Zum Inhalt springen
Wohnschutz
Tauben & Taubenabwehr → 12 Min. Lesezeit

Taubennest auf dem Balkon: Was jetzt zu tun ist

Taubennest auf dem Balkon entdeckt? Wann Sie Nest und Eier der Stadttaube entfernen dürfen, warum der Eiertausch besser wirkt, was bei Küken gilt und wie Sie eine erneute Brut verhindern.

Von Vyacheslav Levchenko
Einfaches Taubennest aus wenigen Zweigen in der Ecke eines Balkons hinter einem Blumenkasten

Kurz gesagt: Was Sie tun dürfen, hängt davon ab, welche Taube brütet und was im Nest liegt. Nur Nistmaterial: Jetzt ist der beste Zeitpunkt – Material entfernen und im selben Zug eine Barriere montieren, sonst wird innerhalb weniger Tage neu gebaut. Eier der Stadttaube: dürfen entfernt werden; besser ist der Austausch gegen Attrappen, sobald das zweite Ei liegt. Küken: Nest und Küken bleiben, bis die Jungen flügge sind – das schützt das Tierschutzgesetz. Leeres Nest: sofort entfernen und gründlich reinigen. Nester und Gelege von Wildtauben wie Ringel- oder Türkentaube sind in jedem Stadium tabu.

Ein Taubennest ist unscheinbar: ein paar Zweige, etwas Halm, oft nicht mehr als eine flache Mulde hinter dem Blumenkasten, unter dem Klimagerät oder in der windgeschützten Ecke der Loggia. Genau diese Unauffälligkeit führt dazu, dass es oft erst entdeckt wird, wenn schon Eier darin liegen – oder sogar Küken, und dann bleibt nur noch das Warten.

Denn das ist der eigentliche Punkt: Stadttauben brüten fast ganzjährig und kehren zuverlässig an einen bewährten Platz zurück.

Inhalt · 10 Abschnitte
Zuerst hinsehen, dann handeln

Werfen Sie einen ruhigen Blick ins Nest, bevor Sie irgendetwas anfassen – aus einigen Schritten Entfernung oder mit dem Handy als Spiegel, wenn die Stelle schlecht einsehbar ist. Ob dort zwei weiße Eier, kaum befiederte Jungtiere oder nur Zweige liegen, entscheidet über alles Weitere – und ob es überhaupt eine Stadttaube ist. Ein Nest mit Küken zu entfernen ist ein Tierschutzverstoß. Ein Nest mit Eiern einfach wegzuwerfen ist bei der Stadttaube zwar erlaubt, macht die Sache aber praktisch oft schlimmer: Das Paar baut in unmittelbarer Nähe neu und legt nach.

Nest erkennen und Brutphase bestimmen

Taubennester sind minimalistisch. Anders als das kunstvoll geflochtene Nest einer Amsel besteht es oft nur aus einer Handvoll Zweige, Halmen und – in der Stadt sehr typisch – Draht, Kabelbindern oder Plastikresten. Es liegt flach, wirkt provisorisch und wird über die Zeit durch Kot regelrecht zementiert.

Ein Gelege umfasst fast immer zwei weiße Eier, deutlich kleiner als Hühnereier. Beide Elterntiere brüten abwechselnd; das Männchen meist tagsüber, das Weibchen nachts. Deshalb sitzt fast immer ein Tier auf dem Nest – ein leeres Nest mit Eiern zu sehen bedeutet oft nur, dass Sie im Moment des Wechsels hingeschaut haben.

Brutphasen und ihre Dauer

Phase Woran erkennbar Dauer Was möglich ist
Nestbau Loses Material, Tiere tragen Zweige heran 1–3 Tage Material entfernen, Barriere montieren
Bebrütung Zwei weiße Eier, fast durchgehend besetzt ca. 17–19 Tage Stadttaube: Eier gegen Attrappen tauschen; Wildtaube: in Ruhe lassen
Nestlingszeit Gelbliche Dunen, später graue Federn, laute Bettelrufe ca. 25–30 Tage Nichts entfernen, Störungen vermeiden
Nach dem Ausfliegen Nest leer, Jungtiere sitzen auf Geländer oder Dach – Nest entfernen, reinigen, Barriere montieren

Lassen Sie ein Gelege ausbrüten, wird der Platz ab der Eiablage erst nach rund sechs bis sieben Wochen frei. Entdecken Sie bereits befiederte Jungtiere, sind es meist nur noch ein bis zwei Wochen.

Die drei Fälle und was jeweils gilt

Zuerst zählt die Art. Verwilderte Stadttauben gelten als verwilderte Haustiere und sind nicht besonders geschützt; für sie gilt das Tierschutzgesetz, und das schützt die Tiere – die Küken, nicht das Gelege. Das Veterinäramt Hannover formuliert es so: Nur das Entfernen von Nestern und Eiern der Stadttauben ist „sinnvoll und erlaubt“. Wildtauben wie Ringeltaube und Türkentaube sind dagegen wie alle europäischen Vogelarten besonders geschützt; ihre Nester und Gelege dürfen nach § 44 BNatSchG nicht entfernt werden. Die Ringeltaube erkennen Sie am weißen Fleck an beiden Halsseiten, die Türkentaube am schwarzen Nackenband auf hell sandfarbenem Gefieder; Stadttauben sind meist grau mit sehr unterschiedlicher Zeichnung.

Für die Stadttaube auf dem Balkon heißt das: Nistmaterial und Eier dürfen weg, Küken bleiben, bis sie flügge sind.

Die vollständige rechtliche Einordnung – auch zu Fütterungsverboten, Bußgeldern und der Frage, was Vermieter dürfen – finden Sie im Ratgeber Tauben vertreiben: Was erlaubt ist und was verboten. Für die Praxis am Balkon reichen die folgenden Fälle.

Nur Nistmaterial: jetzt handeln

Das ist die beste Ausgangslage und zugleich die kürzeste: Tauben tragen Material meist über ein bis drei Tage zusammen. Wer in diesem Fenster reagiert, erspart sich Eiertausch oder Wartezeit.

Bei beginnendem Nestbau

  1. 1
    Material sofort entfernen

    Mit Handschuhen abnehmen und in einem verschlossenen Beutel entsorgen, nicht einfach herunterwerfen

  2. 2
    Stelle gründlich reinigen

    Feucht arbeiten, danach desinfizieren – zurückbleibender Kot wirkt als Einladung für den nächsten Anflug

  3. 3
    Die Stelle unbrauchbar machen

    Spikes auf die Kante, Netz vor die Nische oder eine schräge Abdeckung – ohne Barriere wird binnen Tagen neu gebaut

  4. 4
    Übrige Nischen mitprüfen

    Hinter Blumenkästen, unter Klimageräten, in Rollladenkästen und Dachüberständen nachsehen

  5. 5
    Zwei Wochen kontrollieren

    Täglicher Blick auf den Balkon; neu angetragenes Material sofort wieder entfernen

Der dritte Schritt ist der entscheidende. Nistmaterial ohne Barriere zu entfernen führt fast immer dazu, dass dieselbe Stelle erneut belegt wird – Tauben halten hartnäckig an einem einmal gewählten Standort fest.

Eier im Nest: Attrappen statt Wegwerfen

Liegen Eier einer Stadttaube im Nest, dürfen Sie sie entfernen. Werfen Sie Nest und Eier einfach weg, beginnt das Paar aber meist sofort mit dem nächsten Nest und dem nächsten Gelege – oft wenige Meter weiter. Kommunen und Taubenschutzvereine empfehlen deshalb den Eiertausch: Die echten Eier werden gegen Attrappen aus Gips oder Kunststoff getauscht. Das Paar brütet weiter, ohne dass Nachwuchs schlüpft, und Sie gewinnen Zeit, den Balkon zu sichern.

Eiertausch bei der Stadttaube

  1. 1
    Art prüfen

    Weißer Halsfleck (Ringeltaube) oder schwarzes Nackenband (Türkentaube): Gelege nicht anfassen

  2. 2
    Zweites Ei abwarten

    Tauben legen fast immer zwei Eier, das zweite meist innerhalb von zwei Tagen nach dem ersten

  3. 3
    Mit Handschuhen tauschen

    Beide Eier gegen Gips- oder Kunststoffattrappen tauschen, wenn kein Altvogel auf dem Nest sitzt

  4. 4
    Balkon sichern

    Alle übrigen Kanten und Nischen jetzt mit Spikes, Netz oder Abdeckung verschließen

  5. 5
    Nest zuletzt entfernen

    Haben die Tauben aufgegeben, Nest und Attrappen entfernen, reinigen und die Stelle sofort verschließen

Wer sich unsicher ist, bekommt Hilfe bei örtlichen Taubenschutzvereinen und beim Veterinäramt; viele Städte betreuen außerdem Taubenschläge, in denen die Eier regelmäßig getauscht werden.

Küken im Nest: warten und begleiten

Sind Küken geschlüpft, schützt sie das Tierschutzgesetz: Nest und Küken bleiben, bis die Jungen flügge sind. Bei Wildtauben gilt das schon ab dem Gelege. Das ist ärgerlich, wenn der Balkon eigentlich gebraucht wird – aber es gibt einiges, was Sie in dieser Zeit sinnvoll tun können.

Den Rest des Balkons sichern. Alles außerhalb des unmittelbaren Nestbereichs dürfen Sie vorbereiten: Spikes auf Geländer und Fensterbank montieren, Nischen schließen, andere Kanten abdecken. Dann bleibt am Ende nur noch ein kleiner Abschnitt übrig.

Abstand halten, aber nicht verstecken. Ein normaler Balkonbetrieb stört brütende Tauben in der Stadt kaum – sie sind an Menschen gewöhnt. Vermeiden Sie lediglich, direkt am Nest zu hantieren oder es wiederholt zu beleuchten.

Kot regelmäßig aufnehmen. Während der Brutzeit sammelt sich am Nestrand erhebliche Mengen an. Nehmen Sie ihn in den Randbereichen feucht auf, statt am Ende alles auf einmal zu haben. Die richtige Vorgehensweise samt Schutzausrüstung beschreibt der Ratgeber Taubenkot entfernen.

Den Ausflugstermin notieren. Sobald die Jungen ausgeflogen sind, haben Sie nur ein kurzes Zeitfenster, bevor das Paar den nächsten Brutversuch startet. Stadttauben können mehrere Bruten pro Jahr großziehen und beginnen oft, während die vorherigen Jungtiere noch in der Nähe sind.

Loses Nistmaterial aus Zweigen und Halmen in der Ecke eines Balkonbodens, noch ohne Gelege
Loses Material ohne Eier: In diesem Stadium kostet die Lösung eine halbe Stunde – mit Küken sind es Wochen Wartezeit.

Leeres Nest: entfernen und reinigen

Ist das Nest verlassen, gehört es weg – und zwar vollständig, nicht nur die oberste Lage. Unter dem sichtbaren Material liegt in der Regel eine harte, mit Kot verbackene Schicht, die als Geruchs- und Sichtmarke wirkt.

Nest entfernen – so gehen Sie vor

  • Schutzausrüstung anlegen: FFP3-Maske, Einweghandschuhe, langärmelige Kleidung
  • Nest und Untergrund mit Wasser aus der Sprühflasche gründlich einweichen, zehn Minuten warten
  • Material feucht abnehmen und sofort in einen verschließbaren Beutel geben, in den Restmüll
  • Verkrustete Reste mit Kunststoffspachtel lösen, erneut befeuchten statt zu kratzen
  • Fläche reinigen, danach mit Flächendesinfektionsmittel behandeln und Einwirkzeit einhalten
  • Ritzen, Rollladenkasten und Fugen kontrollieren – Vogelmilben wandern nach dem Auszug ab
  • Im selben Arbeitsgang die Barriere montieren, nicht auf später verschieben

Danach: erneute Brut verhindern

Ein einmal genutzter Brutplatz bleibt für Tauben attraktiv, auch nach Monaten. Ohne bauliche Veränderung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieselbe Ecke im nächsten Zyklus wieder belegt wird.

Welche Barriere passt, hängt von der Stelle ab: Für die typische Nestecke hinter einem Blumenkasten reicht meist eine schräge Abdeckung oder ein passgenau zugeschnittener Spikes-Streifen. Bei einer tiefen, überdachten Loggia ist das Netz die einzige Lösung, die den Raum wirklich schließt. Die Montage im Detail – Materialwahl, Befestigung ohne Bohren, typische Lücken – behandelt der Ratgeber Taubenabwehr am Balkon; die Systeme im Vergleich finden Sie unter beste Taubenabwehr.

Ein Detail, das oft vergessen wird: Räumen Sie den Balkon so auf, dass keine neuen Nischen entstehen. Übereinandergestapelte Kisten, ein umgedrehter Tisch über den Winter, ein zusammengerollter Sonnenschirm in der Ecke – all das schafft genau die geschützten Hohlräume, die Tauben suchen.

Verletzte oder verwaiste Jungtiere

Gelegentlich fällt ein Jungtier aus dem Nest oder ein Elternteil verunglückt. Bevor Sie eingreifen, lohnt ein zweiter Blick: Junge Tauben verlassen das Nest, bevor sie sicher fliegen können, und sitzen dann tagelang auf Geländern oder Vorsprüngen, während sie weiter von den Eltern versorgt werden. Ein solcher Ästling wirkt hilflos, ist es aber nicht.

Handlungsbedarf besteht, wenn ein Tier sichtbar verletzt ist, in Fäden oder Netzen hängt, über viele Stunden am selben Ort sitzt, ohne dass Altvögel auftauchen, oder wenn es apathisch und aufgeplustert am Boden hockt. Wenden Sie sich dann an eine örtliche Wildtier- oder Taubenhilfe, den Tierschutzverein oder eine Tierarztpraxis. Fassen Sie das Tier nur mit Handschuhen an und setzen Sie es zum Transport in einen belüfteten Karton an einem ruhigen, dunklen Ort.

Ein Hinweis zur Netzmontage, der hierher gehört: Ein zu locker gespanntes oder beschädigtes Netz ist die häufigste Ursache dafür, dass sich Vögel verfangen. Wer vernetzt, trägt Verantwortung dafür, dass das Netz straff sitzt und regelmäßig kontrolliert wird.

Häufige Fragen

Darf ich ein Taubennest vom Balkon entfernen?

Bei der Stadttaube: solange keine Küken darin sind, ja. Nistmaterial und Eier der Stadttaube dürfen entfernt werden – das Veterinäramt Hannover nennt das ausdrücklich „sinnvoll und erlaubt“. Wirksamer ist es, die Eier gegen Attrappen zu tauschen, sobald das zweite Ei liegt; sonst legt das Paar sofort nach. Sind Küken geschlüpft, schützt sie das Tierschutzgesetz: Nest und Küken bleiben, bis die Jungen flügge sind. Nester und Gelege von Wildtauben wie Ringel- oder Türkentaube sind dagegen nach dem Bundesnaturschutzgesetz tabu.

Wie lange dauert es, bis junge Tauben ausfliegen?

Rechnen Sie ab der Eiablage mit etwa sechs bis sieben Wochen. Die Bebrütung dauert rund 17 bis 19 Tage, danach bleiben die Jungtiere etwa 25 bis 30 Tage im Nest. Entdecken Sie bereits befiederte Jungvögel, verkürzt sich die Wartezeit entsprechend auf ein bis zwei Wochen.

Was mache ich, wenn im Nest zwei Eier liegen?

Zuerst die Art prüfen. Bei der Stadttaube tauschen Sie die beiden Eier mit Handschuhen gegen Gips- oder Kunststoffattrappen: Das Paar brütet weiter auf den Attrappen, statt sofort neu zu legen, und Sie sichern derweil den restlichen Balkon mit Spikes und Abdeckungen. Nach einigen Wochen geben die Tauben auf – dann Nest und Attrappen entfernen, reinigen und die Stelle im selben Arbeitsgang verschließen. Liegt erst ein Ei, warten Sie das zweite ab; es folgt meist innerhalb von zwei Tagen. Bei Ringel- oder Türkentaube bleibt das Gelege unangetastet.

Kommen die Tauben nach dem Entfernen des Nests zurück?

Sehr wahrscheinlich, wenn Sie nur das Nest entfernen. Tauben haben ein ausgeprägtes Ortsgedächtnis und halten an einem bewährten Brutplatz fest, auch über Monate. Der Standort wird erst uninteressant, wenn er körperlich unbrauchbar ist – durch Spikes, ein Netz oder eine schräge Abdeckung. Reinigung allein genügt nicht, weil die Attraktivität des Ortes bleibt.

Wie oft brüten Stadttauben im Jahr?

Stadttauben brüten in Mitteleuropa nahezu ganzjährig, mit einem Schwerpunkt zwischen Frühjahr und Herbst. Bei guter Futterversorgung sind mehrere Bruten pro Jahr möglich, häufig beginnt das Paar bereits mit dem nächsten Gelege, während die vorherigen Jungtiere noch in der Nähe sitzen. Ein Zeitfenster, in dem der Balkon von selbst dauerhaft frei bleibt, gibt es deshalb nicht.

Ein junges Taubenküken sitzt auf meinem Balkon – muss ich helfen?

Meist nicht. Junge Tauben verlassen das Nest, bevor sie sicher fliegen können, und werden als sogenannte Ästlinge weiter von den Eltern gefüttert. Beobachten Sie das Tier über einige Stunden aus der Distanz. Eingreifen sollten Sie, wenn es sichtbar verletzt ist, sich in Fäden oder Netzen verfangen hat oder über lange Zeit apathisch und aufgeplustert dasitzt, ohne dass Altvögel erscheinen. Wenden Sie sich dann an eine Wildtierauffangstation, den Tierschutzverein oder eine Tierarztpraxis.

Weitere Ratgeber

© 2026 wohnschutz.com – Alle Texte, Grafiken und strukturierten Inhalte dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG). Die auszugsweise oder vollständige Übernahme ist nur mit ausdrücklicher Quellenangabe und einem gesetzten, aktiven Hyperlink auf die jeweilige Originalseite gestattet. Kommerzielle Nutzung, Weiterverbreitung oder Bearbeitung ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt. Bei Verstößen behalten wir uns rechtliche Schritte gemäß § 97 UrhG vor.