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Spinnen → 12 Min. Lesezeit

Falsche Witwe in Deutschland: Spinne erkennen und Biss einordnen

Die Falsche Witwe (Edle Kugelspinne) ist in Deutschland bisher selten. Meist ist es eine Fettspinne; ihr eigener Biss ähnelt einem Wespenstich.

Von Vyacheslav Levchenko
Weibchen der Edlen Kugelspinne (Steatoda nobilis) mit kugeligem, glänzend dunkelbraunem Hinterleib, cremeweißem Band vorn und rotbraunen Beinen auf einem Ziegelstein
Foto: gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Eine dunkle Spinne mit kugeligem, glänzendem Hinterleib am Fensterrahmen, im Keller oder zwischen Topfpflanzen weckt schnell den Verdacht auf eine „Falsche Witwe“. Gemeint ist damit die Edle Kugelspinne (Steatoda nobilis), eine eingeschleppte Verwandte heimischer Fettspinnen.

Kurz gesagt: In Deutschland ist die Art bisher nur von wenigen Orten bekannt, vor allem aus Gartencentern; eine dunkle Kugelspinne im Haus ist meist eine heimische Fettspinne. Der Biss der Edlen Kugelspinne schmerzt etwa wie ein Wespenstich und klingt meist innerhalb eines Tages ab. Echte Schwarze Witwen leben in Deutschland nicht frei.

Inhalt · 8 Abschnitte
Das Wichtigste vorweg

Eine braune, glänzende Kugelspinne ist nicht automatisch eine Edle Kugelspinne und erst recht keine Schwarze Witwe. Prüfen Sie Zeichnung, Farbe und Fundort, greifen Sie das Tier nicht mit bloßer Hand und bewahren Sie für die Bestimmung möglichst ein Foto auf.

Die kurze Antwort

Die Edle Kugelspinne ist in Deutschland nachgewiesen, bislang aber nur an wenigen Orten. Besonders Topfpflanzen aus dem Handel können Jungtiere einschleppen. Weitaus wahrscheinlicher ist im Haus eine Gewöhnliche Fettspinne oder eine andere heimische Art der Gattung Steatoda.

Erkennbar ist die Edle Kugelspinne an ihrem kugeligen, glänzend braunen Hinterleib, der cremefarbenen Zeichnung und den rotbraunen Beinen. Sie sucht keinen Kontakt zu Menschen. Ein Biss ist vor allem möglich, wenn das Tier in Kleidung oder Bettzeug eingeklemmt wird.

Falsche Witwe erkennen

Weibchen der Edlen Kugelspinne erreichen 9,5 bis 14 mm Körperlänge, Männchen etwa 7 bis 11 mm. Der Hinterleib wirkt im Verhältnis zum Vorderkörper groß und kugelig. Seine Grundfarbe reicht von glänzendem Braun bis Violettbraun. Darauf sitzt eine cremefarbene Zeichnung, deren Form häufig mit einem Totenkopf verglichen wird; bei Weibchen fällt zusätzlich das helle Band vorn am Hinterleib auf.

Merkmale der Edlen Kugelspinne

  1. ✓
    Weibchen 9,5 bis 14 mm lang

    Männchen bleiben mit etwa 7 bis 11 mm Körperlänge kleiner.

  2. ✓
    Kugeliger, glänzend dunkelbrauner Hinterleib

    Die Grundfarbe kann bis ins Violettbraune reichen.

  3. ✓
    Cremeweißes Band und helle Zeichnung

    Vorn sitzt beim Weibchen ein helles Band; die Rückenzeichnung erinnert manche Betrachter an einen Totenkopf.

  4. ✓
    Rotbraune Beine

    Vorderkörper und Beine sind dunkel rotbraun bis orangebraun.

Das Titelfoto oben zeigt ein Weibchen. Farbe und Zeichnung können je nach Licht, Alter und Blickwinkel weniger deutlich wirken. Ein unscharfes Handyfoto von oben reicht deshalb nicht immer für eine sichere Bestimmung; aussagekräftiger sind Aufnahmen von Rücken, Beinen und Fundort.

Eine Becherlupe erlaubt den Blick auf die Zeichnung, ohne das Tier anzufassen. Fangen Sie die Spinne nur, wenn das gefahrlos möglich ist, und drücken Sie den Becher nicht gegen ihren Körper. Die Form des Netzes liefert einen weiteren Hinweis: Fettspinnen bauen ein lockeres, unordentliches Fadengewirr, kein Rad- und kein Trichternetz.

Meist ist es eine heimische Fettspinne

„Falsche Witwe“ bezeichnet keine eigene Gattung. Die Edle Kugelspinne gehört wie mehrere heimische Arten zur Gattung der Fettspinnen (Steatoda). Der Name spielt auf das bei manchen Arten fettig glänzende Aussehen an.

Die Gewöhnliche Fettspinne (Steatoda bipunctata) ist in Mitteleuropa häufig und lebt vor allem in Gebäuden. Sie ist rötlich bis braun und fettig glänzend; selbst die größten Tiere erreichen ohne Beine nur 8 mm, die meisten bleiben kleiner. Ihr unordentliches Netz hängt gern in dunklen Ecken, sodass Keller, Fensterrahmen und Gartenhäuser typische Fundorte sind.

Gewöhnliche Fettspinne (Steatoda bipunctata), Weibchen mit rotbraunem, fettig glänzendem Hinterleib
Die Gewöhnliche Fettspinne ist in Gebäuden häufig. Sie bleibt kleiner als die Edle Kugelspinne und wirkt meist rötlich bis braun. Foto: NobbiP · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Die Große Fettspinne (Steatoda grossa) ähnelt der gesuchten Art stärker. Weibchen werden 7 bis 10 mm, Männchen 5 bis 7 mm lang. Der Hinterleib ist dunkelbraun bis schwarz und trägt weiße Flecken, während der Vorderkörper hellbraun ist. In Mitteleuropa gilt die Art als selten und wurde bisher nur in Hauskellern gefunden. Weibchen können bis zu 6 Jahre alt werden.

Große Fettspinne (Steatoda grossa), Weibchen mit fast schwarzem, kugeligem Hinterleib an einer weißen Wand
Die Große Fettspinne ist dunkelbraun bis schwarz und kann weiße Flecken tragen. In Mitteleuropa wird sie nur selten gefunden. Foto: Dariusz Kowalczyk · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Auch die Haus-Fettspinne (Steatoda castanea) lebt an Gebäuden. Deshalb lässt sich ein Fund nicht allein mit „dunkel, rund und im Haus“ bestimmen. Entscheidend ist die Kombination aus Körpergröße, cremefarbener Zeichnung, hellem Vorderband und rotbraunen Beinen.

Falsche Witwe, Fettspinne oder Schwarze Witwe?

Die Edle Kugelspinne ist selbst eine Fettspinne. Die praktische Frage lautet daher, ob Sie diese eingeschleppte Art, eine häufiger vorkommende Verwandte oder eine ganz andere Spinne sehen. Die folgende Gegenüberstellung hält sich an Merkmale, die ohne Untersuchung der Kieferklauen erkennbar sind.

Dunkle Kugelspinnen unterscheiden

Art Aussehen Wo in Deutschland Biss
Edle Kugelspinne Glänzend braun bis violettbraun, cremefarbene Zeichnung und helles Band vorn, rotbraune Beine Bisher wenige Fundorte, besonders Gartencenter; einzelne Funde an Gebäuden Schmerz etwa wie bei einem Wespen- oder Bienenstich; örtliche Beschwerden
Gewöhnliche Fettspinne Rötlich bis braun, fettig glänzend und meist kleiner Häufig, vor allem in Gebäuden und dunklen Ecken Schmerzhaft möglich, im Regelfall nicht medizinisch relevant
Große Fettspinne Dunkelbraun bis schwarz mit weißen Flecken, hellbrauner Vorderkörper Selten, bisher nur in Hauskellern gefunden Schmerzhaft möglich, im Regelfall nicht medizinisch relevant
Echte Witwe (*Latrodectus*) Meist tiefschwarz mit roter Zeichnung, etwa einer roten Sanduhr auf der Bauchseite Lebt hier nicht frei; einzelne Importtiere siedeln sich nicht an Nicht anhand eines vermeintlichen Bisses bestimmen

Unter dem Mikroskop lassen sich die Gattungen auch an den Kieferklauen trennen: Fettspinnen haben dort Zähnchen, Echte Witwen nicht. Für Laien ist dieses Merkmal jedoch nicht sichtbar. Eine große, gemusterte Spinne, die ohne Netz frei an der Wand läuft, passt eher zur Nosferatu-Spinne; weitere Kandidaten zeigt die Übersicht Spinnenarten erkennen.

Gibt es die Falsche Witwe in Deutschland?

Ja, allerdings ist die Verbreitung bislang begrenzt. Die Edle Kugelspinne stammt von Madeira und den Kanarischen Inseln. Sie wurde nach West- und Südeuropa, Nordafrika und Amerika eingeschleppt und breitet sich weiter aus. Im Norden ihres Verbreitungsgebiets lebt sie vor allem an und in Gebäuden; ansonsten nutzt sie auch Zäune, Mauern, Baumstämme und Hecken.

Für Deutschland dokumentierten Bauer und weitere Autoren zwei Gartencenter in Köln, in denen Funde ab Oktober 2011 die ersten etablierten Vorkommen in Mitteleuropa belegten. Weitere Einzelfunde gab es 2012 bis 2013 in Gartencentern und im Blumengroßhandel in Berlin, Brandenburg und Balingen. 2018 wurde ein Männchen an einer Hauswand in Stuttgart gefunden. Im Hamburger Hafen tauchten um 1954 eingeschleppte Tiere auf, ohne sich anzusiedeln.

In den Kölner Gartencentern saßen Jungtiere häufig auf verkäuflichen Topfpflanzen. Die dortigen Bestände gehen deshalb sehr wahrscheinlich auf Tiere zurück, die mit Pflanzen ankamen. Der Spinnenatlas verzeichnet weiterhin nur wenige Fundorte; das ist kein Beleg für eine rasante Ausbreitung in Deutschland. Fotos und Funde nimmt der Spinnenatlas der Arachnologischen Gesellschaft auf.

Wie gefährlich ist der Biss?

Die Edle Kugelspinne ist nicht aggressiv. Sie beißt nur in Bedrängnis, etwa wenn sie zwischen Haut und Kleidung oder im Bettzeug eingeklemmt wird. Ihre Kieferklauen können menschliche Haut durchdringen. Weibchen sind ganzjährig anzutreffen; die meisten Bisse werden jedoch Männchen zugeschrieben, die auf Partnersuche umherlaufen und dabei auch in Häuser geraten.

Der Biss schmerzt ungefähr wie ein Wespen- oder Bienenstich. Typisch sind örtliche Schwellung, Rötung und Juckreiz. Der Schmerz klingt meist nach etwa 12 Stunden ab, selten erst nach 24 Stunden. Allgemeinreaktionen treten normalerweise nicht auf, schwerere Verläufe sind die Ausnahme.

Untersuchungen fanden Bakterien an den Kieferklauen und auf dem Körper der Spinne. Eine Infektion nach einem Biss ist daher möglich. Reinigen Sie die Stelle, kühlen Sie sie und beobachten Sie den Verlauf. Ausführliche Hinweise finden Sie unter Sofortmaßnahmen nach einem Spinnenbiss und Wann zum Arzt?.

Spinne gefunden: was jetzt?

Greifen Sie eine unbekannte Spinne nicht mit bloßer Hand. Setzen Sie ein Glas über das Tier, schieben Sie eine feste Karte darunter und tragen Sie es nach draußen. Ein Spinnenfänger erfüllt denselben Zweck mit mehr Abstand. Fotografieren Sie Rücken und Beine vorher, sofern das ohne Bedrängen des Tieres gelingt.

Schütteln Sie Kleidung, Schuhe und Bettzeug aus, wenn diese auf dem Boden lagen. Entfernen Sie lockere Fadengewirre aus Ecken und vom Fensterrahmen und setzen Sie Fliegengitter an regelmäßig geöffneten Fenstern ein. Neue Topfpflanzen aus dem Gartencenter sollten Sie vor dem Hereinholen gründlich ansehen. Insektenspray ist für einen einzelnen Fund nicht nötig.

Mehr zu Eintrittswegen, schonendem Entfernen und Vorbeugung steht im Ratgeber Spinnen im Haus. Ein einzelner Fund belegt noch kein Vorkommen im Gebäude: Gerade bei Topfpflanzen kann es sich um ein eingeschlepptes Tier handeln.

Häufige Fragen

Ist die Falsche Witwe gefährlich?

Die Edle Kugelspinne ist nicht aggressiv und beißt nur, wenn sie bedrängt oder eingeklemmt wird. Ihr Biss ist schmerzhaft, verläuft aber meist mit örtlicher Rötung, Schwellung und Juckreiz. Schwerere Verläufe sind die Ausnahme.

Gibt es die Falsche Witwe in Deutschland?

Ja, aber bisher ist die Edle Kugelspinne nur von wenigen Orten bekannt. Etablierte Vorkommen wurden in zwei Kölner Gartencentern nachgewiesen; hinzu kommen einzelne Funde aus anderen Städten. Eingeschleppte Topfpflanzen gelten als wichtiger Transportweg.

Wie sieht eine Falsche Witwe aus?

Das Weibchen hat einen kugeligen, glänzend braunen bis violettbraunen Hinterleib mit cremefarbener Zeichnung und einem hellen Band am vorderen Rand. Die Zeichnung wird oft mit einem Totenkopf verglichen; Vorderkörper und Beine sind rotbraun bis orangebraun.

Was passiert bei einem Biss der Falschen Witwe?

Der Biss schmerzt ungefähr wie ein Wespen- oder Bienenstich. Rötung, Schwellung und Juckreiz können hinzukommen. Der Schmerz klingt meist nach etwa 12 Stunden ab, selten erst nach 24 Stunden. Reinigen, kühlen und beobachten Sie die Stelle.

Was ist der Unterschied zwischen Fettspinne und Falscher Witwe?

Die Falsche Witwe ist selbst eine Fettspinne: Gemeint ist die Edle Kugelspinne (Steatoda nobilis). In deutschen Häusern finden sich jedoch häufiger heimische Verwandte wie die Gewöhnliche Fettspinne, die meist kleiner und rötlich bis braun gefärbt ist.

Gibt es Schwarze Witwen in Deutschland?

Echte Witwen der Gattung Latrodectus leben in Deutschland nicht in freier Natur. Einzelne Tiere können mit Importwaren ankommen, siedeln sich hier aber nicht an. Eine dunkle Kugelspinne im Haus ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit keine Schwarze Witwe.

Was tun, wenn ich eine Falsche Witwe in der Wohnung finde?

Greifen Sie die Spinne nicht mit bloßer Hand. Setzen Sie ein Glas darüber, schieben Sie eine feste Karte darunter und bringen Sie das Tier nach draußen; alternativ eignet sich ein Spinnenfänger. Ein Foto hilft bei der späteren Bestimmung.

Weitere Ratgeber

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