Wühlmäuse im Garten: Schermaus erkennen und bekämpfen
Wühlmäuse im Garten effektiv vertreiben – ohne Giftköder. Schermaus und Erdmaus erkennen, Schäden begrenzen und Beete dauerhaft schützen.
Wühlmäuse im Garten erkennen Sie an flachen, oberflächennahen Gängen, angefressenen Wurzeln und Pflanzen, die plötzlich welken oder umkippen. Prüfen Sie mit der Verwühlprobe, ob ein Gang aktiv ist, und unterscheiden Sie die Schermaus vor jeder Maßnahme sicher vom geschützten Maulwurf.
Gegen bestehenden Befall wirken korrekt platzierte Fallen; für Beete, Hochbeete, Zwiebeln und junge Bäume bietet engmaschiger Gitterschutz den verlässlichsten Langzeitschutz. Ultraschall und Bodenvibratoren haben sich als wirkungslos erwiesen.
Inhalt · 9 Abschnitte
Maulwürfe stehen in Deutschland unter Naturschutz und dürfen nicht gefangen oder getötet werden. Wühlmäuse (Schermäuse) sind dagegen nicht geschützt. Vor jeder Maßnahme unbedingt sicherstellen, womit man es zu tun hat.
Wühlmaus erkennen – Schermaus oder Maulwurf?
Im Garten werden Wühlmäuse oft mit Maulwürfen verwechselt – mit gravierenden Konsequenzen, denn der Maulwurf steht unter Naturschutz. Das sichere Unterscheidungsmerkmal:
Wer den Gang- und Hügelvergleich Schritt für Schritt durchgehen will, findet ihn ausführlich in Maulwurf oder Wühlmaus – so unterscheiden Sie die beiden sicher, inklusive Rechtslage und Schutz für Hochbeete.
Schermaus vs. Maulwurf – Unterschiede auf einen Blick
- ✓ Erdaufwürfe
Maulwurf: regelmäßige, kegelförmige Hügel. Schermaus: keine oder sehr flache, unregelmäßige Aufwürfe.
- ✓ Gangsystem
Maulwurf: tiefe Gänge bis 60 cm. Schermaus: meist flache Gänge dicht unter der Oberfläche, hochoval und über 5 cm breit.
- ✓ Pflanzenschäden
Maulwurf: keine – frisst Insekten und Würmer. Schermaus: Wurzeln, Knollen und Zwiebeln werden angefressen.
- ✓ Sichtung
Maulwurf: fast nie sichtbar. Schermaus: gelegentlich bei Dämmerung an der Oberfläche.
- ✓ Pflanzen sacken weg
Das typische Zeichen der Schermaus: Pflanzen kippen um oder sterben plötzlich ab – Wurzeln wurden abgefressen.
Die wichtigste Wühlmausart im deutschen Garten ist die Schermaus (Arvicola terrestris); daneben kommen die kleineren Feldmäuse (Microtus arvalis) und Erdmäuse (Microtus agrestis) vor. Die Schermaus ist größer (Körper rund 12–22 cm) und verursacht die gravierenderen Schäden an Obstbäumen und Beeten. Wie Mäuse generell ins Haus oder Grundstück gelangen, erklärt der Ratgeber Mäuse im Haus – Anzeichen erkennen und richtig reagieren.
Ein zuverlässiger Test bei Verdacht ist die Verwühlprobe: Öffnen Sie einen verdächtigen Gang auf etwa 20 Zentimeter Länge und beobachten Sie ihn. Verschließt das Tier die Öffnung innerhalb weniger Stunden wieder, ist der Gang aktiv – Maulwürfe reagieren auf geöffnete Gänge deutlich seltener. Schermäuse sind zudem territoriale Einzelgänger, die ganzjährig aktiv bleiben und keinen Winterschlaf halten. Bereits ein einzelnes Tier kann ein ganzes Beet schädigen, weshalb sich frühes Handeln lohnt. Ein weiteres Indiz ist die Form der Gänge: Schermausröhren sind im Querschnitt hochoval, also höher als breit, und über 5 cm breit; sie verlaufen meist dicht unter der Oberfläche.
Schermaus oder Wühlmaus – ein Tier oder zwei?
Ein Tier. Wühlmaus ist der Name der ganzen Gruppe, Schermaus die Art darin, die in Gärten die Schäden anrichtet (Arvicola terrestris, auch Große Wühlmaus genannt). Wer nach dem Unterschied sucht, sucht in Wahrheit nach dem Unterschied zu den kleineren Gartenarten Feld- und Erdmaus — und der liegt in Größe und Schadbild, nicht im Namen.
Schermaus oder Ratte? Vier Merkmale am Tier, drei an den Spuren
Die zweite häufige Verwechslung fällt erst auf, wenn das Tier selbst zu sehen ist: braun, gedrungen, deutlich größer als eine Hausmaus. Sie ist folgenreicher als die mit dem Maulwurf, denn Ratte und Schermaus verlangen ein völlig anderes Vorgehen — die eine gehört ins Gartenbeet, die andere in die Nähe von Vorräten, Kompost und Kanal.
Am Tier:
- Schwanz — das sicherste Merkmal. Bei der Schermaus etwa halb so lang wie der Körper und behaart. Bei der Wanderratte fast so lang wie der Körper, nackt und geschuppt.
- Ohren. Bei der Schermaus klein und im Fell versteckt, oft kaum zu sehen. Bei der Ratte deutlich abstehend.
- Schnauze. Schermaus stumpf und rund, Ratte spitz zulaufend.
- Größe. Schermaus rund 12 bis 22 cm Körperlänge, Wanderratte 19 bis 30 cm — im direkten Vergleich unverwechselbar, allein gesehen aber trügerisch.
An den Spuren: Die Schermaus lebt unterirdisch; sichtbar sind flache Gänge dicht unter der Oberfläche, allenfalls niedrige unregelmäßige Aufwürfe und Pflanzen, die plötzlich umkippen. Die Ratte läuft oben: entlang von Mauern und Zäunen entstehen ausgetretene Wechsel, an Engstellen dunkle Schmierspuren vom Fell, und der Kot liegt offen — 1 bis 3 cm lang, spindelförmig. Und sie geht an anderes Futter: Kompost, Vogelfutter, Tierfutter, Abfall statt Wurzeln und Knollen.
Der Verdacht auf Ratten ändert das weitere Vorgehen vollständig — bis hin zu Melde- und Bekämpfungspflichten und einem Giftrecht, das Laien praktisch ausschließt. Beides erklären Ratten im Haus erkennen und bekämpfen und, für den häufigsten Anlass im Garten, Ratten am Komposthaufen.
Typische Schäden durch Wühlmäuse
Wühlmäuse können in kurzer Zeit erhebliche Schäden anrichten – besonders in Gemüse- und Obstgärten.
Diese Pflanzen und Bereiche sind besonders gefährdet
- Junge Obstbäume – Wurzelrinde wird ringförmig abgefressen (Ringelung → Absterben)
- Möhren, Pastinaken, Petersilienwurzel und andere Rübengemüse
- Tulpen-, Dahlien- und Lilienzwiebeln
- Staudenbeete mit fleischigen Wurzeln
- Rasenbereich – Gänge unter der Grasnarbe führen zu Absackungen
Der folgenschwerste Schaden ist die Ringelung junger Obstbäume: Schermäuse nagen die Wurzelrinde rund um den Stammfuß vollständig ab und unterbrechen damit die Nährstoffleitung. Der Baum stirbt oft erst im Frühjahr sichtbar ab, wenn er nicht mehr austreibt – zu einem Zeitpunkt, an dem jede Gegenmaßnahme zu spät kommt. Ein einfacher Herbst-Test verrät den Befall früh: Lässt sich ein junger Baum auffällig leicht hin- und herbewegen oder sogar anheben, sind die Wurzeln bereits angefressen. Im Rasen zeigen sich Schermäuse durch weiche, absackende Stellen über den oberflächennahen Gängen, in die man beim Betreten leicht einsinkt.
Vertreiben – die fünf wirksamen Ansätze im Überblick
Es gibt fünf evidenz-basierte Wege, Wühlmäuse aus dem Garten zu drängen. Dieser Abschnitt fasst sie kompakt zusammen; die biologischen Mechanismen einzelner Hausmittel (Allicin im Knoblauch, Sambunigrin im Holunder, Lycorin in Narzissen) und detaillierte Anwendungs-Anleitungen finden Sie im spezialisierten Ratgeber Wühlmaus vertreiben mit Hausmitteln.
Fünf Vertreibungsansätze im Überblick
- 1 Natürliche Feinde fördern
Greifvögel durch Sitzstangen anlocken, Katzen patrouillieren lassen. Wiesel und Hermelin sind die effektivsten natürlichen Wühlmausjäger.
- 2 Unempfindliche Pflanzen
Kaiserkrone, Wolfsmilch, Knoblauch und Narzissen werden kaum gefressen – ein Beetschutz ist daraus aber nicht belegt. Details siehe Hausmittel-Ratgeber.
- 3 Gänge aktiv unterbrechen
Aktive Gänge identifizieren und mehrfach aufgraben. Zwingt Wühlmäuse zur Umsiedlung, besonders effektiv kombiniert mit Fallen.
- 4 Lärm und Vibration – meist Geldverschwendung
Solar-Vibrationspfähle, Windräder und Ultraschallgeräte haben sich in Versuchen als wirkungslos erwiesen. Wer sie trotzdem einsetzt, sollte nicht auf Gitter und Fallen verzichten.
- 5 Fallen als Endpunkt
Bei manifestem Befall bleiben Schlagfallen die wirksamste Einzelmaßnahme. Den passenden Falltyp wählt der Ratgeber zur Wühlmausfalle.
Unter den natürlichen Ansätzen sind Wiesel und Hermelin die wirksamsten Jäger – sie folgen der Schermaus bis in ihre Gänge und können eine Population spürbar begrenzen. Fördern lassen sie sich durch naturnahe Strukturen wie Stein- und Reisighaufen, Trockenmauern und ungestörte Heckenränder, die Deckung und Unterschlupf bieten. Für Greifvögel wie Mäusebussard und Turmfalke schaffen frei stehende Sitzstangen am Rand offener Flächen einen Ansitz für die Jagd. Eine mitjagende Hauskatze senkt den Druck zusätzlich. Diese Maßnahmen wirken vor allem vorbeugend und bei geringem Besatz – bei bereits etablierten Populationen entfalten sie ihre Stärke erst in Kombination mit Fallen und Gitterschutz.
Vertreibungsmethoden im direkten Vergleich
Welche Methode wirklich hilft – und was sich nur gut verkauft. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten Ansätze mit ehrlicher Bewertung nach Wirksamkeit, Kosten und Aufwand.
- Wirksamkeit
- Sehr hoch
- Dauerwirkung
- Dauerhaft (10+ Jahre)
- Kosten
- 5–15 €/m²
- Aufwand
- Einmalig hoch (Einbau)
- Wirksamkeit
- Sehr hoch
- Dauerwirkung
- Dauerhaft
- Kosten
- 2–8 € pro Stück
- Aufwand
- Gering (beim Pflanzen)
- Wirksamkeit
- Hoch (Einzeltier)
- Dauerwirkung
- Kurzfristig
- Kosten
- 10–25 €
- Aufwand
- Täglich kontrollieren
- Wirksamkeit
- Sehr hoch (Einzeltier)
- Dauerwirkung
- Kurzfristig
- Kosten
- 5–15 €
- Aufwand
- Täglich kontrollieren
Greifvogel-Sitzstange
- Wirksamkeit
- Mittel
- Dauerwirkung
- Dauerhaft
- Kosten
- 10–30 €
- Aufwand
- Einmalig gering
Duftbarrieren (natürlich)
- Wirksamkeit
- Gering
- Dauerwirkung
- Sehr kurzfristig
- Kosten
- 0–5 €
- Aufwand
- Wöchentlich erneuern
Ultraschall / Bodenvibrator
- Wirksamkeit
- Sehr gering
- Dauerwirkung
- Kaum
- Kosten
- 20–60 €
- Aufwand
- Gering
Zugelassene Köder (verdeckt im Gang)
- Wirksamkeit
- Hoch (Population)
- Dauerwirkung
- Kurzfristig
- Kosten
- 10–30 €
- Aufwand
- Gang öffnen, Köder einlegen, wieder verschließen
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Ehrliches Fazit: Ultraschall-Geräte und Bodenvibratoren haben sich in Versuchen als wirkungslos erwiesen. Das Geld ist in Gittermatten oder Pflanzkörbchen besser angelegt. Für bestehenden Befall sind Fallen (tot oder lebend) die wirksamste kurzfristige Maßnahme. Gegen Giftköder spricht, dass Haustiere und Vögel ausgegrabene oder falsch ausgelegte Köder fressen können – deshalb dürfen sie nur verdeckt im Gang liegen.
Saisonaler Schutzplan: Wann welche Maßnahmen?
Wühlmäuse sind das ganze Jahr aktiv – ihre Aktivität und die gefährdeten Gartenbereiche wechseln aber mit den Jahreszeiten.
Wühlmausgefahr nach Jahreszeit
- ✓ Frühjahr (März–Mai)
Die Fortpflanzung beginnt, der Nahrungsbedarf steigt. Jetzt Gitter und Pflanzkörbchen für die Saison einbauen, bevor gepflanzt wird. Fallen aufstellen und kontrollieren.
- ✓ Sommer (Juni–August)
Bestandsaufbau; Jungtiere werden aktiv. Regelmäßige Fallenkontrollen. Pflanzen, die sacken oder absterben: Wühlmaus-Signal, sofort nachgraben.
- ✓ Herbst (September–November)
Vorratslagerung beginnt – die gefährlichste Phase für Zwiebeln, Knollengewächse und Obstbaumwurzeln. Jetzt alle neuen Zwiebelpflanzungen in Körbe setzen.
- ✓ Winter (Dezember–Februar)
Wühlmäuse bleiben aktiv unter Schnee- und Frostreife. Besonders Obstbaumrinde gefährdet (Ringelung = Absterben im Frühjahr). Stammschutz aus Drahtgeflecht im Oktober einsetzen.
Herbst ist die kritische Phase: Schermäuse legen Nahrungsvorräte an und fressen dabei systematisch Zwiebel- und Knollenbeete leer. Tulpen-, Dahlien- und Lilienzwiebeln müssen vor der Einpflanzung im September/Oktober konsequent in Drahtkörbchen gesetzt werden – sonst sind sie im Frühjahr weg.
Für den Stammschutz junger Obstbäume im Winter gilt: Drahtgeflecht (Maschenweite max. 13 mm) mindestens 30 cm tief in die Erde und 50 cm über Bodenniveau führen. Schnee erhöht die Reichweite von Wühlmäusen erheblich – der Drahtschutz muss über die erwartete Schneehöhe hinausgehen. Maschenweiten, Einbautiefe und der Wurzelkorb beim Pflanzen sind im Ratgeber Wühlmaus am Obstbaum: Schutz für Wurzeln und Stamm nach Baumalter aufgeschlüsselt.
Beete dauerhaft schützen
Physische Barrieren sind der einzig zuverlässige Langzeitschutz – besonders für Hochbeete und Obstbäume.
Physischer Schutz für Beete und Bäume
- ✓ Wühlmausgitter (Maschenweite 13 mm)
Beet mit Drahtgitter am Boden auslegen, bevor Erde eingefüllt wird. Tiefe: mindestens 30 cm. Auch nachträglich bei bestehenden Beeten einzugraben.
- ✓ Hochbeete mit Drahtboden
Hochbeete mit einem Metallgitter-Boden sind der effektivste Schutz – Schermäuse können nicht eindringen.
- ✓ Pflanzkorb beim Einpflanzen
Einzelne empfindliche Pflanzen, Zwiebeln oder Obstbäume in Drahtpflanzkörbchen einsetzen. Schützt gezielt die Wurzeln.
- ✓ Junge Obstbäume
Stamm und Wurzelbereich junger Bäume im ersten Winter mit einem Drahtgeflecht (mind. 30 cm tief) umgeben – schützt vor der gefährlichen Ringelung.
Beim nachträglichen Einbau eines Wühlmausgitters in ein bestehendes Beet muss die Erde ausgehoben, das verzinkte Gitter (Maschenweite maximal 13 mm) flächig verlegt und an den Rändern mindestens 30 Zentimeter hochgezogen werden – sonst graben sich die Tiere seitlich ein. Für einzelne Zwiebeln, Knollen und Jungbäume sind Pflanzkörbe die einfachere Lösung: Sie kommen direkt beim Setzen mit ins Pflanzloch und umschließen den Wurzelballen. Achten Sie auf ausreichend Weite, damit die Wurzeln ungehindert durch die Maschen wachsen können. Wichtig bei allen Metallbarrieren: nur verzinkten oder rostfreien Draht verwenden, da unbehandelter Stahl im Boden binnen weniger Jahre durchrostet und dann Lücken freigibt.
Fallen und wann der Profi hilft
Bei starkem Befall sind Fallen die effektivste Methode. Die Platzierung erfordert etwas Übung.
Entscheidend für den Fangerfolg ist die richtige Platzierung im aktiven Gang. Suchen Sie mit der Verwühlprobe einen Gang, der wieder verschlossen wird, öffnen ihn vorsichtig mit einer Pflanzkelle und setzen die Falle so ein, dass das Tier beim Vorbeilaufen auslöst. Anschließend decken Sie die Öffnung licht- und luftdicht mit Erde oder einem Brett ab: Schermäuse meiden Zugluft und Helligkeit und schieben offene Stellen sonst mit Erde zu, ohne die Falle auszulösen. Als Köder eignen sich Sellerie- oder Möhrenstücke, zwingend nötig sind sie jedoch nicht. Die ergiebigsten Fangzeiten sind das zeitige Frühjahr und der Herbst, wenn die Tiere besonders aktiv graben. Fallen – ob Totschlag- oder Lebendfalle – müssen aus Tierschutzgründen täglich kontrolliert werden.
Fallentypen und ihre Anwendung
- 1 Wühlmausfalle (Totschlagfalle)
In aktive Gänge einsetzen: Gangsystem mit Spaten öffnen, Falle einsetzen, mit Erde abdecken (Dunkelheit erhöht Fangerfolg). Täglich kontrollieren.
- 2 Lebendfalle
Nur sinnvoll, wenn sie mehrmals täglich kontrolliert wird. Das gefangene Tier muss weit weg freigelassen werden – im fremden Revier überlebt es oft nicht, und auf fremdem Grund verlagert man nur das Problem.
- 3 Kammerjäger
Bei Befall mehrerer Beete oder wenn Obstbaumwurzeln betroffen sind: professionelle Bekämpfung sinnvoll. Kammerjäger setzen zugelassene Köder in geschlossenen Systemen ein.
Wenn Mäuse nicht nur im Garten, sondern auch im Haus aufgetreten sind, erklärt der Ratgeber Mäuse vertreiben – wirksame Methoden für Haus und Keller die nächsten Schritte.
Welche Fallentypen im Gang tatsächlich auslösen und welche sich kaum fängig stellen lassen, vergleicht die Kaufberatung Wühlmausfallen.
Schermaus-Populationsdynamik: Gradationen und Risikophasen
Die Schermaus (Arvicola terrestris) vermehrt sich schnell: Von März bis Oktober bringt ein Weibchen zwei bis vier Würfe mit je zwei bis fünf, selten bis zehn Jungen zur Welt – die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rechnet mit einer Vermehrungsrate von mindestens 1 : 10. Unter günstigen Bedingungen – milde Winter, gutes Nahrungsangebot – kommt es in mehrjährigen Abständen zu Gradationen (Massenvermehrungen), in denen ein Garten binnen einer Saison von einem einzelnen Tier zu einem flächigen Befall kippen kann.
Im Obstbau und auf Grünland sind Gradationsjahre die Zeit der großen Schäden durch abgenagte Wurzeln und geringelte Jungbäume. Für Privatgärten mit Obstgehölzen und Gemüsebeeten gelten dieselben Risikophasen – wer früh handelt und Gitterschutz vor der Hauptreproduktionsphase (März–September) einbaut, vermeidet Folgeschäden.
In ausgeprägten Gradationsjahren lohnt ein abgestimmtes Vorgehen mit den Nachbarn: Schermäuse wandern über Grundstücksgrenzen hinweg, sodass die isolierte Bekämpfung auf einem einzelnen Grundstück durch Zuwanderung rasch zunichtegemacht wird. Wer Gitterschutz und Fallen großflächig und zeitgleich einsetzt, senkt den Befallsdruck nachhaltiger. Nach dem Höhepunkt einer Gradation bricht die Population meist von selbst wieder zusammen – die kritischen Jahre gilt es mit konsequentem Schutz zu überbrücken, statt auf schnelle Einzellösungen zu setzen.
Hantavirus-Hinweis: Das Puumala-Virus, das in Deutschland die meisten Hantavirus-Erkrankungen verursacht, überträgt laut Robert Koch-Institut die Rötelmaus – keine Wühlmaus aus dem Gemüsebeet, sondern eine Waldart, die aber in waldnahen Gärten, Schuppen und Holzstapeln vorkommt. Erd-, Feld- und Schermaus tragen vor allem das Tula-Virus, das für Menschen kaum eine Rolle spielt. Tote Tiere trotzdem nur mit Handschuhen anfassen; wer Nester oder Kot in Schuppen und Gartenhäusern beseitigt, trägt nach dem Merkblatt von RKI und Charité eine FFP3-Maske und wischt feucht statt zu fegen oder zu saugen. Mehr zu Übertragungswegen erklärt der Ratgeber Hantavirus: Übertragung und Schutz.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wühlmaus und Maulwurf?
Maulwürfe fressen ausschließlich Insekten und Würmer – sie schädigen keine Pflanzenwurzeln. Wühlmäuse (Schermäuse) hingegen fressen Wurzeln, Knollen und Zwiebeln und verursachen echten Pflanzenschaden. Erkennungszeichen: Der Maulwurf wirft regelmäßige, kegelförmige Hügel auf, die Schermaus höchstens flache und unregelmäßige — meist bleibt es bei flachen Gängen dicht unter der Oberfläche.
Welche Pflanzen mögen Wühlmäuse nicht?
Kaiserkrone (Fritillaria imperialis), Wolfsmilch (Euphorbia), Knoblauch und Narzissen werden von Wühlmäusen nur sehr selten gefressen – sie bleiben also selbst verschont und eignen sich als unempfindliche Randbepflanzung. Eine Schutzwirkung für die Beete daneben ist dagegen nicht belegt: In Versuchen der Wirbeltierforschung gelten diese Pflanzen ausdrücklich als ungeeignet zur Wühlmausabwehr. Der verlässliche Schutz bleibt das Drahtgitter.
Funktionieren Ultraschall-Geräte gegen Wühlmäuse?
Nein. In Versuchen der Wirbeltierforschung ließ sich mit niederfrequenten Schallwellen weder eine Schermaus aus ihrem Gangsystem vertreiben noch die Neubesiedlung einer Fläche verhindern – die Tiere reagieren auf Schall schlicht nicht besonders empfindlich. Ultraschall breitet sich im Boden zudem kaum aus. Als alleinige Methode nicht empfehlenswert.
Sind Giftköder gegen Wühlmäuse erlaubt?
Ja, aber nur bestimmte. Gegen die Schermaus sind für Haus- und Kleingarten Pflanzenschutzmittel mit Zinkphosphid (Fraßköder) und Calciumcarbid (Begasung) zugelassen. Beide werden verdeckt direkt in den geöffneten Gang eingebracht, der danach wieder verschlossen wird – offenes Auslegen ist verboten, weil Haustiere und Vögel den Köder sonst fressen. Rattengift aus der Köderbox ist gegen Wühlmäuse nicht zugelassen. Ob ein Mittel für den Hausgarten zugelassen ist, steht auf der Packung und in der Datenbank des BVL.
Was fressen Wühlmäuse am liebsten?
Schermäuse bevorzugen fleischige Wurzeln, Knollen und Zwiebeln: Möhren, Petersilienwurzel, Tulpenzwiebeln, Dahlien, Obstbaumwurzeln. Besonders gefährdet: junge Obstbäume, deren Wurzeln vollständig abgenagt werden können.
Dürfen Wühlmäuse getötet werden?
Ja. Schermaus (Arvicola terrestris), Feldmaus (Microtus arvalis) und Erdmaus (Microtus agrestis) sind ausdrücklich vom besonderen Artenschutz ausgenommen und dürfen mit Fallen und zugelassenen Ködern bekämpft werden. Vorsicht: Maulwürfe stehen unter Naturschutz – vor jeder Maßnahme unbedingt die Art sicherstellen.
Wie tief muss das Wühlmausgitter eingebaut werden?
Mindestens 30 cm tief – idealerweise 40 cm, wenn der Boden es erlaubt. Schermausgänge liegen meist dicht unter der Oberfläche, stellenweise aber bis zu 1 m tief. Das Gitter sollte an der Oberkante umgebogen werden, damit Tiere nicht seitlich eingraben können.
Können Wühlmäuse durch Wände ins Haus eindringen?
Schermäuse bleiben fast ausschließlich im Garten. Hausmäuse und Rötelmäuse können über Keller, Lüftungsöffnungen oder Risse einwandern – das sind aber andere Arten. Wenn Mäuse im Haus auftreten, handelt es sich meist nicht um Schermäuse aus dem Garten.
Wie erkenne ich einen aktiven Wühlmausgang?
Mit der Verwühlprobe: Öffnen Sie einen verdächtigen Gang auf rund 20 cm und warten Sie einige Stunden. Verschließt das Tier die Öffnung wieder, ist der Gang aktiv und bewohnt – genau dort platzieren Sie Fallen am wirksamsten. Bleibt die Stelle offen, wird der Gang derzeit nicht genutzt.
Schützt ein Hochbeet automatisch vor Wühlmäusen?
Nein. Ein Hochbeet schützt nur, wenn der Boden mit einem engmaschigen Wühlmausgitter (Maschenweite maximal 13 mm) ausgelegt ist. Ohne diesen Drahtboden graben sich Schermäuse von unten ein und erreichen die Wurzeln wie in einem normalen Beet. Das Gitter vor dem Befüllen einbauen.
Kommen Wühlmäuse aus dem Nachbargarten zurück?
Ja. Schermäuse wandern über Grundstücksgrenzen hinweg, weshalb die Bekämpfung auf einem einzelnen Grundstück durch Zuwanderung oft schnell wieder zunichtegemacht wird. In Befallsjahren ist ein abgestimmtes, großflächiges Vorgehen mit den Nachbarn deutlich wirksamer als isolierte Einzelmaßnahmen.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Wühlmäuse können wie andere Nagetiere Krankheitserreger tragen. Kontakt mit toten Tieren oder Ausscheidungen immer mit Handschuhen und Atemschutz handhaben. Bei Unsicherheit Kammerjäger oder das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.
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