfliegen (Calliphora vicina) aus großer Entfernung anlocken. Dabei geht es nicht nur um Lästigkeit – Fliegen, die auf rohem Fleisch landen, können Salmonellen und andere Erreger übertragen.

Praktische Schutzmaßnahmen beim Grillen:

  • Rohes Fleisch und Fisch bis zur Verarbeitung in der Küche oder im Kühlschrank lassen – nicht auf dem Grilltisch aufgetaut oder mariniert liegen lassen
  • Vorbereitete Marinaden und Salate sofort mit Netzhauben abdecken
  • Grillzange und Besteck nach Gebrauch nicht offen liegen lassen
  • Papierteller sofort entsorgen – sie saugen Fette auf und locken Fliegen an
  • Bei der Abendveranstaltung: Speisen abdecken und Zitronella-Kerzen in unmittelbarer Nähe des Tisches aufstellen
Grillabend auf deutscher Terrasse mit Fliegenschutz-Abdeckung über Speisen
Beim Grillen auf der Terrasse schützen Abdeckhauben aus Netz die Speisen vor Fliegen

Getränke auf der Terrasse: Süße Limonaden, Fruchtschorlen und Wein locken Fliegen ebenso stark an wie Speisen. Verschließen Sie Flaschen nach dem Einschenken sofort und nutzen Sie Gläser mit Deckel oder Trinkhalm-Verschluss für Außenbereiche. Ein offenes Glas Saft lockt an warmen Tagen schnell die ersten Fliegen an.

Nach dem Essen: Räumen Sie die Terrasse nach jedem Mahlzeit zügig auf. Selbst kleine Reste auf dem Grill-Rost ziehen Fliegen an, die dann auch im Sitzbereich bleiben. Abkühlen lassen Sie den Grill mit Deckel geschlossen.

Im Herbst ändert sich das Verhalten: Fliegen suchen die Wärme

Ab September verhalten sich Fliegen auf Balkon und Terrasse anders als im Hochsommer. Nicht mehr das Essen ist der Hauptanziehungspunkt, sondern die Wärme: An sonnigen Herbsttagen sammeln sie sich zu Dutzenden an der besonnten Süd- und Westwand, auf hellem Putz, an der Hausecke und auf der warmen Fensterbank. Am Nachmittag ist die Fläche voll, in der Dämmerung leer – bis zum nächsten sonnigen Tag.

Das ist kein Hygieneproblem und lässt sich nicht wegputzen. Die Tiere suchen ein frostfreies Quartier und finden es in jeder Fuge, die vom Warmen wegführt: Rollladenkasten, Fensterfalz, Ritzen unter der Fensterbank, Spalt zwischen Balkonverkleidung und Wand. Von dort geht es weiter nach innen, und der Balkon ist damit die Vorstufe zum Fliegenproblem in der Wohnung.

Was in diesen Wochen wirkt:

  • Zugänge schließen statt Tiere bekämpfen. Fensterfalze, Rollladenkästen und Spalten an der Balkonverkleidung abdichten – das nimmt das Ziel weg, nicht nur die einzelne Fliege.
  • Fallobst und Pflanzenreste entfernen. Überreifes Obst in Kübeln, abgeräumte Tomatenpflanzen und feuchte Blätterhaufen in der Ecke sind im Herbst die stärkste Brutquelle auf dem Balkon.
  • Untersetzer leeren. Stehendes Wasser unter Pflanzkübeln bleibt im kühlen Herbst tagelang stehen und wird zur Brutstelle für kleine Fliegen.
  • Nicht mit Insektiziden an die besonnte Wand gehen. Die Fläche füllt sich am nächsten sonnigen Tag wieder; wirksam ist nur der verschlossene Zugang.

Wer die Tiere bereits im Zimmer hat, findet das weitere Vorgehen im Ratgeber Fliegen im Haus bekämpfen.

Mülleimer: die unterschätzte Fliegenquelle

In Mehrfamilienhäusern sind Mülltonnen und Biomüll-Container im Hof oder in der Nähe des Balkons die häufigste, oft übersehene Fliegenquelle. Eine offene Biomülltonne wird schnell zur Brutstätte – ein Weibchen legt laut Umweltbundesamt 600 bis 2000 Eier, und verwesende Abfälle im Sommer sind ideal dafür.

Was Sie selbst tun können:

  • Eigene Mülleimer auf dem Balkon oder der Terrasse mit dicht schließendem Deckel versehen
  • Speisereste nicht in offene Kompostierbehälter auf dem Balkon geben
  • Hausverwaltung oder Gemeinde ansprechen, wenn Gemeinschafts-Müllcontainer nicht geschlossen gehalten werden
  • Mülleimer regelmäßig mit heißem Wasser und Essiglösung ausspülen – Fliegen werden durch Restgerüche angelockt

Benachbarte Gastronomie: Leben Sie über oder neben einem Restaurant oder Imbiss, ist die Fliegenbelastung im Sommer strukturell erhöht. In diesem Fall sind mechanische Barrieren (Terrassenvorhangnetz, Fliegengitter an der Balkontür) und abgedeckte Speisen die wirksamsten Lösungen, da Sie die Quelle selbst nicht kontrollieren können.

Saisonal denken: Juli und August sind Hochsaison für Fliegen. In dieser Zeit müssen Mülltonnen häufiger geleert und intensiver gereinigt werden als in anderen Monaten. Bioabfall sollte nicht länger als 2–3 Tage im Außeneimer verbleiben.

Hausmittel und natürliche Rezepte

Nicht jede Fliegenabwehr muss aus dem Baumarkt kommen – die Erwartungen sollten aber realistisch bleiben:

Apfelessig-Falle: Geben Sie 100 ml Apfelessig und 3–4 Tropfen Spülmittel in ein Schraubglas. Das Spülmittel bricht die Oberflächenspannung; Fliegen werden vom Essiggeruch angelockt, fallen hinein und können nicht mehr entfliehen. Geeignet vor allem gegen Fruchtfliegen. Stellen Sie die Falle an den Rand des Sitzbereichs, nicht mitten auf den Tisch.

Ätherische Öle als Spray: Mischen Sie 15 Tropfen Lavendelöl, 10 Tropfen Pfefferminzöl und 10 Tropfen Eukalyptusöl in 200 ml Wasser. In einer Sprühflasche schütteln und auf Terrassenmöbel, Geländer und die Bodenfläche rings um den Sitzbereich sprühen (nicht auf Speisen). Belastbare Daten zur Wirkung gegen Fliegen gibt es nicht; ätherische Öle können Haut und Atemwege reizen und sind für Katzen problematisch – mit Haustieren auf dem Balkon lieber verzichten.

Nelken in Zitronen: Ein alter Hausmittel-Klassiker: Stecken Sie 10–15 Gewürznelken in eine halbierte Zitrone oder Orange. Der Geruch der Nelken-Citrus-Kombination soll Fliegen und Mücken abweisen. Belegt ist der Effekt nicht – als Tischdeko schadet es nicht.

Backpulver und Zucker als Köder: Um Fliegen weg vom Esstisch auf eine andere Stelle zu lenken, können Sie einen süßen Köder (Zuckerwasser + Essig) einige Meter entfernt aufstellen. Damit lenken Sie den Fliegenstrom um, beseitigen das Problem aber nicht grundsätzlich.

Mehr über natürliche Methoden gegen Mücken auf Balkonen und im Garten erfahren Sie in unserem Ratgeber Mücken im Garten vorbeugen – was wirklich hilft.

Chemische Mittel: wann und wie sicher?

Chemische Insektizide sind im Außenbereich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bieten sie schnelle und verlässliche Wirkung; auf der anderen Seite verflüchtigen sie sich im Freien rasch, belasten Nutzinsekten wie Bienen und Hummeln und geraten leicht in Kontakt mit Speisen oder Getränken.

Wann sind Sprays im Freien sinnvoll:

  • Bei akutem, starkem Fliegenbefall kurz vor einer Veranstaltung
  • Nicht in Kombination mit Essen – Spray zuerst, dann mindestens 30 Minuten warten und Flächen abwischen
  • Niemals bei Wind versprühen – Drift belastet Nachbarbalkone und Pflanzen

Keine Insektizide auf Sitzflächen und Möbel: Pyrethroide wie Permethrin oder Cypermethrin auf Stühle, Tisch und Terrassenpfosten zu sprühen, bringt Gift genau dorthin, wo Haut und Essen hinkommen. Pyrethroide sind zudem für Katzen hochgiftig und schädigen Gewässer und Wasserorganismen erheblich. Wenn überhaupt ein Spray, dann nur ein für diesen Zweck zugelassenes Mittel genau nach Etikett – und mit Kindern und Haustieren erst nach vollständigem Abtrocknen auf die Fläche.

Lüften und abwischen: Nach dem Einsatz von Insektiziden auf dem Balkon oder der Terrasse immer Stühle und Tischflächen mit einem feuchten Tuch abwischen, bevor Sie sich wieder hinsetzen oder essen.

Für eine ganzheitliche Strategie gegen alle Arten von Schädlingen rund um Balkon und Wohnung lohnt sich der Ratgeber Schädlingsbefall vorbeugen – so schützen Sie Ihren Haushalt.

Fliegen auf Balkon und Terrasse: Methoden im Überblick

  1. 1
    Mülleimer dicht schließen

    Biomüll alle 2–3 Tage leeren, Kompost mit Abstand zum Haus

  2. 2
    Zitronella-Kerzen (2–3 Stück ringsum)

    Nur im Nahbereich und bei Windstille – gegen Stubenfliegen schwach

  3. 3
    Speisenhauben und Deckel

    Verhindern, dass Fliegen überhaupt angelockt werden

  4. 4
    Terrassenvorhang aus Insektennetz

    Mechanisch zuverlässig – auch für Pergola geeignet

  5. 5
    Speisen abdecken (Netzhauben)

    Unbedingt beim Grillen und bei langen Mahlzeiten

  6. 6
    Apfelessig-Falle am Rand

    Günstig, gut gegen Fruchtfliegen, ergänzend einsetzen

Häufige Fragen

Warum sitzen im Herbst plötzlich so viele Fliegen an der Hauswand?

Sie suchen Wärme, nicht Nahrung. An sonnigen Herbsttagen sammeln sich Fliegen auf der besonnten Süd- und Westwand und rücken von dort in Fugen, Rollladenkästen und Fensterfalze ein, um frostfrei zu überwintern. Bekämpfungsmittel an der Wand bringen nichts, weil sich die Fläche am nächsten sonnigen Tag wieder füllt. Wirksam ist nur, die Zugänge abzudichten und Fallobst sowie feuchte Pflanzenreste vom Balkon zu entfernen.

Welche Pflanzen vertreiben Fliegen auf dem Balkon wirklich?

Verlässlich keine. Lavendel, Basilikum und Minze duften für Menschen angenehm, und ihre ätherischen Öle wirken im Labor als Konzentrat abweisend – dass Topfpflanzen am Sitzplatz Fliegen fernhalten, ist aber nicht belegt. Wirksam sind abgedeckte Speisen, dicht schließende Mülleimer und Netze; Kräuter sind eine nette Ergänzung, keine Abwehr.

Warum kommen auf meinen Balkon im Sommer so viele Fliegen?

Wärme über 25°C erhöht die Flugaktivität von Stubenfliegen massiv. Offene Speisen, Getränkegläser, Mülleimer in der Nähe und benachbarte Gastronomie oder Komposthaufen sind die häufigsten Anziehungspunkte. Im Juli und August erreicht der Befall seinen Höhepunkt.

Sind Zitronella-Kerzen gegen Fliegen wirksam?

Zitronella wirkt vor allem gegen Mücken; gegenüber Stubenfliegen ist der Effekt geringer. Bei ruhigem Wetter und in unmittelbarer Nähe zum Sitzbereich (ca. 1–2 m) kann Zitronella die Fliegenzahl merklich reduzieren, ersetzt aber keine mechanischen Schutzmaßnahmen.

Wie schütze ich Speisen beim Grillen auf der Terrasse vor Fliegen?

Verwenden Sie Netzhauben oder Abdeckglocken aus feinem Mesh für Speisen, die nicht gerade gegessen werden. Marinaden und Salatschüsseln sofort abdecken. Essensreste unverzüglich wegräumen und in geschlossenen Behältern entsorgen. Speisen nie länger als nötig bei Außentemperaturen über 20°C unabgedeckt lassen.

Sind UV-Insektenfänger für den Balkon geeignet?

Nein. Nach § 4 Bundesartenschutzverordnung dürfen UV-Insektenfänger im Freien nicht betrieben werden – auch nicht auf überdachtem Balkon oder Terrasse –, weil sie besonders geschützte Arten wie Hornisse und viele Nachtfalter anlocken und töten (Umweltbundesamt). Wirksamer und erlaubt sind Insektennetze und Terrassenvorhänge, abgedeckte Speisen und dicht schließende Mülltonnen.

Was hilft gegen Fliegen, wenn der Nachbar einen Mülleimer direkt neben meinem Balkon hat?

Setzen Sie auf Barrieren: Terrassennetz oder Balkonvorhang, Fliegengitter an der Balkontür und abgedeckte Speisen. Sprechen Sie den Nachbarn oder die Hausverwaltung an – Mülltonnen sollten geschlossen gehalten und regelmäßig geleert werden. Alle Produkte, die wir in unseren Ratgebern zu Fliegen empfehlen, stehen gesammelt in der Produktübersicht.

Welches Hausmittel gegen Fliegen auf dem Balkon funktioniert am besten?

Apfelessig-Fallen (Apfelessig + Spülmittel in einem Glas) fangen Fruchtfliegen gut, gegen Stubenfliegen helfen sie wenig. Am meisten bringt Vorbeugung: alle Speisen abdecken, keine Getränke offen stehen lassen und Mülleimer dicht schließen. Duftende Kräuter und Öle sind als Abwehr nicht belegt.

Die in diesem Artikel beschriebenen Methoden dienen der Prävention und Reduzierung von Fliegenbefall auf Balkon und Terrasse. Chemische Insektizide sind gemäß Biozidprodukteverordnung (EU) 528/2012 anzuwenden und dürfen nicht in Kontakt mit Lebensmitteln kommen. Bei gesundheitlichen Beschwerden nach Insektenstichen oder dem Verzehr möglicherweise kontaminierter Speisen wenden Sie sich an Ihren Arzt oder das nächste Gesundheitsamt.

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