FSME-Impfung Nebenwirkungen: Was normal ist und wann Arzt
FSME-Impfung Nebenwirkungen: häufige lokale Reaktionen, systemische Beschwerden, seltene Risiken, Kontraindikationen und Auffrischungsintervalle im Überblick.
Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle sind die häufigsten Nebenwirkungen der FSME-Impfung; auch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen oder leichtes Fieber können auftreten. Beschwerden, die in den ersten 1–3 Tagen beginnen und von selbst abklingen, sind meist normale Impfreaktionen.
Fieber über 39 °C, Beschwerden nach Tag 3, eine stark zunehmende Schwellung oder ungewöhnliche Symptome sollten Sie ärztlich abklären lassen. Bei Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Bewusstseinsstörungen gilt: sofort den Notruf 112 wählen.
Inhalt · 9 Abschnitte
Nebenwirkungen nach einer FSME-Impfung sind in der Regel normal und harmlos – sie zeigen, dass das Immunsystem reagiert. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei anhaltendem hohem Fieber, starken Schmerzen, Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Bewusstseinsstörungen sofort den Notruf 112 rufen.
Häufige Nebenwirkungen der FSME-Impfung im Überblick
Die FSME-Impfung gehört zu den gut verträglichen Schutzimpfungen. Dennoch sind Impfreaktionen möglich und bei einem Teil der Geimpften zu erwarten. Wichtig ist, zwischen einer normalen Impfreaktion und einer behandlungsbedürftigen Nebenwirkung zu unterscheiden.
Als Faustregel gilt: Was innerhalb der ersten 1–3 Tage nach der Impfung auftritt und sich von selbst bessert, ist in aller Regel eine normale Reaktion des Immunsystems. Das Immunsystem lernt den Impfstoff kennen – und diese Lernreaktion kann spürbar sein.
Die Häufigkeitskategorien in der medizinischen Klassifikation lauten: sehr häufig (mehr als 10 %), häufig (1–10 %), gelegentlich (0,1–1 %), selten (0,01–0,1 %), sehr selten (unter 0,01 %).
Häufigkeit der Nebenwirkungen nach FSME-Impfung
- ✓ Sehr häufig (>10 %)
Reaktionen an der Einstichstelle, vor allem Schmerzen
- ✓ Häufig (1–10 %)
Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Krankheitsgefühl
- ✓ Gelegentlich (0,1–1 %)
Lymphknotenschwellung, Erbrechen, Fieber, Bluterguss an der Einstichstelle
- ✓ Selten (0,01–0,1 %)
Überempfindlichkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Durchfall; Rötung, Verhärtung oder Schwellung an der Einstichstelle
- ✓ Selten nach Markteinführung gemeldet
Anaphylaxie, Guillain-Barré-Syndrom, Verschlimmerung von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose – ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, wird im Einzelfall geprüft
Häufigkeiten nach Fachinformation FSME-IMMUN 0,5 ml Erwachsene (Pfizer, Stand Oktober 2024), Daten aus 7 klinischen Prüfungen mit rund 3.500 Personen. Encepur hat eine eigene Fachinformation mit leicht abweichenden Angaben.
Der vollständige Ratgeber zur FSME-Impfung – Wirksamkeit, Impfplan und Kostenfragen – ist hier zusammengefasst: FSME-Impfung in Deutschland – vollständiger Ratgeber.
Lokale Reaktionen an der Einstichstelle
Lokale Reaktionen sind die häufigsten Nebenwirkungen nach jeder Impfung – so auch nach der FSME-Impfung. Sie entstehen dort, wo die Nadel in den Muskel eingestochen wurde, meistens in den Oberarm (Deltamuskel).
Was ist typisch?
- Schmerzen beim Berühren oder Bewegen des Armes
- Rötung und Wärme an der Einstichstelle
- Schwellung oder kleine Verhärtung unter der Haut
- Leichtes Jucken
Diese Symptome beginnen meist innerhalb der ersten Stunden nach der Impfung und klingen in der Regel innerhalb von 1–3 Tagen vollständig ab. Sie sind ein Zeichen dafür, dass der Körper auf den injizierten Impfstoff reagiert.
Was hilft bei lokalen Reaktionen?
Eine kühle Kompresse oder ein Kühlpad, das nicht direkt auf die Haut gelegt wird (immer mit einem dünnen Tuch dazwischen), kann die Schwellung und den Schmerz lindern. Der Arm sollte bewegt werden – Schonung verlängert die Beschwerden eher.
Wenn die Schwellung stark zunimmt, sich über einen größeren Bereich ausbreitet, nach mehr als 5 Tagen nicht abklingt oder von hohem Fieber begleitet wird, sollten Sie eine Arztpraxis aufsuchen.
Systemische Reaktionen: Allgemeinbeschwerden nach der Impfung
Systemische Reaktionen betreffen den ganzen Körper und nicht nur die Einstichstelle. Sie sind bei der FSME-Impfung weniger häufig als lokale Reaktionen, aber durchaus möglich.
Typische systemische Impfreaktionen:
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Kopfschmerzen
- Muskel- und Gliederschmerzen
- Leichtes Fieber (unter 38,5 °C)
- Allgemeines Krankheitsgefühl, ähnlich wie bei einem leichten grippalen Infekt
- Gelegentlich Übelkeit
Laut Robert Koch-Institut treten solche Allgemeinsymptome innerhalb der ersten 1–4 Tage auf, vor allem nach der ersten Impfung; nach weiteren Dosen werden sie seltener. Fieber tritt bei etwa 5–6 % der Geimpften auf.
Warum tritt systemisches Unwohlsein auf?
Der Körper setzt bei der Impfreaktion Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) frei. Diese sind Teil der normalen Immunantwort und verantwortlich für Beschwerden wie Müdigkeit, Fieber und Muskelschmerzen. Der gleiche Mechanismus tritt bei natürlichen Infektionen auf – mit dem Unterschied, dass die Impfreaktion deutlich kürzer und milder ist als eine echte Erkrankung.
Systemische Reaktionen: Was normal ist
- 1 12–24 Stunden nach Impfung
Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichtes Fieber setzen oft ein
- 2 Tag 1–2
Muskelschmerzen und allgemeines Unwohlsein; leichte Sportpause empfehlenswert
- 3 Tag 2–3
Deutliche Besserung; die meisten systemischen Reaktionen klingen ab
- 4 Nach Tag 3
Persistierende oder zunehmende Beschwerden unbedingt ärztlich abklären lassen
Seltene und sehr seltene Nebenwirkungen
Seltene Nebenwirkungen der FSME-Impfung sind in der Fachinformation beschrieben, aber bei sehr wenigen Geimpften zu erwarten. Es ist wichtig, diese Informationen einzuordnen: Selten bedeutet 1 bis 10 von 10.000 Geimpften.
Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung)
Gelegentlich kommt es zu einer vorübergehenden Schwellung der Lymphknoten in der Achsel oder im Bereich des geimpften Arms. Diese ist harmlos und bildet sich ohne Behandlung zurück.
Vorübergehende Nervenbeschwerden
Sehr selten werden laut RKI Missempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln beobachtet. Häufig treten dagegen vorübergehende Gelenk- und Muskelschmerzen auf; im Nacken können sie mit Zeichen einer Hirnhautreizung verwechselt werden.
Schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie)
Eine Anaphylaxie ist die schwerwiegendste, aber auch seltenste Impfkomplikation. Sie tritt innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde nach der Impfung auf. Deshalb gilt in Arztpraxen eine Beobachtungszeit von 15–30 Minuten nach jeder Impfung als Standard. Im Falle einer Anaphylaxie wird sofort Adrenalin injiziert – dafür sind Arztpraxen vorbereitet.
Autoimmune und neurologische Komplikationen
Nach der Markteinführung wurden in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen wie ein Guillain-Barré-Syndrom oder die Verschlimmerung von Autoimmunerkrankungen (etwa Multiple Sklerose) gemeldet. Solche Erkrankungen kommen auch ohne Impfung vor; ob ein ursächlicher Zusammenhang oder ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen vorliegt, muss im Einzelfall geklärt werden. Verdachtsfälle meldet die Arztpraxis an das Paul-Ehrlich-Institut – Sie können das über das Online-Formular des PEI auch selbst tun.
Zeichen einer Anaphylaxie sind: Atemnot, Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht, starker Schwindel, Herzrasen, Blässe oder Bewusstseinsverlust. Das sind Notsituationen – sofort Notruf 112 wählen.
Nebenwirkungen bei Kindern: Was Eltern wissen sollten
Kinder vertragen die FSME-Impfung im Allgemeinen gut. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, die Eltern kennen sollten.
Fieber häufiger nach der ersten Dosis
Besonders nach der ersten Dosis reagieren kleine Kinder häufiger mit Fieber als Erwachsene. Laut RKI liegt das Risiko bei Kindern unter 3 Jahren bei etwa 15 %, bei allen Geimpften bei 5–6 %. Die Fachinformation zu Encepur Kinder führt Fieber über 38 °C bei 1- bis 2-Jährigen als sehr häufig (über 10 %), bei 3- bis 11-Jährigen als häufig; bei unter 3-Jährigen kann auch hohes Fieber ab 39,5 °C auftreten. Nach der zweiten und dritten Dosis ist das Fieber-Risiko geringer. Wegen des Fieberrisikos empfiehlt die STIKO bei Kindern unter 3 Jahren eine besonders sorgfältige Abwägung gemeinsam mit den Eltern.
Was hilft bei Kindern?
- Ausreichend trinken lassen
- Kühle Umgebung schaffen
- Bei Fieber ab 38,5 °C altersgerechtes Fiebermittel nach Rücksprache mit dem Kinderarzt
Beobachtungszeit nicht abkürzen
Die Beobachtungszeit von 15–30 Minuten nach der Impfung in der Praxis gilt besonders für Kinder. Allergische Reaktionen entstehen fast immer in diesem Zeitfenster.
Wer Kinder gegen Zecken schützen möchte, findet weiterführende Informationen in Zecken bei Kindern – Worauf Eltern achten sollten.
Checkliste: Nach der Impfung bei Kindern
- 15–30 Minuten in der Praxis warten, nicht vorzeitig gehen
- Ausreichend Trinken anbieten (Wasser, Saft)
- Arm nicht massieren – das verstärkt lokale Reaktionen
- Normalaktivität erlaubt, Sport am Impftag lieber pausieren
- Temperatur messen wenn das Kind ungewöhnlich weint oder schläft
- Bei Fieber über 38,5 °C Kinderarzt kontaktieren
- Impfpass mit Datum und Chargennummer aufbewahren
Kontraindikationen: Wann sollte man NICHT gegen FSME geimpft werden?
Kontraindikationen sind medizinische Gründe, die gegen eine Impfung sprechen. Bei der FSME-Impfung gibt es absolute und relative Kontraindikationen.
Gegenanzeige: Schwere Hühnereiweißallergie
Die Impfviren werden in Zellkulturen aus Hühnerembryonen gezüchtet (bei FSME-IMMUN: Hühnerembryonal-Fibroblastenzellen). Laut Fachinformation FSME-IMMUN ist eine schwere Überempfindlichkeit gegen Eiprotein und Hühnereiweiß – also eine anaphylaktische Reaktion nach dem Essen von Ei – eine Gegenanzeige, ebenso eine Überempfindlichkeit gegen Produktionsrückstände wie Formaldehyd, Neomycin, Gentamicin oder Protaminsulfat. Ob und wie dann trotzdem geimpft werden kann, entscheidet der Arzt, gegebenenfalls in einem allergologischen Zentrum.
Eine nicht schwerwiegende Allergie gegen Eiprotein ist dagegen keine Gegenanzeige – das muss der Arzt im Einzelfall einschätzen.
Vorübergehende Kontraindikation: Akute Erkrankung
Bei akuter fieberhafter Erkrankung wird die Impfung verschoben. Der Grund: Es wäre schwer zu unterscheiden, ob Beschwerden von der Erkrankung oder von der Impfreaktion stammen. Außerdem kann die Immunantwort auf die Impfung bei akuter Infektion beeinträchtigt sein.
Relative Kontraindikation: Schwere Immunschwäche
Bei schwerer Immunsuppression (z. B. nach Organtransplantation, bei Chemotherapie oder bei bestimmten Autoimmunerkrankungen) kann die Impfantwort unzureichend sein. Außerdem sind Lebendimpfstoffe für Immunsupprimierte oft problematisch – FSME-Impfstoffe sind jedoch Totimpfstoffe, was sie grundsätzlich sicherer macht. Dennoch sollte die Impfentscheidung und das Timing mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Bekannte Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile
Wenn jemand nach einer früheren FSME-Impfung eine schwere allergische Reaktion hatte, muss vor der nächsten Dosis eine allergologische Abklärung erfolgen.
FSME-Immun vs. Encepur: Die vier Impfstoffe im Vergleich
In Deutschland sind vier FSME-Impfstoffe zugelassen: FSME-IMMUN Erwachsene, FSME-IMMUN Junior (für Kinder), Encepur Erwachsene und Encepur Kinder. Alle vier basieren auf inaktivierten FSME-Viren, unterscheiden sich aber in Altersfreigabe, Adjuvans und einigen Details des Impfschemas.
FSME-Impfstoffe im Vergleich (Stand 2024)
| Impfstoff | Altersfreigabe | Adjuvans | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| FSME-IMMUN Erwachsene | Ab 16 Jahren | Aluminiumhydroxid | Standardschema 0 / 1–3 / 5–12 Monate; Schnellschema mit 2. Dosis nach 14 Tagen |
| FSME-IMMUN Junior | 1–15 Jahre | Aluminiumhydroxid | Halbe Antigenmenge; bei Kleinkindern häufiger Fieber nach Erstdosis |
| Encepur Erwachsene | Ab 12 Jahren | Aluminiumhydroxid | Standard 0 / 14 Tage–3 Monate / 9–12 Monate; Expressschema 0/7/21 Tage mit Auffrischung nach 12–18 Monaten |
| Encepur Kinder | 1–11 Jahre | Aluminiumhydroxid | Halbe Antigenmenge; Fieber über 38 °C bei 1- bis 2-Jährigen sehr häufig (über 10 %) |
Wichtiger Hinweis zur Austauschbarkeit: Laut Robert Koch-Institut gelten FSME-IMMUN und Encepur als gleichwertig und austauschbar; Studien zeigen, dass ein Wechsel im Bedarfsfall ohne Wirkungsverlust möglich ist. Wenn möglich, sollte die Grundimmunisierung aber mit dem Impfstoff desselben Herstellers abgeschlossen werden. Ein Neustart ist nicht nötig – auch nicht, wenn Sie die Praxis wechseln und dort ein anderes Präparat vorrätig ist.
Für Reisende, die kurzfristig Schutz benötigen, bietet Encepur Erwachsene ein Schnellschema (0/7/21 Tage) an. Auch FSME-IMMUN hat ein Schnellschema (zweite Dosis 14 Tage nach der ersten). Laut Fachinformation wird nach den ersten beiden Dosen ein ausreichender Schutz für die aktuelle Zeckensaison erwartet; der volle Schutz besteht nach der dritten Dosis.
Auffrischungsintervalle: Sie hängen vom Impfstoff ab
Die Grundimmunisierung allein reicht nicht lebenslang. Der Impfschutz gegen FSME baut sich über die Zeit ab, weshalb Auffrischungsimpfungen notwendig sind. Wie oft, dafür verweist das Robert Koch-Institut ausdrücklich auf die Fachinformation des verwendeten Impfstoffs – und die beiden zugelassenen Präparate setzen die Altersgrenze unterschiedlich an. Das ist der häufigste Grund für widersprüchliche Angaben zu diesem Thema.
Nach Fachinformation:
- FSME-IMMUN: erste Auffrischung 3 Jahre nach der dritten Dosis, danach unter 60 Jahren alle 5 Jahre, ab 60 Jahren alle 3 Jahre
- Encepur: erste Auffrischung nach 3 Jahren, danach unter 50 Jahren alle 5–10 Jahre, ab 50 Jahren alle 3 Jahre
Entscheidend ist also, womit Sie geimpft wurden – ein Blick in den Impfpass klärt das.
Der Grund für das kürzere Intervall bei älteren Menschen: Das Immunsystem baut mit zunehmendem Alter die Impfimmunität schneller ab. In einer vom RKI zitierten Studie mit FSME-IMMUN hatten 7 Jahre nach der ersten Auffrischung noch 93 % der 18- bis 49-Jährigen schützende Antikörper, aber nur 50 % der über 60-Jährigen. Da ältere Menschen auch schwerere FSME-Verläufe haben, ist ein ausreichender Schutz besonders wichtig.
Auffrischungsintervalle im Überblick
- 1 Grundimmunisierung: 3 Dosen
FSME-IMMUN: 0 / 1–3 / 5–12 Monate; Encepur: 0 / 14 Tage–3 Monate / 9–12 Monate
- 2 Erster Schutz nach 2 Dosen
Ausreichend für die laufende Zeckensaison; vollständiger Schutz erst nach Dosis 3
- 3 Erste Auffrischung
Bei beiden Impfstoffen 3 Jahre nach der Grundimmunisierung
- 4 Weitere Auffrischungen
FSME-IMMUN: alle 5 Jahre, ab 60 alle 3 Jahre; Encepur: alle 5–10 Jahre, ab 50 alle 3 Jahre
- 5 Versäumte Auffrischung
Kein Neustart nötig – laut STIKO kann eine begonnene Impfserie jederzeit fortgesetzt werden
Laut Fachinformation FSME-IMMUN reicht nach mindestens zwei Dosen der Grundimmunisierung eine einzelne Nachholimpfung, um das Schema fortzusetzen.
Was tun bei versäumter Auffrischung?
Wer die Auffrischungsimpfung verpasst hat, muss die Grundimmunisierung nicht wiederholen: Nach der STIKO kann eine begonnene Impfserie jederzeit fortgesetzt werden. Eine unterbrochene Grundimmunisierung wird mit den fehlenden Dosen vervollständigt. Selbst bei überschrittenen Abständen lag der Schutz laut einer Studie noch bei 91 %, wenn die letzte Dosis weniger als 10 Jahre zurücklag. Der Impfpass mit den bisherigen Impfterminen ist hierfür unverzichtbar.
Die Frage, in welchen Regionen Deutschlands eine FSME-Impfung besonders empfehlenswert ist, beantwortet der Ratgeber FSME-Risikogebiete in Deutschland – aktuelle RKI-Karte.
Nebenwirkungen realistisch einordnen
Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung sollte auf einer realistischen Abwägung von Nutzen und Risiken beruhen. Bei der FSME-Impfung fällt diese Abwägung für Menschen in Risikogebieten oder mit Zeckenexposition klar aus.
Nutzen der Impfung:
FSME kann schwere neurologische Schäden verursachen, bis hin zu dauerhaften Lähmungen oder Hirnhautentzündungen mit monatelanger Rehabilitation. Es gibt keine gezielte antivirale Behandlung – wer erkrankt, wird symptomatisch behandelt. Nach vollständiger Impfung ist laut einer deutschen Studie von 2023 bei 97 % der Geimpften mit einem Schutz vor FSME zu rechnen (RKI).
Risiko der Impfung:
Die häufigen Nebenwirkungen (lokale Reaktionen, Müdigkeit, leichtes Fieber) sind vorübergehend und harmlos. Schwere Nebenwirkungen wie ein Guillain-Barré-Syndrom werden nur selten gemeldet, und ob sie im Einzelfall durch die Impfung ausgelöst wurden, wird geprüft. Die schwere FSME selbst endet laut RKI bei etwa 1 % der Erkrankten tödlich.
Für einen umfassenden Überblick zu Zeckenprävention über die Impfung hinaus empfiehlt sich der Ratgeber Zecken vorbeugen – alle Schutzmaßnahmen.
Was Sie nach jeder FSME-Impfung beachten sollten
- Mindestens 15–30 Minuten in der Praxis bleiben (Beobachtung auf Anaphylaxie)
- Impfpass mit Datum, Chargenbezeichnung und nächstem Auffrischungstermin aufbewahren
- Arm ruhig bewegen – keine Massage der Einstichstelle
- Am Impftag keinen intensiven Sport; leichte Aktivität ist erlaubt
- Bei Fieber ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
- Kühlpad bei Schwellung (nie direkt auf die Haut)
- Bei Fieber über 39 °C oder Beschwerden nach Tag 3 Arzt kontaktieren
- Keine Selbstmedikation mit Ibuprofen vor der Impfung – das kann die Immunantwort dämpfen
Häufige Fragen
Welche Nebenwirkungen hat die FSME-Impfung?
Am häufigsten sind Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle – laut RKI in Studien bei bis zu 45 % der Geimpften. Häufig (1–10 %) sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber tritt bei etwa 5–6 % auf. Diese Reaktionen sind vorübergehend und klingen rasch ab.
Ist Fieber nach der FSME-Impfung normal?
Fieber tritt laut RKI bei etwa 5–6 % der Geimpften auf, vor allem nach der ersten Dosis; bei Kindern unter 3 Jahren bei etwa 15 %. Es handelt sich um eine normale Immunreaktion. Fieber über 39 °C oder Fieber, das länger als 3 Tage anhält, sollten ärztlich abgeklärt werden.
Wann darf man NICHT gegen FSME geimpft werden?
Eine Gegenanzeige ist laut Fachinformation eine schwere Hühnereiweißallergie (Anaphylaxie nach dem Essen von Ei), weil die Impfviren in Hühnerembryonal-Zellkulturen gezüchtet werden; ebenso eine Überempfindlichkeit gegen Bestandteile oder Produktionsrückstände wie Neomycin oder Gentamicin. Auch bei akuter fieberhafter Erkrankung wird die Impfung vorübergehend verschoben. Schwere Immunschwäche und bekannte Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile müssen mit dem Arzt besprochen werden.
Wie oft muss die FSME-Impfung aufgefrischt werden?
Das hängt vom Impfstoff ab – deshalb kursieren dazu unterschiedliche Angaben. Die erste Auffrischung folgt bei beiden Impfstoffen nach 3 Jahren. Danach gilt für FSME-IMMUN: unter 60 Jahren alle 5 Jahre, ab 60 Jahren alle 3 Jahre. Für Encepur: unter 50 Jahren alle 5–10 Jahre, ab 50 Jahren alle 3 Jahre. Das Robert Koch-Institut verweist für die Auffrischintervalle ausdrücklich auf die Fachinformation des verwendeten Präparats. Der Grund für das kürzere Intervall: Das Immunsystem älterer Menschen baut den Schutz schneller ab.
Können FSME-Immun und Encepur gemischt werden?
Ja, im Bedarfsfall. Laut Robert Koch-Institut gelten beide Impfstoffe als gleichwertig und austauschbar; Studien zeigen keinen Wirkungsverlust beim Wechsel. Wenn möglich, sollte die Grundimmunisierung aber mit dem Impfstoff desselben Herstellers abgeschlossen werden. Ein Neustart der Impfserie ist nicht nötig.
Was tun, wenn die Einstichstelle stark anschwillt?
Eine mäßige Schwellung und Rötung ist normal. Ein kühles Tuch oder Kühlpad (mit Tuch dazwischen) kann lindern. Wenn die Schwellung stark zunimmt, sich deutlich ausbreitet oder nach 5 Tagen nicht abklingt, sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden.
Kann man Sport machen nach der FSME-Impfung?
Am Impftag selbst sollte intensiver Sport vermieden werden. Leichte Aktivitäten sind erlaubt. Ab dem zweiten Tag nach der Impfung ist Sport in der Regel wieder uneingeschränkt möglich, sofern keine starken Beschwerden vorliegen.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein über Nebenwirkungen der FSME-Impfung und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Sprechen Sie Vorerkrankungen, Allergien und persönliche Risikofaktoren vor der Impfung mit Ihrer Arztpraxis durch. Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion (Atemnot, Gesichtsschwellung, Bewusstseinsstörung) sofort den Notruf 112 rufen.
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