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Wohnschutz
Spinnen → 19 Min. Lesezeit

Spinnen im Haus: Welche Arten harmlos sind und wann handeln

Spinnen im Haus erkennen und einschätzen: Welche Arten in deutschen Wohnungen vorkommen, ob sie wirklich gefährlich sind, und wie Sie sie dauerhaft loswerden.

Von Vyacheslav Levchenko
Staubiges Trichternetz einer Hauswinkelspinne in einer Zimmerecke am Fenster

Spinnen im Haus sind in deutschen Wohnungen für gesunde Erwachsene in der Regel nicht gefährlich und lassen sich meist mit Glas und Papier nach draußen setzen. Häufige Arten wie Winkel- und Zitterspinnen richten keine Schäden an und fressen Mücken, Fliegen sowie Silberfische.

Wer wiederkehrende Tiere fernhalten möchte, sollte Einfallstellen abdichten, störende Netze entfernen und das Angebot an Beuteinsekten verringern. Bei einem Biss mit zunehmender Schwellung, Atemnot oder Beschwerden außerhalb der Bissstelle sollten Sie ihn ärztlich abklären lassen.

Inhalt · 12 Abschnitte
Medizinischer Hinweis

Bei einem Spinnenbiss mit starken Schwellungen, Atemnot oder Kreislaufproblemen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.

Welche Spinnen kommen in deutschen Häusern vor?

In Deutschland leben rund 1.000 Spinnenarten – aber nur wenige davon siedeln sich regelmäßig in Wohnungen an. Die häufigsten Gäste in deutschen Häusern sind gut zu erkennen und verhalten sich sehr unterschiedlich.

Häufige Hausspinnen in Deutschland im Überblick

Winkelspinnen (Tegenaria domestica, Eratigena atrica)

Erkennungsmerkmal
Braun, Körper 1–2 cm je nach Art, lange behaarte Beine
Bevorzugter Aufenthaltsort
Keller, dunkle Ecken, hinter Möbeln
Netz
Trichternetz in Ecken
Biss möglich?
Selten, leichter Stich

Zitterspinne / Langbeiner (Pholcus phalangioides)

Erkennungsmerkmal
Sehr lange dünne Beine, kleiner Körper 7–10 mm
Bevorzugter Aufenthaltsort
Keller, Bad, wenig belüftete Räume
Netz
Unregelmäßiges 3D-Netz
Biss möglich?
Selten, zu schwach für menschliche Haut

Kreuzspinne (Araneus diadematus)

Erkennungsmerkmal
Weißes Kreuz auf Hinterleib, 10–18 mm
Bevorzugter Aufenthaltsort
Fensterrahmen, Türöffnungen, Gartenseite
Netz
Großes Radnetz
Biss möglich?
Selten, leichter Stich

Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)

Erkennungsmerkmal
Groß (bis knapp 2 cm), braungrau, kein Netz, aktiver Jäger
Bevorzugter Aufenthaltsort
Wände, Böden, Badezimmer
Netz
Kein Netz
Biss möglich?
Ja, spürbarer Biss

Springspinne (Salticidae, mehrere Arten)

Erkennungsmerkmal
Klein (4–8 mm), kompakt, auffällige Augen
Bevorzugter Aufenthaltsort
Sonnige Fensterbänke, Wände
Netz
Kein Radnetz, Schleimfaden
Biss möglich?
Selten, harmlos

Die Winkelspinnen – die kleinere Hauswinkelspinne und die Große Winkelspinne – sind die großen Spinnen, die man in deutschen Kellern und Erdgeschossräumen am häufigsten sieht. Sie bauen ihre charakteristischen Trichternetze in Ecken und warten darin auf Beute. Im Herbst sind vor allem die langbeinigen Männchen unterwegs, die auf der Suche nach Weibchen aus ihren Verstecken kommen.

Große Hauswinkelspinne (Eratigena atrica), Männchen von oben auf hellem Holz – lange behaarte Beine und hell gefleckter Hinterleib
Ein Männchen der Großen Hauswinkelspinne, wie es im Herbst auf Weibchensuche durch Wohnräume läuft. Der Vorderkörper ist einfarbig hell – die dunkle, maskenartige Zeichnung der Nosferatu-Spinne fehlt hier völlig. Foto: Wildfeuer · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Sie wollen wissen, welche Art genau vor Ihnen sitzt? Merkmale, Netztypen und Fotos aller häufigen Arten – von der Zitterspinne über die Wespenspinne bis zur Nosferatu-Spinne – finden Sie im Bestimmungsartikel Spinnenarten in Deutschland erkennen. Für Funde im Keller hilft Kellerspinnen erkennen und vorbeugen weiter. Nicht jedes achtbeinige Tier im Haus ist überhaupt eine Spinne: Ein wenige Millimeter großes Wesen mit zwei Scheren, aber ohne Schwanz ist der Bücherskorpion – harmlos und nützlich.

Sind Spinnen im Haus wirklich gefährlich?

Die kurze Antwort: Nein – für gesunde Erwachsene in Deutschland stellen Hausspinnen keine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr dar. Die in deutschen Wohnungen heimischen Arten haben zwar technisch gesehen Gift, aber ihre Chelizeren (Mundwerkzeuge) sind in der Regel zu schwach, um menschliche Haut zu durchdringen. Und selbst wenn ein Biss gelingt, ist er mit einem leichten Insektenstich vergleichbar.

Reaktionen auf Spinnenbisse in Deutschland

Reaktion Ursache Wie häufig Was tun
Lokale Rötung und Juckreiz Mechanisches Trauma + milde Gifte Sehr selten, da Biss selten gelingt Kühlen, Antihistaminika bei Juckreiz
Größere lokale Schwellung Überempfindlichkeit auf Spinnengift Sehr selten Arzt aufsuchen, falls Schwellung zunimmt
Allergische Systemreaktion Seltene individuelle Überempfindlichkeit Extrem selten Sofortige ärztliche Behandlung
Gefährliche Vergiftung Nicht in deutschen Haushaltsarten Nicht relevant in Deutschland Entfällt für heimische Arten

Eine häufig erwähnte Art ist die Schwarze Witwe (Latrodectus) – in der deutschen Natur kommt sie nicht vor. Einzelne Exemplare gelangen gelegentlich mit importierten Waren ins Land, etablieren sich aber nicht. Wer eine dunkle, kugelige Spinne mit glänzendem Hinterleib findet, hat meist eine heimische Fettspinne oder selten die eingeschleppte Edle Kugelspinne vor sich – wie Sie die Falsche Witwe erkennen, steht in einem eigenen Ratgeber. Das Risiko ist bei sachgemäßem Umgang mit importiertem Obst und Gemüse vernachlässigbar.

Die Nosferatu-Spinne: Der neue Gast aus dem Süden

Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) gehört zu den wenigen Spinnen in Deutschland, deren Biss die menschliche Haut durchdringt – laut NABU etwa so schmerzhaft wie ein leichter Wespenstich, für gesunde Menschen aber nicht gefährlich. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum, wurde 2005 erstmals in Deutschland nachgewiesen, baut kein Netz, sondern jagt aktiv, und ist mit knapp 2 cm Körperlänge deutlich größer als die meisten Hausspinnen. Ihren Namen trägt sie wegen einer dunklen, maskenartigen Zeichnung auf dem Vorderkörper.

Weil die Art sich rasant ausbreitet und viele Fragen aufwirft, haben wir ihr einen eigenen ausführlichen Ratgeber gewidmet: Nosferatu-Spinne erkennen, Biss einschätzen und richtig handeln. Dort finden Sie alle Erkennungsmerkmale, die Einordnung des Bisses und die beste Vorgehensweise, wenn eine in der Wohnung sitzt.

Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) an einem Fensterrahmen – marmoriert braun-grau mit dunkler Zeichnung auf dem Vorderkörper
Die Nosferatu-Spinne erreicht knapp 2 cm Körperlänge und baut kein Radnetz – sie jagt aktiv an Wänden. Sicher erkennbar ist sie an der dunklen, maskenartigen Zeichnung auf dem Vorderkörper; die ähnlich große Hauswinkelspinne hat dort keine. Foto: Laurence Buson · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Warum kommen Spinnen ins Haus?

Spinnen suchen Häuser vor allem aus zwei Gründen auf: Wärme und Beute. Im Herbst sind es oft wandernde Männchen, die auf der Suche nach Weibchen durch die Wohnung streifen – es ist Paarungszeit. Gleichzeitig beginnen manche Arten, geschützte Orte für die Winterruhe zu suchen.

Was Spinnen ins Haus lockt

  1. ✓
    Wärme im Herbst und Winter

    Häuser bieten stabile Temperaturen – besonders Keller und Erdgeschoss sind attraktiv

  2. ✓
    Nahrungsangebot: andere Insekten

    Wo Mücken, Fliegen und Blattläuse sind, folgen Spinnen – Licht lockt Beuteinsekten an Fenster

  3. ✓
    Paarungszeit (August–Oktober)

    Männchen verlassen ihre Verstecke und durchsuchen aktiv Räume nach Weibchen

  4. ✓
    Offene Einfallstellen

    Ritzen in Türrahmen, undichte Fenster, offene Lüftungsschlitze und Kaminöffnungen

Ein wichtiger, oft übersehener Faktor: Licht. Außenbeleuchtung und hell erleuchtete Fenster ziehen Nachtinsekten an – und wo Beuteinsekten sind, bauen Spinnen ihre Netze. Wer Außenlampen mit warmweißem oder gelblichem Licht (statt Blaulicht) verwendet, reduziert die Anlockung von Mücken und Faltern – und damit indirekt auch das Spinnenangebot.

Nützlich oder lästig? Spinnen richtig einschätzen

Spinnen sind im Haushalt in erster Linie nützliche Helfer. Alle Spinnen leben räuberisch; im Haus fressen sie Mücken, Fliegen, Silberfische und andere Kleininsekten. Die Zitterspinne geht sogar aktiv auf Jagd auf andere Spinnen, einschließlich der Hauswinkelspinne, und auf Stechmücken.

Das NABU (Naturschutzbund Deutschland) rät, Spinnen im Haus nicht mit Pantoffel, Staubsauger oder Zeitung zu traktieren, sondern in einem Glas einzufangen und nach draußen zu bringen. Sie stellen keine hygienische Gefahr dar, hinterlassen keine Schäden an Möbeln oder Strukturen und bekämpfen aktiv andere, tatsächlich lästige Insekten.

Wer jedoch aus nachvollziehbaren Gründen (Phobie, Gesundheitszustand) Spinnen aus dem Haus entfernen möchte, hat gut belegte Methoden zur Verfügung. Wie Sie allgemeinen Schädlingsbefall im Haus vorbeugen, erklärt Schädlingsbefall vorbeugen – 10 wirksame Maßnahmen.

Spinnen vertreiben: Was wirklich wirkt

Die effektivsten Methoden gegen Spinnen im Haus kombinieren mechanische Barrieren mit Düften, die Spinnen meiden.

Wirksame Maßnahmen gegen Spinnen im Haus

  1. 1
    Netze regelmäßig entfernen

    Störende Netze absaugen oder abfegen – so rät es das Umweltbundesamt; die Spinne selbst vorher mit dem Glas hinaussetzen

  2. 2
    Einfallstellen abdichten

    Ritzen in Fensterrahmen, Türdichtungen erneuern, Lüftungsschlitze mit feiner Maschenware abdecken

  3. 3
    Pfefferminzöl an Einfallstellen

    Wenige Tropfen auf Wattepads an Türritzen, Fensterrändern und Kaminöffnungen – alle 1–2 Wochen erneuern

  4. 4
    Außenbeleuchtung umstellen

    Warmweißes oder oranges Licht lockt deutlich weniger Beuteinsekten an als blaues Licht

  5. 5
    Staubsaugen und Aufräumen

    Unordnung, Kartons und Holzstapel sind beliebte Verstecke – regelmäßiges Aufräumen macht die Wohnung unattraktiver

Insektizid-Sprays: Im Handel gibt es Sprays auf Pyrethroid-Basis, die Spinnen abschrecken oder töten. Das Umweltbundesamt rät davon ab: Von Hausspinnen geht keine Gefahr aus, ein Biozideinsatz wäre unverhältnismäßig – und Pyrethroide sind zudem für Bienen und Wasserlebewesen giftig. Dauerhafter wirken Abdichten, Fliegengitter und das Entfernen der Netze.

Einen umfassenden Überblick über saisonale Insekten und Schädlinge bietet Insekten im Frühling: Was jetzt in die Wohnung kommt.

Spinne mit Trinkglas und Papier fangen und nach draußen tragen – schonende Methode
Ein Trinkglas und ein Blatt Papier genügen, um Spinnen sicher nach draußen umzusetzen.

Hausmittel gegen Spinnen: Was hilft, was nicht

Rund um das Thema Spinnen kursieren viele Hausmittel. Nicht alle sind wissenschaftlich belegt.

Hausmittel gegen Spinnen: Wirksamkeit im Überblick

Mittel Wirksamkeit Bewertung Anwendungshinweis
Pfefferminzöl Mittel Im Wahlversuch mieden 2 von 3 Arten Minzöl (Fischer et al. 2018) – wirkt direkt an der Duftquelle Wenige Tropfen auf Wattepads an Einfallstellen; alle 1–2 Wochen erneuern
Kastanien (Rosskastanien) Im Raum praktisch keine Im Wahlversuch mieden 2 von 3 Arten Kastanienfrüchte (Fischer et al. 2018) – im Zimmer ist die Duftkonzentration jedoch um ein Vielfaches geringer, der Geruch verfliegt in Tagen Nicht empfehlenswert
Zitrusschalen (Orangen, Zitronen) Keine Zitronenöl blieb im selben Wahlversuch bei allen drei Arten wirkungslos (Fischer et al. 2018) Nicht empfehlenswert
Essig Nicht belegt Keine Untersuchung zu Spinnen bekannt; der Geruch verfliegt schnell Nicht empfehlenswert
Lavendel (Duft oder Öl) Nicht belegt In der Vergleichsstudie nicht getestet; ein Nachweis gegen Spinnen fehlt Kein Spinnenschutz – allenfalls als Raumduft
Kokosöl-Essig-Mischung Gering Kein Nachweis für Wirksamkeit kombinierter Hausmittel dieser Art Nicht empfehlenswert

Fazit: Belegt ist unter den Hausmitteln nur Pfefferminzöl – und auch das nur direkt an der Duftquelle, etwa auf Wattepads an Türritzen. Zitronenöl wirkte in derselben Studie gar nicht, Lavendel und Essig wurden nicht untersucht. Keines davon ersetzt Abdichten und das Entfernen der Netze, und der Ruf der Rosskastanie als Spinnenschreck für ganze Räume ist nicht bestätigt.

Spinnen dauerhaft aus dem Haus fernhalten

Nachhaltige Spinnenprävention setzt an zwei Punkten an: weniger Beuteinsekten im Haus und keine Einfallstellen.

Checkliste: Spinnen dauerhaft fernhalten

  • Ritzen in Fensterrahmen und Türdichtungen jährlich auf Schäden prüfen und erneuern
  • Lüftungsschlitze und Kellerfenster mit feinem Fliegengitter versehen
  • Außenbeleuchtung auf warmweißes oder orangefarbenes Licht umstellen
  • Keller und Abstellräume aufgeräumt halten – Kartons, Holzstapel und alte Zeitschriften vermeiden
  • Pfefferminzöl-Wattepads in Herbst und Winter an typischen Einfallstellen (Türritzen, Kellerfenster) platzieren
  • Spinnennetze regelmäßig absaugen oder abfegen
  • Licht in Innenräumen am Abend von Fenstern weglenken oder Vorhänge verwenden
  • Haustieren (Hunden und Katzen) erlauben, gelegentlich Spinnen zu jagen – natürliche Kontrolle

Besonders wichtig: der Keller. Feuchte, dunkle Keller mit vielen Verstecken sind das ideale Habitat für Hauswinkelspinne und Zitterspinne. Wer den Keller trocken und aufgeräumt hält, reduziert die Spinnenansiedlung spürbar. Wie allgemeine Haushaltshygiene dazu beiträgt: Hygiene im Haushalt – die wichtigsten Maßnahmen.

Herbst-Spinnenzeit: Warum im September plötzlich alle Spinnen kommen

Von August bis Oktober häufen sich Spinnensichtungen in Wohnungen spürbar – das hat zwei biologische Gründe, die zusammenfallen. Männliche Spinnen sind in dieser Zeit auf Partnersuche, verlassen ihre Verstecke und wandern aktiv über weite Strecken. Gleichzeitig sinken die Außentemperaturen, und wärmeliebende Arten suchen Innenräume als Winterquartier. Es ist also keine Invasion, sondern Saison. Aus demselben Grund tauchen in diesen Wochen auch marmorierte Baumwanzen und Asiatische Marienkäfer an Fenstern und Zimmerdecke auf – durch dieselben Ritzen, die Spinnen hereinlassen.

Herbst-Aktionsplan gegen Spinnen

  1. 1
    August: Vorbeugen

    Dichtungen prüfen, Fliegengitter montieren, Pfefferminzöl-Pads an Einfallstellen auslegen

  2. 2
    September: Hochphase

    Eingänge täglich kontrollieren, Fenster abends geschlossen halten

  3. 3
    Oktober: Nachkontrolle

    Netze entfernen, Eiersäcke kontrollieren, Winterquartier-Spinnen umsiedeln

  4. 4
    Winter: Prävention

    Ritzen dauerhaft abdichten für die nächste Saison

Humane Umsiedlung statt Töten: Ein Trinkglas über die Spinne stülpen, ein Blatt Papier darunterschieben, das Tier nach draußen bringen. Bei Kälte sind Spinnen träge – im Herbst lassen sie sich besonders leicht einfangen.

Wann ist ein Schädlingsbekämpfer bei Spinnen sinnvoll?

In den meisten Fällen ist professionelle Schädlingsbekämpfung bei Spinnen nicht nötig. Die in Deutschland üblichen Arten richten keine Schäden an, übertragen keine Krankheiten und sind mit einfachen Hausmitteln und Prävention gut zu kontrollieren.

Ausnahmen, in denen ein Fachbetrieb sinnvoll ist:

  • Massiver Befall mit vielen hundert Spinnen in einem Gebäude (sehr selten, oft aus Gebäudemängeln resultierend)
  • Verdacht auf Schwarze Witwe oder andere importierte Giftspinnen in Warenlieferungen oder Importgütern
  • Klinische Arachnophobie, bei der ein professionelles, schonungsvolles Entfernen durch Dritte notwendig ist
  • Vermietete Gewerberäume oder Lebensmittelbetriebe mit gesetzlichen Hygieneauflagen

Für die meisten Privatwohnungen gilt: eine Springspinne an der Wand, eine Zitterspinne im Bad oder eine Kreuzspinne am Fensterrahmen sind kein Problem, das professionellen Einsatz rechtfertigt. Ein einfaches Glas mit Papier reicht, um die Spinne nach draußen zu bringen. Wer sich vor allem vor einem Biss fürchtet: Kann die Kreuzspinne beißen – und wie gefährlich ist das? ordnet die häufigste Sorge zu der Art ein, die im Spätsommer an fast jedem Fenster sitzt.

Hausspinnen in Deutschland: Biologie, Recht und Fakten

In Deutschland sind rund 1.000 Spinnenarten bekannt – doch die ökologische Bedeutung und die rechtliche Stellung dieser Tiere sind vielen Haushalten kaum bekannt.

Keine heimische Art ist für Menschen gefährlich: Alle in deutschen Haushalten vorkommenden Spinnenarten (Hauswinkelspinne Tegenaria domestica, Brückenkreuzspinne Larinioides sclopetarius, die an beleuchteten Fenstern und Außenwänden sitzt, Große Winkelspinne Eratigena atrica, Große Zitterspinne Pholcus phalangioides, die kopfüber in Kellern und Zimmerecken hängt) besitzen zwar Gift, das für die Betäubung von Insekten ausreichend ist, haben aber keine Chelizeren (Mundwerkzeuge), die menschliche Haut in relevantem Maße durchdringen und genug Gift injizieren könnten, um eine systemische Vergiftung zu verursachen. Das Umweltbundesamt rät deshalb von einer Bekämpfung ab (siehe unten).

Schädlingsregulation: Alle Spinnenarten leben räuberisch von Insekten und anderen Kleintieren (NABU). Im Haus halten sie damit Mücken, Fliegen und Silberfische kurz – eine kostenlose Schädlingskontrolle.

Giftige Exoten durch Paketlieferungen: Die Braune Einsiedlerspinne (Loxosceles reclusa), in Nordamerika für nekrotisierende Bisse bekannt, ist in Deutschland nicht heimisch und hat sich hier nicht angesiedelt. Gelegentliche Funde in Warenlieferungen bleiben Einzelfälle und begründen keine Gefährdungslage für die Bevölkerung. Ebenso kommt die Schwarze Witwe (Latrodectus) nicht in der deutschen Natur vor.

Rechtlicher Schutz: Hausspinnen sind nicht besonders geschützt. Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung führt aus der ganzen Klasse der Spinnentiere nur fünf Arten namentlich auf – Arctosa cinerea, Dolomedes fimbriatus, Dolomedes plantarius, Eresus cinnaberinus und Philaeus chrysops –, allesamt Arten offener oder feuchter Lebensräume. Hauswinkelspinne, Zitterspinne und Kreuzspinne stehen dort nicht, für sie gelten die Zugriffsverbote des § 44 BNatSchG also nicht.

Rechtsfrei ist die Spinne im Wohnzimmer trotzdem nicht: § 39 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG verbietet, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten – das gilt für jede heimische Art. Praktisch heißt das: hinaussetzen statt totschlagen, und kein pauschaler Biozideinsatz gegen Spinnen im Haushalt.

Biozideinsatz nicht empfohlen: Das Umweltbundesamt rät, auf eine Bekämpfung von Spinnen im oder am Haus generell zu verzichten – von ihnen geht keine Gefahr aus, ein Einsatz von Bioziden wäre unverhältnismäßig. Stattdessen empfiehlt es, die Spinne mit Glas und Pappe ins Freie zu setzen, Fliegengitter als passive Abwehr zu nutzen und störende Netze abzusaugen oder abzufegen.

Häufige Fragen

Sind Spinnen im Haus gefährlich?

Die in deutschen Wohnungen vorkommenden Spinnen sind für gesunde Erwachsene nicht gefährlich. Die Hauswinkelspinne kann beißen, aber ihr Biss ist mit einem leichten Insektenstich vergleichbar. Die invasive Nosferatu-Spinne kann ebenfalls beißen – spürbar, aber nicht gefährlicher als ein Wespenstich. Echte Giftspinnen wie die Schwarze Witwe sind in Deutschland nicht heimisch.

Warum kommen im Herbst so viele Spinnen ins Haus?

Im Herbst suchen Spinnen wärmere Orte für die Überwinterung auf, und männliche Spinnen sind auf Paarungssuche. Offene Fenster, Türritzen und Kellerschächte sind typische Einfallstellen. Die erhöhte Aktivität von August bis Oktober ist völlig normal und klingt danach wieder ab.

Was tun, wenn eine Nosferatu-Spinne im Haus ist?

Die Nosferatu-Spinne ist groß, schnell und kann beißen – ihr Biss ist aber nicht gefährlich. Vorsichtig mit einem Glas und einem Blatt Papier einfangen und nach draußen bringen. Nicht mit bloßen Händen anfassen. Ritzen und Einfallstellen im Anschluss abdichten, um ein Wiedereindringen zu verhindern.

Helfen Kastanien gegen Spinnen?

Als Schutz für einen ganzen Raum: nein. Die einschlägige Untersuchung (Fischer, Ayasse und Andrade, Journal of Economic Entomology 2018) fand im Zwei-Kammer-Wahlversuch zwar, dass Kastanienfrüchte und Minzöl zwei von drei getesteten Spinnenarten deutlich abschreckten, darunter die Kreuzspinne. Von einer Vermeidungsreaktion direkt am Duftstoff lässt sich aber nicht auf eine Schale Kastanien im Zimmer schließen: Die Konzentration im Raum ist um ein Vielfaches geringer, und der Geruch frischer Früchte verfliegt binnen weniger Tage. Zitronenöl, das im Netz meistgenannte Mittel, blieb in derselben Studie bei allen drei Arten wirkungslos.

Kann ich Spinnen einfach töten?

Hausspinnen sind nicht besonders geschützt: Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung führt aus der gesamten Klasse der Spinnentiere nur fünf Arten auf, und keine davon lebt in Wohnungen. Ganz ohne Schutz sind sie deshalb nicht – § 39 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG verbietet, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten, und das gilt für jede heimische Art. Aus ökologischer Sicht spricht ohnehin alles dafür, sie leben zu lassen: Sie fangen Mücken, Fliegen und andere Lästlinge im Haushalt. Das schonende Umsetzen nach draußen mit einem Glas ist einfach, schnell und erhält den natürlichen Nützling.

Warum hat die Zitterspinne so lange Beine?

Die extrem langen Beine der Zitterspinne dienen mehreren Zwecken: Sie ermöglichen das charakteristische Vibrationszittern, das Fressfeinde verwirrt, sie helfen beim Navigieren im dreidimensionalen Netz und ermöglichen es der Spinne, andere, größere Spinnen zu greifen ohne selbst in deren Reichweite zu geraten. Trotz ihres bedrohlichen Aussehens ist die Zitterspinne völlig harmlos.

Wie erkenne ich eine Nosferatu-Spinne?

Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) ist deutlich größer als die meisten deutschen Hausspinnen: bis knapp 2 cm Körperlänge, mit Beinen bis etwa 6 cm Spannweite. Sie hat eine marmorierte braun-graue Zeichnung auf dem Hinterleib und bewegt sich sehr schnell und direkt auf dem Boden oder an Wänden. Sie baut kein Radnetz, sondern jagt aktiv. Besonders häufig in Badezimmern, Kellern und erdgeschossigen Räumen anzutreffen.

Spinnen im Haus – wann zum Arzt?

Nach einem Spinnenbiss zum Arzt, wenn: die Schwellung deutlich zunimmt oder sich ausbreitet, Symptome jenseits der Bissstelle auftreten (Übelkeit, Atemnot, Herzklopfen, starke Schmerzen), der Biss sich entzündet oder nicht innerhalb von 24 Stunden besser wird. Für gesunde Erwachsene ist ein Biss durch heimische Spinnen in der Regel keine ernste Angelegenheit.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei einem Spinnenbiss mit starken Schwellungen, Atemnot oder systemischen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen.

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