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Hantavirus → 17 Min. Lesezeit

Hantavirus Übertragung: Wie steckt man sich an?

Wie wird Hantavirus übertragen? Infektionswege, Mastjahr-Zyklen, Überlebensdauer in der Umwelt, Risikoberufe und regionale Hotspots in Deutschland.

Von Vyacheslav Levchenko
Hantavirus Übertragung durch Staub und Nagerausscheidungen

Hantaviren werden in Deutschland vor allem durch das Einatmen von Staub mit Nagerausscheidungen übertragen. Hauptüberträger ist die Rötelmaus, die das Puumala-Virus über Urin, Kot und Speichel ausscheidet, ohne selbst sichtbar zu erkranken. Auch direkter Kontakt über Mund, Nase, Augen oder verletzte Haut ist möglich.

Kehren oder saugen Sie Mäusekot deshalb niemals trocken, sondern vermeiden Sie Staub durch Befeuchten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist für die hier vorkommenden Typen nicht belegt; bei Infektionsverdacht lassen Sie sich ärztlich beraten.

Inhalt · 11 Abschnitte
Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf eine Infektion sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Hantavirus-Erkrankungen sind nach IfSG § 7 meldepflichtig.

Hauptwirte in Deutschland: Welche Nager übertragen Hantavirus?

Hantaviren befallen in Deutschland verschiedene Nagetierarten als natürliche Wirte. Das entscheidende Merkmal: Die Tiere selbst erkranken nicht – sie tragen das Virus lebenslang und scheiden es über Urin, Kot und Speichel aus, ohne selbst Symptome zu entwickeln.

Die wichtigsten Überträger in Deutschland:

Rötelmaus (Myodes glareolus) – mit Abstand der häufigste Überträger in Deutschland. Sie lebt bevorzugt in Laub- und Mischwäldern, besonders dort, wo Buchen dominieren. Die Rötelmaus überträgt das Puumala-Virus, das für fast alle deutschen Hantavirus-Fälle verantwortlich ist. Ihr Lebensraum reicht von Wäldern bis in Gärten und Kellergebäude in Waldnähe.

Brandmaus (Apodemus agrarius) – Überträgerin der Dobrava-Variante Kurkino, die laut RKI im Osten und Norden Deutschlands vorkommt. Bewohnt Felder, Ackerränder und Gärten. Seltener als Puumala, aber mit tendenziell schwereren Verläufen.

Weitere Nagerarten: Die Feldmaus (Microtus arvalis) trägt das Tulavirus, das laut RKI nur selten beim Menschen krank macht; die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) ist Wirt der Dobrava-Variante Dobrava, die Wanderratte (Rattus norvegicus) des Seoulvirus – in Deutschland wurde kürzlich der erste im Inland erworbene Seoulvirus-Fall nachgewiesen. Epidemiologisch spielen diese Wirte eine untergeordnete Rolle.

Hantavirus-Überträger in Deutschland: Übersicht

  1. 1
    Rötelmaus – Hauptüberträger (Puumala-Virus)

    Laubwald mit Buchen, Mischwälder, Waldränder; 2024 bei 91 % der Fälle mit bestimmtem Virustyp (RKI-Jahrbuch)

  2. 2
    Brandmaus – Überträger (Dobrava-Virus, Typ Kurkino)

    Felder, Ackerränder, Gartengebiete; Osten und Norden Deutschlands; 2024 bei 8 % der typisierten Fälle

  3. 3
    Gelbhalsmaus – Wirt der Dobrava-Variante Dobrava

    Waldränder und Gärten; in Deutschland kaum von Bedeutung

  4. 4
    Feldmaus – Wirt des Tulavirus

    Grünland, Felder; laut RKI nur selten krankmachend, in Deutschland wenige Erkrankungsfälle bekannt

Wichtig: Infizierte Nager sehen gesund aus – äußerlich ist kein Unterschied zu nicht infizierten Tieren erkennbar.

Rötelmaus (Myodes glareolus) erkennen – rotbrauner Rücken und stumpfe Schnauze, Hauptüberträger des Hantavirus in Deutschland
So erkennen Sie die Rötelmaus: rotbrauner Rücken, deutlich abgesetzte graue Flanken, stumpfe Schnauze und kleine, im Fell halb verborgene Ohren. Die Hausmaus ist dagegen einheitlich graubraun mit spitzer Schnauze und großen Ohren. Foto: Peter Trimming from Croydon, England · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Übertragungswege: Wie gelangt das Virus zum Menschen?

Der RKI-Ratgeber nennt mehrere Übertragungswege vom Tier zum Menschen – mit sehr unterschiedlicher epidemiologischer Bedeutung.

Übertragungswege von Hantavirus auf den Menschen

  1. 1
    Aerogene Übertragung – der mit Abstand häufigste Weg

    Einatmen von Staub, der kontaminierte Nagerausscheidungen enthält. Tritt auf beim Kehren, Aufwühlen von Laub, Arbeiten in staubigen Kellern oder Scheunen.

  2. 2
    Direktkontakt mit Ausscheidungen

    Berühren von frischem oder getrocknetem Nagetierkot, Urin oder Speichel – danach Kontakt mit Mund, Nase oder Augen (mucosale Aufnahme).

  3. 3
    Nagerbiss oder verletzte Haut

    Selten – Kontakt verletzter Haut mit kontaminiertem Staub oder Boden, Bisse beim direkten Umgang mit lebenden Nagetieren.

  4. 4
    Kontaminierte Lebensmittel

    Laut RKI möglich, wenn Lebensmittel mit Ausscheidungen infizierter Nager verunreinigt wurden – praktisch selten.

Die aerogene Übertragung durch Staubaufwirbelung gilt als der mit Abstand wichtigste Infektionsweg in Deutschland. Einfaches Anfassen von Kot-kontaminierten Oberflächen mit intakter Haut gilt als weniger riskant – die mucosale Route (Nase, Mund, Augen) ist entscheidend.

Warum Staub so gefährlich ist: Getrockneter Nagetierkot und -urin werden beim Kehren oder Saugen als feiner Staub aufgewirbelt und eingeatmet. Deshalb empfiehlt das RKI, Staubentwicklung durch Befeuchten zu vermeiden – niemals trocken kehren – und bei zu erwartendem Staub Atemschutzmaske und Handschuhe zu tragen.

Alle Schutzmaßnahmen beim Umgang mit kontaminierten Bereichen erklärt Hantavirus Schutz – Prävention und Schutzausrüstung.

Überlebensdauer des Virus in der Umwelt

Hantaviren sind behüllte RNA-Viren. Wie lange sie außerhalb des Wirts ansteckend bleiben, hängt laut RKI von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weiteren Bedingungen ab.

Überlebensdauer von Hantavirus unter verschiedenen Bedingungen

Bedingung Ungefähre Überlebensdauer Praktische Bedeutung
Ausscheidungen, auch getrocknet (RKI-Ratgeber) Mehrere Tage Staub in Keller, Schuppen und Dachboden kann ansteckend sein
Kühle, geschützte Umgebung (Merkblatt RKI/Charité u. a.) Bis zu mehreren Wochen Hohes Risiko beim ersten Aufräumen nach dem Winter
Sonne, Wärme, Trockenheit Kürzer Draußen bei Sonne geringeres Risiko als im dunklen Keller
Befeuchten mit Reinigungsmittel Bindet Staub Laut RKI Ausscheidungen und Kadaver vor der Entsorgung mit handelsüblichem Reinigungsmittel benetzen

Praktische Schlussfolgerung: Ein Keller, in dem im Winter Mäuse aktiv waren, kann beim ersten Aufräumen im Frühjahr noch ansteckenden Staub enthalten – selbst wenn keine Mäuse mehr sichtbar sind.

Der Mastjahr-Effekt: Warum manche Jahre gefährlicher sind

Das auffälligste Merkmal der Hantavirus-Epidemiologie in Deutschland ist die extreme Schwankung der Fallzahlen von Jahr zu Jahr: vom Tiefstwert 72 (2006) bis zum Rekord 2.825 (2012), so der RKI-Ratgeber. Eine starke Zunahme wird etwa alle 2 bis 3 Jahre beobachtet. Dieses Muster ist kein Zufall – es folgt einem biologischen Rhythmus, der mit Buchenwäldern zusammenhängt.

Was ist ein Mastjahr?

Buchen produzieren nicht jedes Jahr gleich viel Samen. In unregelmäßigen Abständen kommt es zu einer Massenproduktion von Bucheckern – der sogenannten Vollmast. In diesen Mastjahren fällt so viel Nahrung, dass die Rötelmaus-Bestände im folgenden Jahr stark anwachsen.

Die Konsequenz: Mehr Rötelmäuse bedeuten mehr kontaminierte Ausscheidungen in Wäldern und an Waldrändern – und deutlich mehr Kontaktmöglichkeiten zwischen Menschen und infiziertem Material. Auf ein Mastjahr folgt typischerweise eine deutlich erhöhte Hantavirus-Inzidenz im darauffolgenden Frühjahr und Sommer.

Mastjahr-Zyklen und Hantavirus-Fallzahlen in Deutschland

  1. 1
    2010: 2.016 Fälle

    Erstes großes Ausbruchsjahr des Jahrzehnts.

  2. 2
    2012: 2.825 Fälle – Rekordjahr

    Höchste bisher in Deutschland gemeldete Hantavirus-Fallzahl.

  3. 3
    2017: 1.725 Fälle

    Erneuter Anstieg nach ruhigeren Jahren.

  4. 4
    2019: 1.534 Fälle und 2021: 1.668 Fälle

    Weitere Ausbruchsjahre im Rhythmus von zwei bis drei Jahren.

  5. 5
    Ruhige Jahre: z. B. 235 (2018), 337 (2023), 423 (2024)

    Tiefstwert seit Beginn der Meldepflicht: 72 Fälle im Jahr 2006.

Datenquelle: Infektionsepidemiologische Jahrbücher des RKI und RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung.

Praktische Bedeutung: In einem Mastjahr-Folgejahr ist besondere Vorsicht geboten, auch wenn man subjektiv keine erhöhte Mäuseaktivität wahrnimmt. Die Populationsdichte in Waldgebieten ist zu diesem Zeitpunkt maximal – und damit auch die Kontaminationsdichte in Waldrändern, Gartenhäuschen und Kellern in Waldnähe.

Saisonalität: Wann ist das Risiko am höchsten?

Die Hantavirus-Fälle in Deutschland zeigen ein saisonales Muster: In Ausbruchsjahren fällt die Mehrzahl der Fälle ins zweite und dritte Quartal (RKI-Jahrbuch), also ins Frühjahr und in den Sommer. Die Gründe:

Frühjahr und Frühsommer (April–Juni)

Die Zeit mit den meisten Fällen. Grund: Im Frühjahr werden Keller, Gartenhäuser, Schuppen und Dachböden nach dem Winter erstmals wieder geöffnet und aufgeräumt. In diesen Räumen hat sich über den Winter kontaminierter Staub abgesetzt. Gleichzeitig suchen Rötelmäuse – nach dem Winter hungrig – verstärkt menschliche Gebäude auf.

Zusätzlich beginnt die Gartenarbeit: Das Umschichten von Laubhaufen, Kompostarbeit und Erdarbeiten in Waldnähe setzen potentiell kontaminierten Staub frei.

Herbst (Oktober–November)

Im Herbst dringen Mäuse auf der Suche nach Winterquartieren verstärkt in Gebäude ein – besonders in Jahren mit hoher Rötelmaus-Dichte. Waldarbeiten (Holzeinschlag, Holzstapeln) und die Ernte steigern die Exposition.

Risikokalender: Hantavirus-Gefährdung nach Jahreszeit

  1. ✓
    Frühjahr (März–Juni): Höchstes Risiko

    Kelleraufräumen, Gartenarbeiten in Waldnähe, Laubhaufen umsetzen, Gartenhäuser öffnen

  2. ✓
    Sommer (Juli–September): Erhöhtes Risiko in Mastjahr-Jahren

    Waldarbeiten, Camping in Laubwaldgebieten, Pilzesammeln

  3. ✓
    Herbst (Oktober–November): Risiko durch Mäuse im Haus

    Mäuse suchen Winterquartiere in Gebäuden – wer dann Scheunen und Keller aufräumt, ist exponiert

  4. ✓
    Winter (Dezember–Februar): Niedriges Risiko

    Weniger Outdoor-Aktivitäten, aber: Innenräume mit Mäusebefall bleiben ganzjährig riskant

Das Risiko ist ganzjährig vorhanden, wo Nagerbefall in Innenräumen besteht. Saisonale Peaks entstehen durch erhöhte menschliche Aktivität in Risikoumgebungen.

Risikoumgebungen: Wo ist die Gefahr am höchsten?

Nicht alle Umgebungen sind gleich riskant. Die Expositionswahrscheinlichkeit hängt davon ab, wie häufig Nager die Umgebung nutzen und wie lange kontaminiertes Material akkumuliert wurde.

Hohes Risiko:

  • Keller mit Mäusespuren – besonders staubige Bereiche, Lagerräume, Holzstapel im Keller. Wie man einen Keller sicher reinigt, zeigt Keller reinigen bei Mäusekot – Schutzmaßnahmen gegen Hantavirus.
  • Dachböden – schlecht belüftete Räume mit jahrelanger Staubansammlung und Nagerspuren
  • Gartenhäuser und Schuppen – werden im Frühjahr nach der Winterpause geöffnet; Mäuse nutzen sie als Winterquartier
  • Scheunen und landwirtschaftliche Lagerräume – hohe Nagerpopulation durch Nahrungsangebot (Getreide, Heu)
  • Holzstapel – Rötelmäuse nutzen gestapeltes Holz als Nest und Nahrungsquelle

Moderates Risiko:

  • Gartenarbeit in Laubwaldnähe – Umschichten von Laubhaufen, Kompost, Erdarbeiten
  • Waldwege und Waldränder – besonders in Mastjahr-Perioden mit hoher Rötelmausdichte
  • Camping in Laubwäldern – direkter Kontakt mit kontaminierten Böden und Oberflächen
Alte deutsche Scheune mit Holzstapeln – typische Risikoumgebung für Hantavirus-Exposition
Scheunen, Lagerräume und Holzstapel in Waldnähe sind typische Hochrisikoumgebungen – besonders wenn Nagerspuren sichtbar sind

Risikoberufe: Wer ist beruflich besonders exponiert?

Bestimmte Berufsgruppen haben durch ihren Tätigkeitsbereich ein deutlich erhöhtes Expositionsrisiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Das RKI und verschiedene berufsgenossenschaftliche Stellen (BG BAU, BGHW) haben entsprechende Risikoeinschätzungen veröffentlicht.

Risikoberufe mit erhöhtem Hantavirus-Expositionsrisiko

  1. 1
    Forstarbeiter und Waldarbeiter

    Direkter, regelmäßiger Kontakt mit Rötelmaus-Habitaten; Holzeinschlag und Pflanzarbeiten wirbeln Bodenstaub auf. Gehören zur höchsten Risikogruppe.

  2. 2
    Landwirte und Schädlingsbekämpfer

    Arbeit in Scheunen, Silos und Stallungen mit hoher Nagerdichte; regelmäßige Exposition gegenüber kontaminiertem Staub und Nagetierfäzes.

  3. 3
    Jäger

    Direkter Kontakt mit toten Nagetieren beim Fallenstellen und bei Kontrollen; Aufenthalt in Jagdhütten mit möglichem Nagerbefall.

  4. 4
    Bauarbeiter und Renovierungshandwerker

    Arbeiten in alten Gebäuden, Kellern und Dachböden; Aufwirbelung von jahrelang akkumuliertem Staub bei Abbruch- und Renovierungsarbeiten.

  5. 5
    Laborpersonal (Tierexperimente)

    Direkter Kontakt mit Nagetieren in der biomedizinischen Forschung – besondere Sicherheitsvorschriften notwendig.

  6. 6
    Naturschutzwarte und Ranger

    Regelmäßiger Aufenthalt in Risikogebieten, Arbeit in Hütten und Wildtier-Habitaten.

Betroffene Berufszweige sollten die Schutzmaßnahmen der jeweiligen Berufsgenossenschaft kennen und Hantavirus-Infektion ggf. als Berufskrankheit melden (BK 3102 – von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten).

Für Arbeitnehmer in diesen Bereichen gilt: Eine Hantavirus-Erkrankung kann als Berufskrankheit nach BK 3102 anerkannt werden, wenn der berufliche Zusammenhang plausibel ist. Dies hat Bedeutung für die Erstattung von Behandlungskosten und mögliche Entschädigungsleistungen der Berufsgenossenschaft.

Regionale Hotspots in Deutschland

Die Verbreitung von Hantavirus-Infektionen in Deutschland ist nicht gleichmäßig. Die geografische Verteilung folgt dem Verbreitungsgebiet der Rötelmaus – also den Laub- und Mischwäldern Deutschlands, insbesondere Buchenwaldzonen.

Regionale Risikoverteilung nach Bundesland

Region / Bundesland Risiko Hauptwirt Charakteristisches Gebiet
Baden-Württemberg Hoch in Ausbruchsjahren Rötelmaus (Puumala) Schwäbische Alb
Bayern Hoch in Ausbruchsjahren Rötelmaus (Puumala) Bayerischer Wald, Spessart
Hessen Hoch in Ausbruchsjahren Rötelmaus (Puumala) Nordost-Hessen, Spessart
Nordrhein-Westfalen Regional erhöht Rötelmaus (Puumala) Münsterland
Thüringen Regional erhöht Rötelmaus (Puumala) Westen Thüringens
Norden und Osten Gleichbleibend niedrig Brandmaus (Dobrava-Kurkino) Agrar- und Feldgebiete
Stadtgebiete (allgemein) Niedrig – Selten Hantavirus-relevante Nager

Ausbruchsregionen laut RKI: Die meisten Puumala-Fälle konzentrieren sich auf bestimmte Regionen, etwa die Schwäbische Alb, den Bayerischen Wald, den Spessart, Nordost-Hessen, das Münsterland und den Westen Thüringens. Dobrava-Infektionen im Norden und Osten bleiben dagegen von Jahr zu Jahr etwa konstant.

Wichtiger Hinweis zur Risikoeinschätzung: Das Risiko ist kein feststehendes Merkmal einer Region, sondern variiert stark mit dem Mastjahr-Zyklus. Eine Region mit normalerweise moderatem Risiko kann in einem Mastjahr-Folgejahr temporär ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen – und umgekehrt.

Kein erhöhtes Risiko: Was nicht gefährlich ist

Nicht jeder Kontakt mit der Natur oder mit Nagetieren begründet ein relevantes Hantavirus-Risiko. Folgende Situationen gelten nach aktuellem wissenschaftlichem Stand als nicht übertragungsrelevant:

Kein erhöhtes Hantavirus-Risiko bei ...

  • Normalem Alltagskontakt mit anderen Menschen (keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Europa bekannt)
  • Haustieren (Hunde, Katzen) – diese sind keine natürlichen Hantavirus-Wirte und übertragen das Virus nicht
  • Berühren von Geldscheinen, Türgriffen oder anderen alltäglichen Gegenständen
  • Lebensmitteln aus dem Supermarkt oder von Märkten
  • Eichhörnchen, Hasen, Igeln und anderen Wildtieren – diese sind keine relevanten Hantavirus-Träger
  • Kurzen Aufenthalten in Parks oder Gärten ohne Nagerbefall

Sonderfall: Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Andes-Virus

Das Andes-Virus in Südamerika (Argentinien, Chile) ist der einzige bekannte Hantavirus-Typ, bei dem eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung wissenschaftlich dokumentiert ist. Der Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius im Mai 2026 – 13 Fälle, drei Todesfälle, am 2. Juli 2026 von der WHO für beendet erklärt – hat diese Übertragungsform erneut in den Fokus gerückt; das Virus stammte aus Argentinien. Für die in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Typen (Puumala, Dobrava) gilt: eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht belegt.

Welche Schutzmaßnahmen bei konkretem Kontakt mit Risikoumgebungen sinnvoll sind, erklärt Hantavirus Schutz – Prävention im Haushalt. Typische Symptome einer Infektion und wann zum Arzt erklärt Hantavirus Symptome – Woran erkennt man eine Infektion?.

Hantavirus-Übertragung: Epidemiologie, Überlebensdauer und Inzidenzverteilung

Die aerogene Übertragung durch eingetrocknete Nagerexkremente ist der epidemiologisch entscheidende Infektionsweg in Deutschland – alle anderen Wege spielen eine marginale Rolle.

Aerogene Übertragung als dominanter Infektionsweg: Das Puumala-Virus wird fast ausschließlich durch das Einatmen kontaminierter Staubpartikel übertragen. Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist für die in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Typen (Puumala, Dobrava) nach aktuellem wissenschaftlichem Stand nicht belegt – einzige dokumentierte Ausnahme weltweit ist das Andes-Virus in Südamerika. Die Rötelmaus scheidet das Virus kontinuierlich über Urin, Kot und Speichel aus; infizierte Tiere erkranken selbst nicht.

Überlebensdauer außerhalb des Wirts: Laut RKI-Ratgeber bleiben Hantaviren in Ausscheidungen – auch getrocknet – mehrere Tage infektiös, abhängig von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weiteren Bedingungen; das Merkblatt von RKI, Charité und weiteren Instituten nennt unter günstigen Bedingungen mehrere Wochen.

Regionale Inzidenzverteilung: Laut RKI dominieren Puumala-Infektionen im Süden und Westen, die Dobrava-Variante Kurkino im Osten und Norden. In Ausbruchsjahren konzentrieren sich die Fälle auf Ausbruchsregionen wie Schwäbische Alb, Bayerischer Wald, Spessart, Nordost-Hessen, Münsterland und Westthüringen. Mehr als zwei Drittel der Erkrankten sind Männer, Kinder erkranken sehr selten.

Häufige Fragen

Kann Hantavirus von Mensch zu Mensch übertragen werden?

In Europa ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung der hier vorkommenden Hantavirus-Typen (Puumala, Dobrava) nach aktuellem Kenntnisstand nicht belegt. Das Andes-Virus in Südamerika bildet eine wissenschaftlich dokumentierte Ausnahme – dieser Typ kommt in Europa nicht vor.

Wie lange ist Hantavirus in der Umwelt infektiös?

Laut RKI-Ratgeber bleiben Hantaviren in Ausscheidungen – auch getrocknet – mehrere Tage infektiös; unter kühlen, geschützten Bedingungen wie in Kellern nennt das Merkblatt von RKI und Charité mehrere Wochen. Sonne, Wärme und Trockenheit verkürzen die Zeit. Für den Haushalt empfiehlt das RKI, Ausscheidungen vor der Entsorgung mit handelsüblichem Reinigungsmittel zu befeuchten.

Ist Hantavirus übertragbar durch Katzenbisse oder Katzen?

Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Hantavirus durch Haustiere wie Katzen übertragen wird. Katzen sind keine natürlichen Wirte des Virus. Theoretisch könnte eine Katze, die eine infizierte Maus fängt, kurzzeitig kontaminiertes Material im Fell tragen – aber eine Übertragung auf den Menschen wäre in einem solchen Szenario äußerst unwahrscheinlich.

Wie erkenne ich, ob eine Maus Hantavirus trägt?

Eine infizierte Maus sieht genauso aus wie eine nicht infizierte – es gibt keine äußerlichen Merkmale. Jede Rötelmaus in einem Risikogebiet sollte daher als potenziell infektiös behandelt werden. Besonders in Mastjahr-Perioden ist die Durchseuchungsrate in Rötelmaus-Populationen erhöht.

Wie hoch ist das Hantavirus-Risiko bei der Gartenarbeit?

Das Risiko bei normaler Gartenarbeit ist gering, steigt aber bei Arbeiten in Waldnähe erheblich an – besonders beim Umschichten von Laubhaufen, Kompost oder Holzstapeln. Wo Staub entstehen kann, empfiehlt das Merkblatt von RKI, Charité und weiteren Instituten eine eng anliegende Atemschutzmaske (FFP3), Handschuhe, gründliches Lüften vorab und das Befeuchten der Ausscheidungen mit Reinigungsmittel.

Kann man Hantavirus durch Lebensmittel bekommen?

Eine Übertragung durch Lebensmittel ist theoretisch möglich, wenn Nagetiere direkten Kontakt mit Nahrungsmitteln hatten und diese roh oder ohne ausreichende Erhitzung verzehrt werden. Praktisch passiert das extrem selten. Lebensmittel in dichten, nagersicheren Behältern lagern; Vorräte mit Nagerspuren entsorgen.

Warum sind manche Jahre schlimmer als andere?

Der Mastjahr-Effekt: In Jahren mit außergewöhnlich hoher Bucheckernproduktion explodiert die Rötelmaus-Population. Auf ein Mastjahr folgt typischerweise eine stark erhöhte Hantavirus-Inzidenz. Die Ausbruchsjahre 2010, 2012, 2017, 2019 und 2021 folgten jeweils auf Jahre mit starker Buchenmast.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Symptomen oder Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Hantavirus-Erkrankungen unterliegen der Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz (IfSG § 7).

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