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Wohnschutz
Mücken → 15 Min. Lesezeit

Schnaken in der Wohnung: harmlos oder gefährlich?

Die große Mücke an der Wand ist eine Schnake – sie sticht nicht und saugt kein Blut. Woran Sie sie erkennen, wie sie hinauskommt, was ihre Larven anrichten.

Von Vyacheslav Levchenko
Große Schnake mit langen Beinen sitzt abends an einer hellen Zimmerwand

Abends sitzt plötzlich ein riesiges, langbeiniges Insekt an der Zimmerwand, taumelt beim Auffliegen gegen die Lampe und verliert dabei auch noch Beine. Der erste Gedanke ist fast immer derselbe: eine Riesenmücke – und die muss doch fürchterlich stechen. Sie tut es nicht. Das Tier ist eine Schnake, regional auch „Schneider“ genannt, und sie besitzt schlicht keinen Stechrüssel.

Inhalt · 9 Abschnitte
Das Wichtigste in einem Satz

Schnaken (Tipulidae) stechen nicht, saugen kein Blut und übertragen keine Krankheiten – sie sind Zufallsgäste am Licht und brauchen weder Spray noch Falle.

Schnake oder Stechmücke? Der Unterschied

Beide gehören zu den Zweiflüglern, und beide haben dünne Beine – damit endet die Ähnlichkeit. Die sicheren Unterscheidungsmerkmale liegen in Größe, Kopfform und Verhalten.

Nahaufnahme einer Wiesenschnake (Tipula paludosa) – langer schlanker Körper, sehr lange Beine, kurze stumpfe Schnauze ohne Stechrüssel
Wiesenschnake (Tipula paludosa) aus der Nähe: Statt eines Stechrüssels sitzt vorn nur eine kurze, stumpfe Schnauze. Genau daran lässt sich die Schnake sicher von der Stechmücke unterscheiden. Foto: Ryan Hodnett · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Schnake und Stechmücke im direkten Vergleich

Merkmal Schnake (Tipulidae) Stechmücke (Culicidae)
Körperlänge Wiesenschnake bis 2,5 cm, große Arten knapp 4 cm – mit Beinen wirkt sie riesig etwa 6–10 mm, davon bis zur Hälfte Stechrüssel
Kopf Kurze, stumpfe Schnauze ohne Stechborsten Dünner, gerader Stechrüssel nach vorn
Beine Sehr lang und dünn, brechen leicht ab Lang, aber viel kürzer als bei der Schnake
Flug Taumelnd, unbeholfen, stößt an Zielgerichtet, umkreist den Schlafenden
Nahrung erwachsen Allenfalls Nektar und Wasser Weibchen saugen Blut
Bedeutung für den Menschen Keine – sticht nicht, überträgt nichts Stiche, in Einzelfällen Krankheitsüberträger

Wer morgens eine abgetrennte, fadendünne Beinhälfte auf der Fensterbank findet, hatte es fast immer mit einer Schnake zu tun.

Warum eine Schnake nicht stechen kann

Der Stich einer Stechmücke funktioniert über einen Stechrüssel aus mehreren feinen Borsten, die Haut durchdringen und eine Blutkapillare anzapfen. Schnaken besitzen diesen Apparat nicht. Ihre Mundwerkzeuge sind zurückgebildet und höchstens zum Aufnehmen von Flüssigkeit geeignet.

Dahinter steht ein anderer Lebensplan: Die eigentliche Fressphase liegt bei der Larve im Boden. Das erwachsene Tier ist sehr kurzlebig und hat vor allem die Aufgabe, sich fortzupflanzen: Bei der Wiesenschnake erfolgen Schlupf, Paarung und Eiablage meist innerhalb eines Tages, die Weibchen sterben kurz danach. Als Nahrung nehmen erwachsene Schnaken allenfalls Nektar und Wasser auf. Ein blutsaugender Apparat wäre für dieses kurze Leben ohne Nutzen.

Daraus folgt auch: Schnaken übertragen keine Krankheiten. Ein Kontakt mit der Haut ist harmlos, und selbst wenn ein Tier auf dem Arm landet, passiert nichts.

Die Sache mit dem Wort „Schnake“

Ein großer Teil der Verunsicherung ist sprachlich, nicht biologisch. In weiten Teilen Süddeutschlands – vor allem in Baden, Schwaben und Franken – ist „Schnake“ das alltägliche Wort für die Stechmücke. Wer dort sagt „mich hat eine Schnake gestochen“, meint das stechende Tier und hat sprachlich völlig recht.

Fachlich bezeichnet „Schnake“ dagegen die Familie der Tipulidae, also die großen, langbeinigen Tiere, die eben nicht stechen. Beide Verwendungen sind verbreitet, und deshalb widersprechen sich Auskünfte im Netz scheinbar ständig.

Für die Praxis hilft die Faustregel: Was groß ist und taumelt, sticht nicht. Was klein ist und sirrt, sticht. Die Größe ist das verlässlichste Merkmal: Schon der Körper einer Wiesenschnake ist zwei- bis dreimal so lang wie der einer Stechmücke.

Warum sie in der Wohnung sitzt

Schnaken sind dämmerungs- und nachtaktiv und orientieren sich an Licht. Steht abends ein Fenster offen, während im Zimmer eine Lampe brennt, ist der Weg vorgezeichnet. Besonders viele Tiere kommen an warmen, windstillen Abenden der Hauptflugzeit – bei der Wiesenschnake etwa von Mitte August bis Anfang Oktober. Die Kohlschnake fliegt zusätzlich schon von April bis Juni, die Herbstschnake erst im Oktober und November.

Dieselbe Ursache erklärt einen zweiten Gast, der oft am selben Abend erscheint: den großen Nachtfalter. Auch er folgt nur dem Licht, und auch er ist harmlos. Wie Sie ihn unterscheiden und wann ein Falter im Zimmer doch auf einen Mottenbefall hindeutet, klärt Nachtfalter in der Wohnung.

Wichtig zur Einordnung: Schnaken vermehren sich nicht im Haus. Ihre Larven brauchen feuchten Boden mit Wurzeln – Blumentopf und Wohnzimmer scheiden aus. Mehrere Tiere an einem Abend bedeuten deshalb keinen Befall, sondern nur ein beleuchtetes Fenster.

Schnake hinausbefördern

Schnaken sind ausgesprochen zerbrechlich; schon ein hastiger Griff kostet das Tier mehrere Beine. Mit etwas Ruhe gelingt der Transport nach draußen ohne Schaden.

In vier Schritten nach draußen

  • Ruhe bewahren und das Tier sitzen lassen – auffliegende Schnaken sind schwerer zu fangen und verlieren dabei Beine.
  • Ein großes Glas langsam über das sitzende Tier stülpen, ohne die Wand zu berühren.
  • Ein festes Blatt Papier oder eine Postkarte flach unter die Öffnung schieben, bis das Glas geschlossen ist.
  • Glas nach draußen tragen, Papier abnehmen und das Tier an einer dunklen Stelle absetzen – nicht in Richtung des beleuchteten Fensters.
Umgedrehtes Glas über einer Schnake auf dem Fensterbrett, darunter eine flach untergeschobene Postkarte, daneben ein gekipptes Fenster
Glas über das sitzende Tier stülpen, Papier flach darunterschieben – so überstehen auch die brüchigen Beine den Transport nach draußen.

Wer kein Glas zur Hand hat, nutzt den einfachsten Trick: Licht im Zimmer aus, Licht in einem Nebenraum ebenfalls aus, dann ein Fenster zur dunklen Seite öffnen. Häufig findet das Tier innerhalb weniger Minuten selbst hinaus, weil es nun der Restheligkeit des Himmels folgt.

Ein Staubsauger ist ungeeignet: Er tötet das Tier meist, ohne dass es nötig wäre, und Schnakenteile im Filter sind kein Gewinn. Insektensprays sind hier ebenfalls fehl am Platz – gegen einen harmlosen Einzelgast, der nach wenigen Tagen ohnehin stirbt, ist ein Wirkstoff im Wohnraum sachlich nicht zu rechtfertigen.

Dauerhaft draußen halten

Weil die Tiere ausschließlich von außen kommen, wirkt hier nur eine Maßnahme wirklich: eine Barriere am Fenster. Alles andere sind Hilfsmittel.

  • Fliegengitter am Fenster. Jedes handelsübliche Gitter hält Schnaken mühelos zurück; für so große Tiere ist die Maschenweite unkritisch. Entscheidend ist ein lückenloser Randabschluss. Welches System zu welchem Fenster passt, vergleicht Insektenschutz fürs Fenster.
  • Licht zeitlich steuern. In der Hauptflugzeit hilft es, abends die Fenster erst nach dem Abdunkeln zu öffnen oder das Zimmerlicht zu dimmen, solange gelüftet wird.
  • Warmweißes statt kaltweißes Außenlicht. Insekten reagieren stärker auf hohe Blauanteile. Eine warmweiße Außenleuchte lockt deshalb in der Regel weniger Tiere an als eine kaltweiße.
  • Auf UV-Vernichter verzichten. Sie töten wahllos nachtaktive Insekten, darunter viele Nützlinge, und lösen das eigentliche Problem – die offene Fensteröffnung – überhaupt nicht. Im Freien sind solche Hochspannungs-Lichtfallen laut Umweltbundesamt ohnehin verboten; erlaubt sind sie nur im Haus.

Die Larven im Rasen

Der einzige Ort, an dem Schnaken tatsächlich Schaden anrichten, liegt draußen. Die Weibchen legen ihre Eier in feuchte Grasflächen; die daraus schlüpfenden Larven leben im Boden und ernähren sich von Wurzeln und Halmbasen. Sie sind graubraun, walzenförmig, beinlos und haben eine auffällig zähe Haut – im Englischen heißen sie deshalb leatherjackets.

Bei starkem Besatz zeigt sich das als gelbe bis kahle Flecken, die sich im Frühjahr ausdehnen, wenn die überwinterten Larven wieder aktiv werden. Ein zweites, oft eindeutigeres Zeichen: Vögel und Krähen reißen den Rasen auf, um an die Larven zu kommen. Wer im Frühjahr zerpflückte Grasnarbe ohne erkennbare Ursache findet, hat häufig Larven im Boden.

Larvenbefall im Rasen erkennen und einordnen

  1. ✓
    Gelbe, sich ausdehnende Flecken

    Vor allem im Frühjahr; das Gras lässt sich büschelweise abheben, weil die Wurzeln fehlen

  2. ✓
    Vögel reißen die Narbe auf

    Krähen, Elstern und Stare stochern gezielt – ein Hinweis auf Larven, nicht die Ursache des Schadens

  3. ✓
    Graubraune, beinlose Larven im Boden

    Bis etwa 4 cm lang, walzenförmig, zähe Haut; tagsüber in den obersten Zentimetern unter der Narbe, nachts fressen sie an der Oberfläche

  4. ✓
    Abgrenzung zu Engerlingen

    Engerlinge sind weiß, gekrümmt und haben drei Beinpaare am Vorderkörper – ein völlig anderes Tier

  5. ✓
    Abgrenzung zu Trockenschäden

    Trockenflecken folgen der Sonneneinstrahlung, Larvenschäden treten fleckig und unabhängig davon auf

Einzelne Larven richten keinen sichtbaren Schaden an und gehören zur normalen Bodenfauna – erst ein deutlicher Besatz rechtfertigt Maßnahmen.

Biologisch lassen sich die Larven mit Nematoden (Steinernema carpocapsae) bekämpfen, die mit dem Gießwasser ausgebracht und eingeregnet werden. Der Haken liegt im Zeitpunkt: Empfindlich sind nur die Junglarven, deshalb gehört die Behandlung laut Pflanzenschutzamt Niedersachsen in die Zeit von Mitte September bis Anfang Oktober, bei einer Bodentemperatur über 12 °C; danach den Boden zwei Wochen feucht, aber nicht nass halten. Zu diesem Zeitpunkt ist meist noch kein Schaden zu sehen – behandelt wird also vorbeugend oder weil der Rasen im Frühjahr zuvor schon gelitten hat. Die kahlen Flecken im April und Mai stammen von älteren Larven, gegen die Nematoden kaum noch helfen; auf kleinen Flächen bleibt dann das nächtliche Absammeln. Insektizide dürfen im Rasen nicht eingesetzt werden. Wichtiger als jede Behandlung ist jedoch die Einordnung: Nicht jede kahle Stelle ist ein Larvenschaden. Welche Ursachen gelbe und braune Flecken sonst noch haben und wie sie sich unterscheiden lassen, zeigt Braune Flecken im Rasen.

Weitere Verwechslungskandidaten

Neben der Stechmücke gibt es drei Tiere, die regelmäßig für eine Schnake gehalten werden – oder umgekehrt:

Weberknecht. Ebenfalls sehr lange, dünne Beine, aber acht davon und keine Flügel. Er ist eine Spinnentierart, sitzt bevorzugt in Ecken und an Kellerwänden und ist völlig harmlos.

Zuckmücke. Kleiner als die Schnake, bildet im Frühjahr und Herbst große Schwärme über Gewässern und hellen Hauswänden. Sie sticht ebenfalls nicht – das Männchen trägt auffällig gefiederte Fühler.

Kriebelmücke. Deutlich kleiner und gedrungen, dafür ein echter Blutsauger mit schmerzhaften Bissen. Wer nach einem Aufenthalt am Wasser eine stark schwellende Stelle bemerkt, hatte es nicht mit einer Schnake zu tun. Was bei Stichen hilft, steht in Insektenstiche behandeln.

Kriebelmücke von der Seite – gedrungener Körper mit stark gewölbtem Rücken, kurzen Fühlern und breiten Flügeln
Kriebelmücke (Simuliidae), 2–6 mm: gedrungener Körper, stark gewölbter Rücken, kurze Fühler, breite Flügel — im Licht schimmert der Rücken metallisch. Neben einer Schnake mit ihren fadendünnen Beinen ist sie nicht zu verwechseln. Foto: AJC1 · CC BY-SA 2.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Verlässlich bleibt das Kopfmerkmal: Nur wer einen nach vorn gerichteten, geraden Rüssel hat, kann stechen. Alles andere ist Begleitgeräusch.

Häufige Fragen

Können Schnaken stechen?

Nein. Schnaken der Familie Tipulidae besitzen keinen Stechrüssel, mit dem sie Haut durchdringen könnten. Ihre Mundwerkzeuge eignen sich allenfalls zum Aufnehmen von Nektar und Wasser. Ein Schnakenstich ist biologisch nicht möglich.

Warum wird die Schnake trotzdem oft Mücke genannt?

In weiten Teilen Süddeutschlands ist Schnake umgangssprachlich das Wort für die Stechmücke – dort heißt also das stechende Tier Schnake. Fachlich bezeichnet Schnake dagegen die Tipulidae, die großen langbeinigen Tiere, die nicht stechen. Diese doppelte Bedeutung ist der Grund für einen Großteil der Verwirrung.

Wie unterscheide ich Schnake und Stechmücke?

An der Größe und am Kopf. Schon der Körper einer Wiesenschnake wird bis 2,5 cm lang, mit den Beinen wirkt sie riesig; Stechmücken messen etwa 6–10 mm. Entscheidend ist der Kopf: Die Stechmücke trägt einen dünnen, geraden Stechrüssel nach vorn, die Schnake nur eine kurze, stumpfe Schnauze.

Wie kommen Schnaken in die Wohnung?

Fast immer durch beleuchtete Fenster und Türen. Schnaken sind dämmerungs- und nachtaktiv und orientieren sich an Lichtquellen. In der Hauptflugzeit im Spätsommer und Frühherbst sitzen sie deshalb abends an hellen Wänden, Lampenschirmen und Vorhängen.

Wie werde ich eine Schnake wieder los?

Am einfachsten mit Glas und Papier: Glas über das sitzende Tier stülpen, Papier darunterschieben, nach draußen tragen. Wegen der langen, brüchigen Beine dabei ruhig arbeiten. Alternativ hilft es, das Zimmerlicht auszuschalten und ein Fenster zur dunklen Seite zu öffnen – oft findet das Tier von selbst hinaus.

Schaden Schnaken dem Rasen?

Nicht die erwachsenen Tiere, aber ihre Larven. Die im Boden lebenden Larven, oft Erdschnaken-Larven genannt, fressen an Graswurzeln und können bei starkem Besatz gelbe bis kahle Flecken verursachen. Auffällig wird das meist im April und Mai, oft zusätzlich durch Vögel, die den Rasen nach ihnen aufreißen. Nematoden wirken nur gegen die Junglarven im Herbst, von Mitte September bis Anfang Oktober.

Wann ist die Hauptflugzeit der Schnaken?

Die häufige Wiesenschnake fliegt etwa von Mitte August bis Anfang Oktober. Die Kohlschnake hat zwei Generationen und fliegt zusätzlich von April bis Juni, die Herbstschnake erst im Oktober und November. In dieser Zeit können an einem warmen, windstillen Abend viele Tiere gleichzeitig ans Licht kommen.

Muss ich Schnaken im Haus bekämpfen?

Nein. Schnaken vermehren sich nicht in Wohnräumen, fressen weder Vorräte noch Textilien und übertragen keine Krankheiten. Sie sind Zufallsgäste, die nach kurzer Zeit ohnehin sterben. Insektizide sind hier sachlich nicht begründet – ein Fliegengitter löst das Problem dauerhaft.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei ungewöhnlichen Hautreaktionen nach einem Insektenkontakt oder bei Unsicherheit über die Tierart wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt beziehungsweise an eine fachkundige Beratungsstelle.

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