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Wohnschutz
Wildtiere im Garten → 13 Min. Lesezeit

Igel im Garten schützen: Lebensraum gestalten und Gefahren vermeiden

Igel im Garten schützen und fördern: Welche Gefahren Igeln drohen, wie man den Garten igelfreundlich gestaltet und was bei einem verletzten Igel zu tun ist.

Von Vyacheslav Levchenko
Igel im deutschen Garten bei Dämmerung – besonders geschützt nach BNatSchG

Igel gelten als Sympathieträger – kaum ein Gartentier genießt so viel Zuneigung. Dennoch steht der Igel in Deutschland inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste, und viele Verluste gehen auf menschliche Eingriffe zurück: Rasenmäher, Mähroboter, Gartennetze, Schächte, Giftköder und der Straßenverkehr. Wie viele Tiere dabei jährlich sterben, ist nicht erfasst – belastbare Bundeszahlen gibt es weder zum Bestand noch zu den Verlusten. Dabei ist der Igel ein nützlicher Gartenbewohner: Er frisst Schnecken, Käfer und deren Larven.

Wer seinen Garten igelfreundlich gestaltet, profitiert doppelt – ökologisch und als biologischer Schädlingsschutz. Umfassende Informationen zum Schutzstatus aller Gartentiere finden Sie auch im Ratgeber Geschützte Tiere im Garten – Strafen und Regeln.

Inhalt · 10 Abschnitte
Rechtlicher Hinweis

Der Igel (Erinaceus europaeus) ist besonders geschützt (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG in Verbindung mit Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung). Das Fangen, Töten, Verletzen oder dauerhaft in Gefangenschaft Halten ist nach § 44 BNatSchG verboten; vorsätzliche Verstöße können mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet werden (§ 69 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 7 BNatSchG).

Schutzstatus und Rechtliches

Der Europäische Igel (Erinaceus europaeus) ist in Deutschland besonders geschützt: Er fällt unter den Sammeleintrag „Mammalia spp.“ in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) – alle heimischen Säugetierarten, soweit nicht einzeln aufgeführt und nicht ausdrücklich ausgenommen – und ist damit nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG besonders geschützt; die Verbote selbst stehen in § 44 BNatSchG. Streng geschützt ist er nicht. Das bedeutet:

  • Das Nachstellen, Fangen, Verletzen oder Töten ist verboten (§ 44 Abs. 1 Nr. 1)
  • Das Beschädigen oder Zerstören von Nestern und Winterschlafquartieren ist verboten (§ 44 Abs. 1 Nr. 3)
  • Das Halten als Haustier ist verboten (Besitzverbot, § 44 Abs. 2)
  • Mutwilliges Beunruhigen ist schon nach dem allgemeinen Artenschutz (§ 39 Abs. 1 Nr. 1) für alle wild lebenden Tiere verboten
  • Verstöße gegen § 44: Bußgeldrahmen bis 50.000 Euro (§ 69 Abs. 2 Nr. 1 in Verbindung mit Abs. 7 BNatSchG). Weil § 69 Abs. 2 keine Fahrlässigkeit nennt, ist dort nach § 10 OWiG nur vorsätzliches Handeln bußgeldbewehrt – wer beim Mähen einen übersehenen Igel verletzt, begeht in der Regel keine Ordnungswidrigkeit nach dieser Vorschrift. Sorgfalt bleibt trotzdem Pflicht.

Was ist erlaubt:

  • Das kurzzeitige Aufnehmen eines verletzten oder kranken Igels zur Pflege (mit Ziel der Auswilderung)
  • Das Aufstellen von Igelhäuschen und Laubhaufen als Quartierangebot
  • Das Kontaktieren einer Igelschutzstation bei Hilfsbedarf

Igel als wertvoller Gartennützling

Igel ernähren sich überwiegend von wirbellosen Bodentieren. Auf dem Speiseplan stehen:

  • Nacktschnecken und Gehäuseschnecken – besonders wertvoll für Gemüsegärtner
  • Regenwürmer – wichtige Eiweißquelle
  • Käfer und Käferlarven – darunter Engerlinge (Larven des Maikäfers und des Junikäfers)
  • Kellerasseln, Tausendfüßler, Ohrwürmer
  • Gelegentlich: Raupen, Heuschrecken, Ameisenpuppen

Ein Igel im Garten ersetzt in gewissem Maß Schneckenkorn, Insektizide und andere Interventionen. Er ist damit Teil einer nachhaltigen Schädlingsregulierung. Mehr zu biologischen Alternativen lesen Sie im Ratgeber Nützlinge im Garten fördern.

Die größten Gefahren für Igel im Garten

Rasenmäher und Motorsensen: Igel liegen tagsüber versteckt im hohen Gras oder in Laubhaufen und schlafen tief. Sie flüchten bei Gefahr nicht – sie rollen sich ein. Das führt zu schweren Verletzungen oder Tod. Vor dem Mähen: Fläche absuchen, besonders unter Hecken und in Ecken.

Mähroboter: Viele Mähroboter laufen auch nachts – genau dann, wenn Igel unterwegs sind, und ein eingerollter Igel weicht nicht aus. Lösung: Mähroboter nur tagsüber laufen lassen, nie in der Dämmerung oder nachts. Mehrere Städte haben das inzwischen per Allgemeinverfügung vorgeschrieben, darunter Köln (seit Oktober 2024), Dortmund und Leipzig: Typisch ist ein Verbot von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang. Ob in Ihrer Gemeinde eine solche Regel gilt, erfahren Sie bei der unteren Naturschutzbehörde Ihres Kreises oder Ihrer Stadt – zu finden über die Behördensuche des Bundes mit dem Stichwort „Naturschutzbehörde“.

Gartennetze und Teichfolien: Igel verfangen sich in engen Netzen (Erdbeernetze, Obstnetze, Teichfolie mit Falten) und verhungern oder erwürgen sich. Alternative: Teiche mit flacher Rampe oder Steintreppe ausstatten, engmaschige Netze vermeiden.

Kellerabgänge und Schächte: Offene Schächte, Abwassergräben oder Kellertreppen ohne Ausstiegsmöglichkeit sind Todesfallen. Abdecken oder mit Rampe ausstatten.

Gartenchemikalien: Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd ist für Wirbeltiere giftig; wo Igel, Hunde oder Katzen an Körner oder vergiftete Schnecken kommen, ist es fehl am Platz. Präparate mit Eisen-III-phosphat gelten als die deutlich verträglichere Wahl. Bei Rattengift sieht das Umweltbundesamt für Nichtzieltiere sehr hohe Vergiftungsrisiken – durch direkten Fraß der Köder und durch vergiftete Mäuse und Ratten. Köder gehören deshalb nur in verschlossene Köderboxen.

Brennende Reisighaufen: Reisig- und Laubhaufen, die im Herbst angelegt und dann verbrannt werden, können schlafende Igel enthalten. Vor dem Anzünden: Haufen komplett umsetzen und kontrollieren.

Igelfreundlichen Garten gestalten

Maßnahmen für einen igelfreundlichen Garten

  • Laubhaufen in einer ruhigen Gartenecke als Winterschlafquartier belassen (Oktober bis April nicht bewegen)
  • Holzstapel und Reisighaufen als Tagesquartiere anbieten
  • Igeldurchgänge in Zäunen: Eine Öffnung von etwa 13 × 13 cm am Boden genügt, damit Igel wandern können
  • Gartenteich mit flacher Steinrampe oder Brett als Ausstiegshilfe ausstatten
  • Mähroboter nur tagsüber betreiben, nie in der Dämmerung oder nachts
  • Vor dem Rasenmähen Fläche auf schlafende Igel absuchen
  • Schneckenkorn mit Metaldehyd ersetzen durch Eisen-III-phosphat-Präparate
  • Schächte und Kellerzugänge abdecken oder mit Ausstiegsmöglichkeit versehen
  • Auf engmaschige Gartennetze verzichten oder erst abends aufhängen
  • Wildblumen und Wildkräuter zulassen: Sie fördern die Insekten, die Igel fressen
Igel im Laubhaufen – Winterschlafquartier unter der Gartenhecke
Laubhaufen unter Hecken sind ideale Winterschlafquartiere. Sie sollten von Oktober bis April unberührt bleiben.

Verletzter oder hilfloser Igel – was tun?

Ein Igel, der abends durch den Garten läuft, braucht keine Hilfe. Hilfsbedürftig ist er, wenn er verletzt ist, torkelt, tagsüber apathisch herumliegt, von Fliegen befallen ist oder als Jungtier im späten November noch unter 500 Gramm wiegt. Nur dann dürfen Sie ihn zur Pflege aufnehmen – behalten dürfen Sie ihn nicht. Woran Sie das sicher erkennen, wie Sie ihn wärmen und füttern und wie Sie die nächste Igelstation finden, zeigt der Ratgeber Igel gefunden: Wann er Hilfe braucht und was erlaubt ist.

Igel füttern: Was erlaubt und was sinnvoll ist

Grundsätzlich brauchen gesunde Igel keine menschliche Fütterung. Sie finden in einem strukturreichen Garten genug Nahrung. Fütterung kann jedoch in zwei Situationen sinnvoll sein:

Sinnvoll: Im Herbst (Oktober/November) bei Igelwelpen, die noch zu leicht für den Winterschlaf sind (unter 500 g), oder bei Igeln, die nach dem Winterschlaf sehr geschwächt aufwachen.

Geeignetes Futter: Feuchtes Katzenfutter (Fleisch, kein Fisch), hartgekochte Eier, ungewürzte Hackfleischbällchen. Frisches Wasser bereitstellen.

Niemals füttern mit: Milch (laktoseintolerant), Brot und Gebäck, Rosinen und Obst, gewürzten Speiseresten.

Wenn gefüttert wird: Fütterungsplatz abends aufstellen, morgens wieder reinräumen – damit keine Ratten angelockt werden.

Winterschlaf schützen: Oktober bis April

Igel halten von Oktober/November bis März/April Winterschlaf. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz fallen drastisch. In dieser Zeit verbrauchen sie ihre Fettreserven – sie benötigen mindestens 500–600 Gramm Körpergewicht, um den Winter zu überleben.

Typische Winterschlafquartiere: Laubhaufen, Reisighaufen, unter Holzstapeln, in Komposthaufen, unter Gartenhütten oder in speziellen Igelhäuschen.

Was im Winter zu unterlassen ist: Laubhaufen umsetzen oder verbrennen, Kompost tief umgraben, Holzstapel abräumen ohne Kontrolle.

Igelhäuschen: Fertige Igelhäuschen aus Holz mit kleinem Eingang (nur Igel-groß) sind sinnvolle Ergänzungen, ersetzen aber keine natürlichen Strukturen. Eingang sollte von Katzen nicht erreichbar sein – langer Gang zur Schlafkammer ist wichtig.

Gartenteich mit Rampe als Ausstiegshilfe für Igel – igelfreundliche Gestaltung
Gartenteiche ohne flachen Ausstieg sind Todesfallen für Igel. Eine einfache Holzrampe oder ein Stein am Rand kann Leben retten.

Igel in Deutschland: Bestandssituation und Gefährdung

Der Igel (Erinaceus europaeus) steht in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands von 2020 auf der Vorwarnliste – zuvor galt er als ungefährdet. Das Rote-Liste-Zentrum beschreibt ihn als noch häufig, aber mit langfristigem Rückgang unbekannten Ausmaßes und mäßigem kurzfristigem Rückgang. Im Oktober 2024 hat die Weltnaturschutzunion IUCN den Westeuropäischen Igel zudem erstmals als „potenziell gefährdet“ (Near Threatened) eingestuft. Eine bundesweite Bestandszahl gibt es nicht.

Wie stark der Straßenverkehr wiegt, lässt sich nur aus Totfundzählungen ablesen: In Bayern sind die gezählten überfahrenen Igel seit 1976 auf etwa ein Fünftel zurückgegangen – ein Hinweis auf den Bestandsrückgang, der bundesweit mangels vergleichbarer Zählungen aber nicht bestätigt ist. Hinzu kommen Verluste durch Rasenmäher und Motorsensen – Igel rollen sich bei Gefahr zusammen, statt zu fliehen, was im Garten zur tödlichen Falle wird.

Lebensraum als Schlüsselfaktor: Igel durchstreifen pro Nacht oft mehrere Gärten und legen dabei Strecken im Kilometerbereich zurück. Zäune, Mauern und verdichtete Bebauung zerschneiden diese Wege und isolieren Populationen voneinander. Ein bodennaher Durchlass von etwa 13 × 13 cm im Zaun genügt – jede Verbindung zwischen Nachbargärten hilft.

Pestizide und Nahrungsmangel: Igel ernähren sich von Regenwürmern, Käfern, Schnecken und anderen Bodentieren. Der Rückgang von Insekten und Bodenfauna durch Pestizide im Intensivlandwirtschaftsbereich und in pflegeintensiven Gärten reduziert das Nahrungsangebot direkt. Ein strukturreicher Garten mit Totholz, Laub und Wildpflanzenbereichen ist daher die wirksamste langfristige Igelhilfe.

Häufige Fragen

Darf ich einen Igel im Garten anfassen?

Gesunde Igel sollten nicht angefasst werden. Einen verletzten, kranken oder tagsüber orientierungslos umherlaufenden Igel darf man mit Handschuhen aufnehmen und zur Igelstation bringen. Das Aufnehmen zur Pflege ist legal, das dauerhafte Halten verboten.

Was fressen Igel im Garten?

Igel fressen hauptsächlich Regenwürmer, Käfer, Schnecken, Kellerasseln und andere Bodentiere. Sie brauchen keine Fütterung. Milch ist schädlich – Igel sind laktoseintolerant.

Wann sind Igel aktiv?

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv, von April bis Oktober. Im Winter halten sie Winterschlaf. Ein tagsüber aktiver Igel ist meist krank oder in Not.

Wie erkenne ich einen hilflosen Igel?

Hilfsbedarf: Igel liegt regungslos, taumelt, ist tagsüber aktiv, hat Verletzungen oder wiegt im Herbst unter 500 Gramm. Igelstation oder Tierarzt kontaktieren.

Sind Igelflöhe auf Menschen übertragbar?

Igelflöhe befallen gelegentlich Menschen, stechen aber selten. Sie sind wirtsspezifisch und verlassen den Menschen schnell. Eine dauerhafte Infestation ist nicht möglich. Nach Igelkontakt Hände waschen.

Igel sind besonders geschützt nach § 44 BNatSchG. Das Fangen, Töten oder dauerhafte Halten ist verboten. Verletzten Igeln kann durch Aufnahme und Übergabe an eine Igelstation geholfen werden – das ist ausdrücklich erlaubt. Eine Karte mit Igelpflegestationen bietet Pro Igel e.V. auf pro-igel.de; ist keine Station erreichbar, helfen das örtliche Tierheim oder eine Tierarztpraxis weiter. Ausführlich: Igel gefunden – was tun?

Weitere Ratgeber

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