Geschützte Tiere: Welche Strafe droht beim Töten wirklich?
Hornisse, Biene, Fledermaus, Spitzmaus: Was beim Töten geschützter Tiere wirklich droht – Rahmen 50.000 Euro, Regelsätze der Länder 50 bis 500 Euro.
Die kurze Antwort: Wer ein geschütztes Tier tötet oder seine Fortpflanzungsstätte zerstört, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 44 in Verbindung mit § 69 Absatz 2 Bundesnaturschutzgesetz. Der gesetzliche Höchstrahmen beträgt 50.000 Euro (§ 69 Absatz 7 BNatSchG). Tatsächlich verhängt wird davon fast nie etwas: Hessen setzt für das Töten eines geschützten Tieres einen Regelsatz von 250 Euro an, Bayern mindestens 100 Euro, Baden-Württemberg einen Rahmen ab 50 Euro. Die im Netz verbreiteten „bis zu 65.000 Euro” stehen in keinem deutschen Gesetz.
Im Alltag ist oft von einer Strafgebühr die Rede. Den Begriff kennt das Naturschutzrecht nicht: Ein Verstoß ist entweder eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld oder – bei streng geschützten Arten und vorsätzlichem Handeln – eine Straftat nach § 71 BNatSchG mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Im Garten betrifft das vor allem die Fledermäuse; der Unterschied entscheidet, ob am Ende ein Bescheid oder ein Strafverfahren steht. Für ein Hornissennest im Garten gibt es einen eigenen Leitfaden bis zur behördlich genehmigten Umsiedlung.
Inhalt · 19 Abschnitte
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Rechtliche Grundlagen wie das BNatSchG können sich ändern, und die Anwendung im Einzelfall hängt von den Umständen ab. Bei konkreten Fragen zu geschützten Tieren in Ihrem Garten wenden Sie sich an die zuständige untere Naturschutzbehörde Ihrer Gemeinde oder an einen zertifizierten Naturschutzberater.
Rechtlicher Rahmen: § 44 BNatSchG
Besonders geschützte Arten (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG) umfassen alle europäischen Vogelarten sowie Tier- und Pflanzenarten, die in Anhang A oder B der EG-Artenschutzverordnung 338/97, in Anhang IV der FFH-Richtlinie oder in der Bundesartenschutzverordnung gelistet sind. Für diese Arten gilt: Nachstellen, Fangen, Verletzen und Töten sind verboten (§ 44 Absatz 1 Nummer 1), ebenso das Beschädigen oder Zerstören ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten (Nummer 3). Das Verbot, Tiere während Fortpflanzung, Aufzucht, Mauser, Überwinterung und Wanderung erheblich zu stören (Nummer 2), gilt dagegen nur für streng geschützte Arten und europäische Vogelarten.
Streng geschützte Arten (§ 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatSchG) bilden eine Untergruppe. Streng geschützt ist nur, wer zusätzlich in Anhang A der EG-VO 338/97, in Anhang IV der FFH-Richtlinie oder in Spalte 4 der Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung steht. Von den hier behandelten Tieren erfüllen allein die Fledermäuse dieses Kriterium.
Sanktionen im Überblick:
- § 69 Absatz 2 BNatSchG (Ordnungswidrigkeit): Verstöße gegen die Zugriffsverbote – töten, fangen, verletzen, Fortpflanzungsstätte zerstören – sind mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro bedroht (§ 69 Absatz 7 BNatSchG), für den Igel genauso wie für die Fledermaus. Verstöße gegen den allgemeinen Artenschutz nach § 39 BNatSchG liegen bei bis zu 10.000 Euro.
- § 71 BNatSchG (Straftat, streng geschützte Arten): Wer die Tat an einem streng geschützten Tier vorsätzlich begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Gewerbs- oder gewohnheitsmäßiges Handeln erhöht die Mindeststrafe auf drei Monate (§ 71 Absatz 3); wer fahrlässig nicht erkennt, um welche Art es geht, riskiert bis zu drei Jahre (§ 71 Absatz 4).
- § 71a BNatSchG (Straftat, besonders geschützte Arten): Er stellt das vorsätzliche Töten von Vögeln unter Strafe, deren Art in Anhang I oder Artikel 4 Absatz 2 der EU-Vogelschutzrichtlinie steht – seltene Arten und die regelmäßig auftretenden Zugvögel, an Gebäuden etwa Mauersegler und Schwalben; ebenso das Zerstören ihrer Eier und Jungen. Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, bei Leichtfertigkeit bis zu einem Jahr. Nicht jeder Gartenvogel fällt darunter, und bei einer unerheblichen Menge ohne Folgen für den Bestand entfällt die Strafbarkeit (§ 71a Absatz 5). Außerdem greift er bei jeder besonders geschützten Art, wenn gewerbs- oder gewohnheitsmäßig gehandelt wird.
🔴 Wichtig für die Einordnung: Ein Bußgeldrahmen ist keine Strafe, sondern eine Obergrenze. Die Bußgeldkataloge der Länder setzen zwei bis drei Größenordnungen darunter an – die Zahlen stehen im Abschnitt zu den Regelsätzen.
Zusätzlich schützt § 39 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG alle wild lebenden Tiere, auch die nicht gelisteten: Sie dürfen nicht mutwillig beunruhigt oder ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden.
Die wichtigsten geschützten Arten am Haus
Ob eine Art besonders oder streng geschützt ist, entscheidet über die Strafbarkeit – nicht über den Bußgeldrahmen. In beiden Fällen fallen auch Nest, Quartier, Schlafplätze und Überwinterungsstätten unter § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG; wer dort eingreift, handelt auch dann rechtswidrig, wenn das Tier gerade nicht anwesend ist. Am Gewässer gilt dasselbe für den Biber, bei dem sogar der Hauptdamm als Ruhestätte zählt – was am eigenen Ufer erlaubt bleibt, klärt Biber am Grundstück: Was erlaubt ist und was hilft.
Hornisse (Vespa crabro)
Die Hornisse ist die größte in Deutschland heimische Wespenart. Weil der Schutzstatus an der Art hängt, lohnt vor jeder Maßnahme ein Blick auf das Tier: Woran sich Hornisse, Gemeine Wespe und die invasive Asiatische Hornisse unterscheiden, zeigt Hornissenarten erkennen. Die Hornisse steht namentlich in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung – allerdings nur in Spalte 3, also als besonders geschützte Art, nicht streng geschützt: Sie steht weder in Anhang A der EG-Verordnung 338/97 noch in Anhang IV der FFH-Richtlinie. Am Verbot ändert das nichts – wohl aber an den möglichen Folgen.
Hornisse töten: Welche Strafe droht?
Das Töten einer einzelnen Hornisse ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 69 Absatz 2 Nummer 1 BNatSchG mit einem Rahmen bis 50.000 Euro. Verhängt wird davon ein Bruchteil: Bayern setzt für das Töten eines besonders geschützten Tieres das Dreifache des wirtschaftlichen Werts an, mindestens 100 Euro je Einzelfall, Hessen einen Regelsatz von 250 Euro – realistisch also 100 bis 250 Euro. Eine Freiheitsstrafe nach § 71 BNatSchG kommt bei der Hornisse nicht in Betracht – der Paragraph gilt nur für streng geschützte Arten. Strafbar wird die Tat erst, wenn sie gewerbs- oder gewohnheitsmäßig begangen wird (§ 71a Absatz 1 Nummer 3). Für das Bußgeld nach § 69 Absatz 2 braucht es Vorsatz – Fahrlässigkeit nennt die Vorschrift nicht, und nach § 10 OWiG ist sie dann nicht bußgeldbewehrt; wer das Nest wissentlich zerstört, handelt aber vorsätzlich.
Was ist verboten:
- Das Zerstören, Beschädigen oder Entfernen eines Hornissennests – auch durch Besprühen mit Insektiziden oder anderen Substanzen oder durch Verschließen der Nestöffnung
- Das Töten, Fangen oder Verletzen einzelner Hornissen
- Das bewusste Stören des Nests während der Brutzeit
Was ist erlaubt:
- Das Beobachten des Nests aus sicherem Abstand
- Das Absperren des Nestbereichs für andere Personen (empfehlenswert)
- Bei akuter Gefahr (Allergiker, Nest am Kinderspielbereich): bei der unteren Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung beantragen
Ohne diese Ausnahmegenehmigung ist eine Umsiedlung nicht legal. Erteilt wird sie in der Regel bei konkreter Gefahrenlage (nachgewiesene Insektenallergie im Haushalt, Neststandort direkt am Hausdurchgang); viele Gemeinden vermitteln kostenlos zertifizierte Imker oder Naturschutzhelfer, die fachgerecht umsiedeln.
Hornissenvölker sind einjährig: Eine einzelne Königin gründet das Nest im Frühjahr, im Oktober oder November wird es verlassen. Hornissen beziehen ein altes Nest nie wieder; bei Arten, die ihre Niststätte nicht erneut nutzen, schützt § 44 die Stätte nur während der Nutzung. Das verlassene Nest dürfen Sie deshalb ab dem Winter entfernen – vorher prüfen, dass kein Flugbetrieb mehr herrscht, denn an warmen Stellen halten einzelne Völker bis in den November durch. Oft ist Abwarten die einfachste und günstigste Lösung.
Wie das bei Wespen geregelt ist, zeigt Wespennest entfernen – was erlaubt ist und was nicht. Ein Wespenvolk überlebt die Saison nicht, das Nest ist ab dem Frost verlassen und wird nicht wiederbezogen; was dann erlaubt ist, erklärt verlassenes Wespennest im Winter entfernen.
Fledermäuse (alle 25 Arten)
Alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten sind streng geschützt – ausnahmslos. Sie sind in Anhang IV der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) gelistet und damit nach § 7 Absatz 2 Nummer 14 BNatSchG streng geschützt.
Damit sind Fledermäuse im Hausgarten die einzige Tiergruppe, bei der ein vorsätzlicher Eingriff unmittelbar den Straftatbestand des § 71 BNatSchG erfüllt – ohne dass es auf Gewerbsmäßigkeit ankommt. Wer eine bekannte Wochenstube zumauert, riskiert also nicht nur ein Bußgeld, sondern ein Ermittlungsverfahren.
Was ist verboten:
- Das Fangen, Töten oder Verletzen von Fledermäusen
- Das Stören von Fledermäusen während des Winterschlafs, der Aufzucht oder des Tagschlafs
- Das Beschädigen, Zerstören oder Verschließen von Fledermausquartieren – also Spalten, Hohlräume unter Dachziegeln, Dachböden, Baumhöhlen
- Das Verschließen von Gebäudespalten während der Aktivphase (März bis Oktober) ohne Genehmigung
Das Quartier ist ganzjährig geschützt, auch wenn die Fledermäuse gerade nicht anwesend sind. Eine Dachsanierung, die bekannte Quartiere berührt, muss deshalb vorab mit der Naturschutzbehörde abgestimmt werden – in der Praxis mit Bestandserfassung (Kartierung), einem Zeitplan außerhalb der Wochenstubenzeit und oft dem Einbau von Ersatzquartieren.
Was tun bei einer Fledermaus im Zimmer:
Ruhe bewahren, alle Innentüren schließen, Fenster weit öffnen, Licht ausschalten und warten: Fledermäuse orientieren sich mit Ultraschall und finden den Ausgang in der Regel selbst. Nicht mit Handtüchern schlagen oder einfangen. Ein verletztes oder bewusstloses Tier mit dicken Handschuhen aufheben, in einem Karton mit Luftlöchern unterbringen und umgehend die lokale Wildtierhilfe oder ein Fledermausschutzzentrum kontaktieren.
Bußgeldrahmen bei Verstoß: bis zu 50.000 Euro; die Regelsätze der Länder liegen bei 250 Euro (Hessen) bzw. mindestens 250 Euro und dem Fünffachen des Tierwerts (Bayern).
Mauersegler & Schwalben
Mauersegler (Apus apus) und Rauchschwalbe (Hirundo rustica), die beiden typischen Gebäudebrüter bei Fassaden- und Dacharbeiten, sind besonders geschützt – als europäische Vogelarten nach § 7 Absatz 2 Nummer 13 Buchstabe b BNatSchG. Streng geschützt sind sie nicht: In Anhang IV der FFH-Richtlinie stehen überhaupt keine Vögel, für sie gilt die eigene EU-Vogelschutzrichtlinie. Streng geschützt sind unter den heimischen Vögeln im Wesentlichen Greifvögel und Eulen.
Praktisch macht das kaum einen Unterschied: Über § 71a Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG ist das vorsätzliche Töten von Vögeln der Arten aus Anhang I und Artikel 4 Absatz 2 der EU-Vogelschutzrichtlinie – dazu zählen Zugvögel wie Mauersegler und Rauchschwalbe – eine Straftat mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe; dasselbe gilt für das Zerstören ihrer Eier und Jungen, also für das Entfernen eines besetzten Nests. Der Bußgeldrahmen liegt für beide Arten bei bis zu 50.000 Euro. Weit mehr Vogelleben am Gebäude fordert allerdings die Glasfläche – warum und welche Pflichten daraus entstehen können, behandelt Vogelschlag am Fenster verhindern.
Mauersegler brüten in Nischen und Spalten an Gebäudefassaden, unter Dachziegeln und in Regenrinnen; ihre Brutzeit dauert von Mai bis August. Die Nester der Rauchschwalbe aus Lehm und Speichel an Stalldecken, Scheunen oder Hauswänden dürfen während der Brutzeit (April bis August) nicht entfernt werden. Bei beiden Arten bleibt die Niststätte auch außerhalb der Brutzeit geschützt, solange sie regelmäßig wieder genutzt wird – bei Mauerseglern der Normalfall.
Was ist verboten:
- Das Entfernen von Nestern – in der Brutzeit (April bis September) ausnahmslos, im Winter ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde ebenso
- Das Verschließen von Mauerseglerquartieren, solange die Tiere anwesend sind oder anwesend sein könnten
- Das absichtliche Stören der Brut durch Erschütterungen, Lärm oder Abdecken der Nester
Was ist erlaubt:
- Ein Kotbrett etwa 50 Zentimeter unter dem Nest, das Fassade und Fensterbank vor Kot schützt
- Das Anbringen von Kunstnestern oder Nisthilfen – als Ersatz bei unvermeidbaren Eingriffen oder um die Brut an eine andere Hausseite zu lenken
- Fassadenarbeiten zwischen Oktober und März – aber auch dann dürfen Schwalbennester nur mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde entfernt werden, meist mit der Auflage, sie an gleicher Stelle zu ersetzen
🔴 Ein leeres Schwalbennest ist nicht „verlassen“. Schwalben kehren jedes Jahr an dasselbe Nest zurück; deshalb bleibt es auch im Winter eine geschützte Fortpflanzungsstätte. Was im Einzelnen erlaubt ist, steht in Schwalbennest entfernen: Was ist erlaubt?.
Planen Sie Arbeiten an einer solchen Fassade, nehmen Sie früh Kontakt zur Naturschutzbehörde auf; viele Kommunen helfen bei Ausgleichsmaßnahmen wie Kunstnestern.
Welche Abwehr am Gebäude innerhalb dieser Grenzen zulässig ist – und zu welchem Zeitpunkt im Jahr sie überhaupt angebracht werden darf –, zeigt der Ratgeber Vögel am Haus vertreiben. Für den häufigsten Bauschaden durch einen geschützten Vogel, die Spechthöhle in der Wärmedämmung, gilt eine eigene Reihenfolge aus Abwehr und Reparatur: Specht an der Fassade.
Besonders geschützte Arten im Garten
Die größere Gruppe ist „besonders geschützt” – mit demselben Bußgeldrahmen bis 50.000 Euro, aber anders als bei Fledermäusen und Vögeln ohne Strafandrohung, solange nicht gewerbsmäßig gehandelt wird. Fangen, Verletzen, Töten und das Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten sind verboten; das Störungsverbot betrifft diese Arten nicht. Wer einen Maulwurf mit einer Tötungsfalle bekämpft oder eine Blindschleiche beim Kompostieren mit dem Spaten erschlägt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wie Sie den Maulwurf von der Wühlmaus unterscheiden, zeigt Maulwurf oder Wühlmaus – Unterschiede und was tun?.
Igel (Erinaceus europaeus)
Der Igel ist in Deutschland besonders geschützt – die Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung stellt mit „Mammalia spp.” pauschal alle heimischen Säugetiere unter besonderen Schutz, soweit sie nicht dem Jagdrecht unterliegen.
Seit 2024 ist der Braunbrustigel auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „potenziell gefährdet” eingestuft; in Deutschland steht er auf der Vorwarnliste. In Bayern gingen die Bestände nach Schätzungen innerhalb von zehn Jahren um rund die Hälfte zurück. Am rechtlichen Status ändert das nichts.
Was ist verboten:
- Das Fangen, Töten oder Verletzen von Igeln
- Das dauerhafte Halten in Gefangenschaft (auch gut gemeint)
- Das Zerstören von Igelnestern in Laubhaufen, Reisig oder unter Hecken
Die größten Gefahren gehen von gängiger Gartenarbeit aus – und lassen sich vermeiden:
- Rasenmäher und Motorsensen: Igel schlafen tagsüber versteckt im Gras oder in Laub – die Fläche vor dem Mähen kurz absuchen.
- Laubgebläse und Laubrechen: Igel überwintern in Laubhaufen. Solche Haufen erst nach Ende der Überwinterungszeit (ab April) bewegen.
- Gartennetze und Teichfolie: Igel verfangen sich in engen Maschen und verhungern. Teiche brauchen eine flache Ausstiegsmöglichkeit (Brett, flache Steinrampe).
- Kellerabgänge und Schächte ohne Abdeckung sind Todesfallen, aus denen Igel nicht mehr herauskommen.
- Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd: Der Igel frisst die vergifteten Schnecken und vergiftet sich mit. Für den Hausgarten ist der Wirkstoff seit 2022 nicht mehr zugelassen, alte Packungen stehen aber noch in vielen Schuppen. Womit Sie sie ersetzen, zeigt der Schneckenkorn-Vergleich.
Was tun bei einem verletzten Igel:
Gesunde Igel, die nachts umherlaufen, brauchen keine Hilfe. Hilfe braucht ein Igel, der tagsüber orientierungslos umherläuft, bewusstlos ist, offensichtliche Verletzungen hat oder im Herbst deutlich unter 500 Gramm wiegt (zu leicht für die Überwinterung). Das Aufnehmen zur vorübergehenden Pflege ist legal; bringen Sie das Tier zu einer Igelstation (Adressen über nabu.de oder die Deutsche Wildtierstiftung) oder zum Tierarzt. Woran Sie einen hilfsbedürftigen Igel sicher erkennen, wie Sie ihn bis zur Übergabe wärmen und füttern und wo § 45 Abs. 5 BNatSchG die Grenze zwischen erlaubter Pflege und verbotenem Fang zieht, zeigt Igel gefunden: Wann er Hilfe braucht und was erlaubt ist.
Blindschleiche (Anguis fragilis)
Die Blindschleiche sieht aus wie eine Schlange, ist aber eine beinlose Echse – harmlos, nützlich und besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung. Wie Sie Blindschleiche, Ringelnatter, Schlingnatter und Kreuzotter auf einen Blick auseinanderhalten, zeigt Schlange im Garten.
Blindschleichen erkennt man an ihrer schuppenartigen, gleichmäßig bronzefarbenen oder grauen Haut, ihren beweglichen Augenlidern (Schlangen haben keine Lider) und ihrem abgerundeten Schwanz. Sie werden 30 bis 50 cm lang und bewegen sich gleitend, aber ohne das wellenförmige Schlangenkriechen.
Lebensraum im Garten: Kompost, flache Steine, Folienstücke und lockere Erde; als wechselwarme Tiere wärmen sie sich an wärmespeichernden Oberflächen auf.
Warum sie so wertvoll sind: Ihre Hauptnahrung sind Nacktschnecken, Regenwürmer und Insektenlarven – wer Blindschleichen im Garten hat, braucht weniger Schneckenkorn. Welche umweltfreundlichen Methoden sie ergänzen, zeigt Schnecken im Garten bekämpfen.
Was ist verboten:
- Das Fangen, Töten oder Verletzen von Blindschleichen
- Das Zerstören ihrer Verstecke und Überwinterungsquartiere (z. B. Steinhaufen, Komposthaufen)
Wildbienen & Hummeln
Deutschland beheimatet rund 600 Wildbienenarten – und sie alle stehen unter besonderem Schutz. Die Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung führt sie gesammelt als „Apoidea spp. – Bienen und Hummeln” auf, das umfasst neben den Mauerbienen-, Sandbienen- und Blattschneiderbienen auch sämtliche Hummelarten.
Bienen töten: Welche Strafe droht?
Auch hier gilt § 44 BNatSchG mit dem Bußgeldrahmen bis 50.000 Euro. Zu unterscheiden ist allerdings, um welches Tier es geht: Wildbienen und Hummeln sind besonders geschützt, das Töten einzelner Tiere und erst recht das Zerstören eines Nests ist eine Ordnungswidrigkeit. Honigbienen eines Imkers fallen ausdrücklich nicht unter das Artenschutzrecht – die Bundesartenschutzverordnung nimmt domestizierte Formen in Fußnote 5 ausdrücklich aus und nennt dabei die Honigbiene beim Namen. Sie sind fremdes Eigentum: Wer ein Bienenvolk schädigt, haftet zivilrechtlich auf Schadenersatz und macht sich unter Umständen wegen Sachbeschädigung strafbar. Das Abtöten ist also in beiden Fällen keine Option; es greift nur ein anderes Gesetz.
Erdbienen-Nester: Viele Wildbienenarten nisten im Boden – rege Flugaktivität über einem sandigen Gartenbereich im Frühjahr deutet auf eine Erdbienen-Kolonie. Diese Nester dürfen nicht umgegraben, übergossen oder anderweitig zerstört werden. Erdbienen sind nicht aggressiv und stechen in der Regel nicht.
Hummeln: Hummelkolonien entstehen ebenfalls oft im Boden – in alten Mäusenestern, unter Terrassenplatten oder im Kompost. Wird ein Hummelnest bei Gartenarbeiten entdeckt, den Bereich bis zum Ende der Saison (Oktober/November) meiden.
Was Sie aktiv tun können:
- Ein Insektenhotel aufhängen fördert Hohlraumbewohner (Mauerbienen, Solitärwespen) und ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht
- Offene Sandflächen im Garten belassen fördert Erdbienen
- Auf chemische Pestizide verzichten schützt alle Bestäuber
Erdkröte (Bufo bufo)
Die Erdkröte ist das häufigste Amphibium Deutschlands – und einer der nützlichsten Gartenbewohner, weil sie nachts in großer Zahl Schnecken, Würmer und Insekten frisst. Geschützt ist sie über die Sammelposition „Amphibia spp. – Lurche” in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung: Alle heimischen Amphibien sind damit besonders geschützt. Das Töten, Fangen oder erhebliche Stören von Erdkröten sowie das Zerstören ihrer Laich- und Überwinterungsquartiere ist eine Ordnungswidrigkeit mit einem Rahmen bis zu 50.000 Euro; angesetzt werden in der Praxis 50 bis 250 Euro.
Lebensweise im Garten:
Erdkröten verbringen den Sommer nahezu vollständig an Land – unter Hecken, in Komposthaufen, unter Steinen oder Holzstapeln; tagsüber ruhen sie in feuchten Verstecken. Im Herbst graben sie sich für den Winterschlaf ein, bevorzugt in lockerem Erdreich unter Wurzeln oder in Laubhaufen.
Die Krötenwanderung: höchste Gefährdungszeit
Von Februar bis April wandern Erdkröten zu ihren angestammten Laichgewässern zurück, regelmäßig über stark befahrene Straßen. Auf deutschen Straßen sterben jedes Jahr schätzungsweise mehrere Millionen Amphibien. Das mutwillige Überfahren von Kröten ist nach § 39 BNatSchG bußgeldbewehrt.
Viele Kommunen und Naturschutzvereine betreiben während der Wanderzeit Krötenzäune mit ehrenamtlichen Helfern, die Tiere täglich in Eimern auffangen und über die Straße tragen. Mithelfen ist ausdrücklich erwünscht; Kontakt zu lokalen Aktionen vermittelt der NABU oder die jeweilige Gemeinde.
Was ist verboten:
- Das Fangen, Töten oder Verletzen von Erdkröten
- Das Zerstören von Laichgewässern oder Laichschnüren (die charakteristischen, meterlangen Laichschnüre – im Unterschied zu den Laichballen der Frösche)
- Eingriffe in Überwinterungsquartiere zur Herbst-/Winterzeit (z. B. tief umgraben, wo Kröten eingewintert sind)
Was ist erlaubt und aktiv hilfreich:
- Erdkröten beim Überqueren von Straßen oder gefährlichen Stellen vorsichtig umsetzen – das ist kein Verstoß, sondern Artenschutzhilfe
- Erdkröten aus Lichtschacht, Kellerabgang oder Keller befreien, in die sie im Herbst auf der Suche nach einem Winterquartier fallen – wie das auch bei Frost gelingt und wie Sie den Schacht dauerhaft sichern, steht in Kröte, Frosch oder Molch im Keller
- Einen Gartenteich mit flachem Ufer und Flachwasserzone anlegen: schafft idealen Laichraum
- Steinhaufen, Laubreste und Holzstapel als Verstecke und Überwinterungsquartiere stehen lassen
Laichschnüre im Teich – was tun?
Lange, gallertartige Schnüre mit schwarzen Punkten im Gartenteich sind im Frühjahr wahrscheinlich Erdkrötenlaich. Sie dürfen keinesfalls entfernt, umgepflanzt oder in andere Gewässer verbracht werden: Die Kaulquappen schlüpfen nach 2–3 Wochen und verlassen den Teich nach der Metamorphose im Frühsommer als winzige Jungkröten. Teichfolie oder Beeteinfassungen dürfen dabei keine unüberwindbaren Barrieren bilden.
Häufiger Irrtum: Kröten und Warzen
Der Kontakt mit Erdkröten verursacht keine Warzen. Die Ohrspeicheldrüsen (Parotoiddrüsen) hinter den Augen enthalten milde Abwehrstoffe (Bufadienolide), die bei Hautkontakt leichte Reizungen auslösen können. Nach dem Anfassen die Hände waschen – das genügt.
Gottesanbeterin (Mantis religiosa)
Die Europäische Gottesanbeterin ist der auffälligste Neuzugang in deutschen Gärten: Bis in die 1990er Jahre lebte sie fast nur am Kaiserstuhl und im Oberrheingraben; seither wandert sie in zwei Korridoren nach Norden – der westliche folgt dem Rhein aus dem Elsass, der östliche kommt über tschechische Vorkommen nach Sachsen und Brandenburg. Heute gibt es Nachweise bis Berlin, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt: Fangen, Verletzen und Töten sind verboten – Beobachten und Fotografieren dagegen ausdrücklich erwünscht.
Woran Sie sie erkennen:
Weibchen werden sechs bis siebeneinhalb Zentimeter lang, Männchen bleiben mit vier bis sechs Zentimetern kleiner und schlanker. Die Färbung ist grasgrün oder strohbraun, je nach Untergrund der letzten Häutung. Kennzeichnend sind der auffallend lange Halsschild und die bedornten Fangbeine, die in Ruhe angewinkelt vor der Brust getragen werden – daher der Name. Der dreieckige Kopf dreht sich mit, wenn Sie sich bewegen. Verwechselbar ist sie am ehesten mit einer großen Heuschrecke, der genau diese Fangbeine fehlen.
Wann Sie ihr begegnen:
Die Larven schlüpfen im Juni, ab Juli sind ausgewachsene Tiere unterwegs. Auffällig wird die Art von August bis Oktober: Dann sind die Weibchen schwer und träge, suchen sonnenwarme Flächen und sitzen abends an Hauswänden, Terrassenplatten und beleuchteten Fenstern – und verirren sich in Wohnungen.
Ist sie gefährlich?
Nein. Die Gottesanbeterin hat weder Gift noch Stachel, ihre Fangbeine sind auf Fliegen und Heuschrecken ausgelegt; wer ein großes Weibchen unvorsichtig greift, spürt allenfalls ein Zwicken. Für Kinder und Haustiere geht von ihr keine Gefahr aus.
Was ist verboten:
- Das Fangen, Verletzen oder Töten von Tieren aus der Natur
- Das Mitnehmen für die Terrarienhaltung – ein Wildfang darf weder entnommen noch gehalten werden
- Das Zerstören der Oothek: Das schaumig wirkende, hellbraune Eigelege sitzt ab September an Steinen, Mauersockeln, Zaunpfosten und Pflanzenstängeln und bleibt dort den ganzen Winter. Wer es im Herbst von der Hauswand kratzt, vernichtet bis zu 200 Eier
- Das Absammeln oder Umsiedeln „zum Schutz” – gut gemeint, aber ein Zugriff im Sinne von § 44
Was ist erlaubt und hilfreich:
- Beobachten, fotografieren, in Ruhe lassen
- Ein Tier, das sich ins Haus verirrt hat, mit einem Glas und einem Blatt Papier herausbringen oder auf die flache Hand krabbeln lassen – nicht am Hinterleib fassen. Aussetzen an einer sonnigen, bewachsenen Stelle, nicht auf kurz gemähtem Rasen
- Den Fund melden: Mehrere Bundesländer sammeln Nachweise der Ausbreitung, ein Foto genügt; besonders wertvoll ist jede Meldung aus einem bisher unbesiedelten Landkreis
- Eine sonnige Ecke mit hohem Gras, Brennnesseln oder Ruderalflur stehen lassen – trocken-warme Säume sind ihr Lebensraum
Wie Sie die Art vom Heupferd unterscheiden und was mit dem Eigelege bei Fassaden- und Gartenarbeiten gilt, zeigt Gottesanbeterin gefunden: was Sie jetzt tun dürfen.
Strafgebühr, Bußgeld oder Straftat: was bei geschützten Tieren droht
Der Bußgeldrahmen ist für alle Zugriffsverbote gleich – er richtet sich nach der Handlung, nicht nach der Tierart. Was sich mit dem Schutzstatus ändert, ist die Frage, ob aus der Ordnungswidrigkeit eine Straftat werden kann.
| Art | Schutzstatus | Bußgeldrahmen | Straftat möglich |
|---|---|---|---|
| Fledermäuse (alle 25 Arten) | streng geschützt | bis 50.000 € | ja – § 71, bis 5 Jahre |
| Mauersegler, Schwalben | besonders geschützt | bis 50.000 € | ja – § 71a, bis 3 Jahre |
| Hornisse | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Wildbienen, Hummeln | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Igel | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Maulwurf | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Spitzmaus | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Blindschleiche | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Erdkröte | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| Gottesanbeterin | besonders geschützt | bis 50.000 € | nur gewerbsmäßig |
| nicht gelistete Wildtiere | allgemeiner Schutz § 39 | bis 10.000 € | nein |
Die Beträge in Spalte 3 sind gesetzliche Obergrenzen aus § 69 Absatz 7 BNatSchG, keine zu erwartenden Bußgelder. Der oft genannte Wert von 65.000 Euro kommt dort nicht vor, und auch die Landesgesetze führen keinen höheren Rahmen – Bayern etwa deckelt in Art. 57 BayNatSchG ebenfalls bei 50.000 Euro.
Welche Tiere sind nicht geschützt? Mücke, Hausmaus, Ratte
Ob Sie die Mücke erschlagen, die Maus in der Falle fangen oder die Ameise auf der Terrasse bekämpfen dürfen, ergibt sich aus dem Aufbau der Anlage 1.
Bei Säugetieren gilt eine Pauschalregel mit Ausnahmeliste. Anlage 1 führt unter „Mammalia spp.” alle heimischen Arten als besonders geschützt auf – „mit Ausnahme von” zwölf namentlich genannten. Nicht geschützt sind danach: Hausmaus, Wanderratte, Hausratte, Schermaus (Wühlmaus), Feldmaus, Erdmaus, Rötelmaus sowie die eingeführten Arten Waschbär, Marderhund, Nutria, Bisam und Amerikanischer Nerz. Alles andere ist geschützt, ohne dass es einzeln aufgeführt sein müsste – deshalb stehen Igel, Maulwurf und Spitzmaus nirgends namentlich in der Liste und sind trotzdem besonders geschützt.
Bei Insekten ist es umgekehrt: Hier gilt nur, was ausdrücklich dasteht. Aus der Ordnung der Hautflügler sind das Wildbienen und Hummeln (Apoidea spp.), Kreiselwespen, Knopfhornwespen, dreizehn Waldameisen-Arten der Gattung Formica und die Hornisse. Stechmücken, Stubenfliegen, Schaben und die schwarze Gartenameise stehen nicht in Anlage 1.
Häufig verwechselt: geschützt oder nicht?
| Tier | Besonders geschützt? | Was praktisch gilt |
|---|---|---|
| Hausmaus, Wander- und Hausratte | nein – namentlich ausgenommen | Bekämpfung zulässig; als Wirbeltiere gilt aber das Tierschutzgesetz, die Tötungsart muss tierschutzgerecht sein |
| Schermaus (Wühlmaus), Feld-, Erd-, Rötelmaus | nein – namentlich ausgenommen | Bekämpfung zulässig; Verwechslung mit dem Maulwurf ist der klassische Fehler |
| Spitzmaus | ja – über die Pauschalregel | Trotz des Namens keine Maus, sondern Insektenfresser. Fangen und Töten verboten, Bußgeldrahmen 50.000 € |
| Maulwurf, Igel | ja – über die Pauschalregel | Auch das Fangen mit Lebendfallen ist untersagt – § 44 Absatz 1 Nummer 1 nennt das Fangen ausdrücklich |
| Waschbär, Marderhund, Nutria, Bisam | nein – namentlich ausgenommen | Als invasive Arten ausgenommen, unterliegen aber dem Jagdrecht der Länder |
| Steinmarder, Baummarder, Fuchs, Dachs | nein – Fußnote 2 nimmt jagdbare Arten aus | Statt § 44 BNatSchG gilt das Jagdrecht; Fangen oder Töten ohne Jagdrecht ist Jagdwilderei nach § 292 StGB |
| Stechmücke, Stubenfliege, Schabe | nein – nicht in Anlage 1 | Nur § 39 BNatSchG; Stichabwehr und Hygiene sind ein vernünftiger Grund |
| Schwarze Gartenameise (Lasius niger) | nein – nicht in Anlage 1 | Bekämpfung zulässig |
| Waldameise (Formica, 13 Arten) | ja – namentlich gelistet | Das rote Nest im Waldrand ist geschützt, die schwarze Ameise auf der Terrasse nicht |
| Gemeine und Deutsche Wespe | nein – nicht in Anlage 1 | Nur § 39; das Nest ohne vernünftigen Grund zu zerstören bleibt eine Ordnungswidrigkeit bis 10.000 € |
„Nicht geschützt” heißt nicht „vogelfrei”. Für jedes wild lebende Tier gilt § 39 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG: töten nur mit vernünftigem Grund. Bei Stechmücken, Schaben und Ratten liefert die Sache selbst diesen Grund – Stichabwehr, Hygiene, Vorratsschutz. Wer dagegen aus Langeweile Insekten totschlägt, erfüllt den Tatbestand – verfolgt wird das kaum, rechtlich ist die Lage eindeutig.
Bei Wirbeltieren kommt § 17 Tierschutzgesetz hinzu, der für Insekten nicht gilt: bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund oder unter erheblichen Schmerzen tötet. Bei Maus und Ratte ist damit nicht die Bekämpfung das Problem, sondern die Methode – deshalb sind Klebefallen in mehreren Bundesländern beanstandet worden, während Schlagfallen mit sofortiger Tötungswirkung unstrittig sind. Welche Fallentypen das erfüllen, vergleicht der Ratgeber Mäusefallen im Test.
Marder, Fuchs und Dachs: hier gilt nicht § 44, sondern das Jagdrecht
Bei dieser Gruppe führt die Suche nach dem Bußgeld in die falsche Richtung, weil das Naturschutzrecht gar nicht angewendet wird. Anlage 1 stellt zwar alle heimischen Säugetiere unter besonderen Schutz – Fußnote 2 nimmt aber die Arten wieder aus, die dem Jagdrecht unterliegen: „Ausgenommen die nach § 2 Abs. 1 des Bundesjagdgesetzes dem Jagdrecht unterliegenden Arten, soweit nicht im Einzelnen aufgeführt.”
Der Steinmarder steht in § 2 Absatz 1 Nummer 1 BJagdG namentlich als Haarwild, § 44 BNatSchG greift bei ihm deshalb nicht. Die verbreitete Auskunft, das Fangen sei „nach dem Artenschutzrecht verboten”, trifft im Ergebnis zu, stützt sich aber auf die falsche Vorschrift. Dasselbe gilt für Baummarder, Iltis, Fuchs und Dachs.
Was stattdessen greift, ist strenger und nicht milder. Wer einem jagdbaren Tier nachstellt, es fängt oder tötet, übt die Jagd aus. Ohne eigenes Jagdrecht oder Jagderlaubnis ist das Jagdwilderei nach § 292 StGB – keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat mit „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe”. Die Lebendfalle ändert daran nichts: Der Wortlaut nennt das Nachstellen und Fangen ausdrücklich neben dem Erlegen.
Im Hausgarten kommt eine zweite Sperre hinzu. § 6 BJagdG bestimmt: „Auf Grundflächen, die zu keinem Jagdbezirk gehören, und in befriedeten Bezirken ruht die Jagd.” Ein umfriedetes Wohngrundstück ist ein solcher befriedeter Bezirk – dort darf auch der Jagdpächter nicht ohne Weiteres tätig werden. Die Länder können eine beschränkte Ausübung gestatten; in der Praxis über eine Erlaubnis der unteren Jagdbehörde, die etwa die Fangjagd auf Steinmarder an Bedingungen knüpft.
Für den Marder auf dem Dachboden heißt das: vergrämen, Zugänge dauerhaft schließen, beschädigte Stellen sichern – aber nicht auf eigene Faust fangen. Wie das ohne Falle gelingt, beschreibt Marder vom Dach vertreiben.
Dieselbe Rechtslage gilt für drei Tiere mit deutlich sichtbareren Spuren als der Marder: Fuchs im Garten (Bau unter Schuppen und Terrasse, Fuchsbandwurm, fütternde Nachbarn), Dachs im Garten (Trichter im Rasen, Untergrabschutz statt höherem Zaun) und Wildschwein im Garten (umgewühlter Rasen, Elektrozaun, und die Frage, wer den Schaden zahlt). In allen drei Fällen gilt: kein Selbsthilferecht, sondern die untere Jagdbehörde.
Was tatsächlich verhängt wird: die Regelsätze der Länder
Wie hoch das Bußgeld im Einzelfall ausfällt, steht in den Bußgeldkatalogen der Länder. Diese Kataloge sind Verwaltungsvorschriften: Sie binden die Behörde, nicht das Gericht, und sie sind öffentlich einsehbar. Drei Länder haben ihre Sätze für den Artenschutz veröffentlicht:
| Bundesland | Tier töten | Fortpflanzungsstätte zerstören | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Hessen | 250 € Regelsatz | 200 – 500 € | Bußgeldkatalog Naturschutz, 2017 |
| Bayern | 3-facher Tierwert, mind. 100 € (streng: 5-fach, mind. 250 €) | 2-facher Tierwert, mind. 100 € (streng: 3-fach, mind. 250 €) | BayMBl. 2019 Nr. 434 |
| Baden-Württemberg | 50 – 10.000 € (streng: 75 – 15.000 €) | 50 – 10.000 € (streng: 75 – 15.000 €) | Bußgeldkatalog Umwelt, 2018 |
Bayern multipliziert den wirtschaftlichen Wert des Tieres je nach Schwere der Handlung und setzt einen Mindestbetrag, Hessen arbeitet mit festen Regelsätzen, Baden-Württemberg mit Rahmen für den Einzelfall. Ein einmaliger, nicht gewerblicher Verstoß im Garten liegt in allen drei Ländern im unteren dreistelligen Bereich.
Das ist kein Freibrief. Erstens steigen die Beträge mit Ausmaß und Vorsatz – ein zerstörtes Fledermausquartier bei einer Dachsanierung ist etwas anderes als eine erschlagene Hornisse. Zweitens bleibt bei streng geschützten Arten und bei Vögeln die Strafbarkeit unabhängig vom Bußgeld bestehen. Drittens kommen die eigentlichen Kosten oft vom Baustopp: Wer bei laufender Sanierung ein Quartier meldet oder gemeldet bekommt, verliert Wochen.
Unwissenheit schützt nicht. Die Naturschutzbehörden gehen Hinweisen nach – ob sie ein Bußgeld verhängen, liegt bei Ordnungswidrigkeiten in ihrem pflichtgemäßen Ermessen (§ 47 OWiG); bei Straftaten muss die Staatsanwaltschaft ermitteln. Wer meldet, dass ein Nachbar ein Hornissennest vernichtet, löst in der Regel ein Bußgeldverfahren aus. Haftbar sein können auch Handwerker, die bei Renovierungsarbeiten Fledermausquartiere zerstören, ohne das vorab gemeldet zu haben.
Was tun bei Begegnung?
Das Grundprinzip: beobachten, nicht eingreifen, im Zweifelsfall fragen.
Geschützte Tiere im Garten: Richtiges Verhalten
- Nest oder Quartier entdeckt: Abstand halten, Bereich absperren, nicht berühren oder stören
- Tier verletzt oder in Not: Lokale Wildtierhilfe oder Tierarzt kontaktieren – nicht selbst behandeln
- Renovierung geplant: Vorab prüfen, ob geschützte Arten anwesend sind, Naturschutzbehörde informieren
- Genehmigung nötig: Ausnahmegenehmigung bei der unteren Naturschutzbehörde beantragen – vor dem Eingriff
- Igel in Not: Nur kranke oder verletzte Igel aufnehmen, gesunde Igel in Ruhe lassen
- Gartenarbeit im Herbst: Laubhaufen stehen lassen bis April – schützt Igel und Blindschleichen
- Rasenmähen: Fläche vorher auf schlafende oder versteckte Tiere absuchen
- Fledermaus im Haus: Fenster öffnen, Licht aus, Ruhe bewahren – Tier findet selbst den Ausweg
- Insektenhotel aufstellen: Immer erlaubt und aktive Naturschutzmaßnahme
- Teiche: Immer flache Ausstiegsmöglichkeit für Igel und Amphibien einbauen
Anlaufstellen, wenn Sie unsicher sind:
- Die untere Naturschutzbehörde Ihrer Stadt oder Gemeinde: zuständig für Genehmigungen, Beratung und Ausnahmeanträge
- Der NABU (Naturschutzbund Deutschland): www.nabu.de – mit regionalen Gruppen und einer Notfallhotline für Wildtiere
- Das Bundesamt für Naturschutz (BfN): www.bfn.de – mit aktuellen Artenlisten und rechtlichen Grundlagen
- Lokale Igelstationen für verletzte Igel
- Lokale Fledermausschutzzentren bei Quartiersfragen oder verletzten Tieren
Ein Telefonat mit der Naturschutzbehörde vor dem Eingriff schützt vor unbeabsichtigten Verstößen; die Beratung ist in der Regel kostenlos.
Zum Umgang mit Wespen siehe Wespen im Garten – sicher und entspannt den Sommer genießen, zur allgemeinen Vorbeugung Schädlingsbefall vorbeugen – was wirklich hilft.
Die Paragraphen im Detail
Vier Vorschriften genügen, um die eigene Lage einzuschätzen.
§ 44 Absatz 1 BNatSchG — die Zugriffsverbote: Nr. 1 (Nachstellen, Fangen, Verletzen, Töten) und Nr. 3 (Fortpflanzungs- und Ruhestätten) gelten für alle besonders geschützten Arten, Nr. 2 (erhebliches Stören) nur für streng geschützte und europäische Vogelarten – Einzelheiten im rechtlichen Rahmen. Nr. 3 gilt auch, wenn das Tier beim Eingriff gerade abwesend ist – aber nur bei Arten, die an ihre Stätte zurückkehren, etwa Schwalben, Mauersegler und Fledermäuse. Ein verlassenes Hornissennest im Winter fällt nicht darunter, weil es nie wieder bezogen wird.
Beim Störungsverbot definiert das Gesetz die Schwelle selbst: Eine erhebliche Störung liegt erst vor, „wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert”. Ein einzelner Spaziergang am Nest vorbei erfüllt das nicht — eine wochenlange Baustelle unter einer Wochenstube sehr wohl.
§ 69 BNatSchG — die Ordnungswidrigkeit: bis 50.000 Euro für die Zugriffsverbote (Absatz 2 und 7), bis 10.000 Euro für alle anderen Tatbestände einschließlich § 39. Eine dritte Stufe gibt es nicht.
§ 71 und § 71a BNatSchG — die Straftatbestände: vorsätzliche Taten an streng geschützten Arten (bis fünf Jahre), das vorsätzliche Töten von Vögeln aus Anhang I und Artikel 4 Absatz 2 der Vogelschutzrichtlinie samt Eiern und Jungen (bis drei Jahre) und jedes gewerbs- oder gewohnheitsmäßige Handeln an besonders geschützten Arten.
§ 39 Absatz 5 BNatSchG — das Schnittverbot, das die meisten trifft: Bäume außerhalb des Waldes, Hecken, lebende Zäune und Gebüsche dürfen vom 1. März bis zum 30. September nicht abgeschnitten, auf den Stock gesetzt oder beseitigt werden; erlaubt bleiben schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses oder zur Gesunderhaltung. Das gilt unabhängig davon, ob dort gerade ein Vogel brütet — der praktisch häufigste Artenschutzverstoß im Privatgarten, Rahmen bis 10.000 Euro.
Besonders geschützte Arten, die im Garten regelmäßig auftauchen: Spitzmäuse (alle Arten), Igel, Maulwurf und alle einheimischen Vogelarten — Letztere ganzjährig, nicht nur zur Brutzeit; nur der Schutz der Niststätte ist an deren Nutzung gekoppelt. Bei Spitzmäusen führt vor allem die Verwechslung mit der Hausmaus zu Verstößen: Wer Fallen oder Gift gegen den vermeintlichen Nager einsetzt, erfüllt den Tatbestand nach § 44 BNatSchG. Woran sich die beiden unterscheiden, zeigt Spitzmaus erkennen – Unterschied zur Maus und richtiger Umgang.
Häufige Fragen
Stehen Spitzmäuse unter Naturschutz?
Ja, und das überrascht viele, weil der Name nach Maus klingt. Spitzmäuse sind keine Nagetiere, sondern Insektenfresser, und die Bundesartenschutzverordnung führt in Anlage 1 alle heimischen Säugetiere als besonders geschützt auf – mit Ausnahme von zwölf namentlich genannten Arten wie Hausmaus, Wanderratte oder Schermaus. Die Spitzmaus steht nicht auf dieser Ausnahmeliste. Sie zu fangen oder zu töten ist damit eine Ordnungswidrigkeit nach § 44 in Verbindung mit § 69 Absatz 2 BNatSchG, Rahmen bis 50.000 Euro. Verirrt sich eine Spitzmaus ins Haus, ist die Tür der richtige Weg – nicht die Falle.
Ist es strafbar, eine Mücke oder Fliege zu töten?
Strafbar nicht, verboten dem Wortlaut nach schon. Stechmücken und Fliegen stehen nicht in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung und sind daher nicht besonders geschützt. Es gilt aber § 39 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG: wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Bei einer stechenden Mücke liefert die Abwehr des Stichs diesen Grund, bei Fliegen die Hygiene in Küche und Vorratsraum. Eine Straftat kann daraus nicht werden – § 17 Tierschutzgesetz mit seinen bis zu drei Jahren gilt ausschließlich für Wirbeltiere, und dazu zählen Insekten nicht.
Darf ich Ameisen im Garten bekämpfen?
Bei der schwarzen Gartenameise (Lasius niger) ja – sie steht nicht in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung. Anders bei den Waldameisen: Dreizehn Arten der Gattung Formica sind dort namentlich als besonders geschützt aufgeführt, darunter die Rote Waldameise. Ihre großen Nesthügel aus Nadeln und Zweigen am Waldrand oder im Gartengrundstück dürfen weder zerstört noch umgesetzt werden; der Bußgeldrahmen liegt bei 50.000 Euro. Die Unterscheidung ist am Nest einfacher als am Tier: Ein aufgeschütteter Hügel gehört Formica, eine Ameisenstraße unter Terrassenplatten praktisch immer Lasius.
Was droht, wenn man eine Gottesanbeterin tötet?
Die Gottesanbeterin ist nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Sie zu töten, zu fangen oder zu verletzen ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 69 Absatz 2 BNatSchG mit einem Rahmen bis 50.000 Euro; im Privatgarten setzen die Länder Beträge im unteren dreistelligen Bereich an. Eine Straftat wird daraus nur bei gewerbsmäßigem Handeln. Verboten ist auch das Abkratzen der Oothek, des hellbraunen Eigeleges an Hauswand oder Zaunpfosten, weil das eine Fortpflanzungsstätte zerstört. Ein Tier, das sich ins Haus verirrt hat, dürfen Sie mit Glas und Papier nach draußen bringen – das ist kein Verstoß.
Stimmt es, dass bis zu 65.000 Euro Bußgeld drohen?
Nein. Diese Zahl steht in keinem deutschen Gesetz. § 69 Absatz 7 BNatSchG kennt genau zwei Obergrenzen: 50.000 Euro für Verstöße gegen die Zugriffsverbote (töten, fangen, verletzen, Fortpflanzungsstätte zerstören) und 10.000 Euro für alle übrigen Fälle. Auch die Landesgesetze gehen nicht darüber hinaus – Bayern deckelt in Art. 57 BayNatSchG ebenfalls bei 50.000 Euro. Tatsächlich verhängt werden im Privatgarten Beträge im unteren dreistelligen Bereich.
Welche Tiere im Garten sind in Deutschland geschützt?
Alle in Deutschland heimischen Wildtiere genießen grundsätzlichen Schutz nach § 39 BNatSchG: Sie dürfen nicht mutwillig beunruhigt und nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Besonders geschützt sind darüber hinaus alle Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Wildbienen und Vogelarten sowie namentlich die Hornisse. Streng geschützt sind im Hausgarten allein die Fledermäuse.
Wie hoch ist die Strafe für das Zerstören eines Hornissennests?
Das Zerstören eines Hornissennests ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 69 Absatz 2 Nummer 3 BNatSchG mit einem Rahmen bis 50.000 Euro. Die Bußgeldkataloge der Länder setzen deutlich weniger an: Hessen 200 bis 500 Euro, Bayern das Zweifache des Tierwerts mit mindestens 100 Euro, Baden-Württemberg 50 bis 10.000 Euro je nach Einzelfall. Für eine Umsiedlung ist eine Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde erforderlich.
Welche Strafe droht für das Töten einer Hornisse?
Eine Ordnungswidrigkeit nach § 69 Absatz 2 Nummer 1 BNatSchG mit einem Rahmen bis 50.000 Euro; die Regelsätze liegen bei 250 Euro (Hessen) beziehungsweise mindestens 100 Euro (Bayern). Eine Freiheitsstrafe nach § 71 BNatSchG droht nicht, denn die Hornisse ist besonders, nicht streng geschützt – strafbar wird die Tat erst bei gewerbs- oder gewohnheitsmäßigem Handeln. Für das Bußgeld nach § 69 Absatz 2 braucht es Vorsatz – Fahrlässigkeit nennt die Vorschrift nicht, und nach § 10 OWiG ist sie dann nicht bußgeldbewehrt; wer das Nest wissentlich zerstört, handelt aber vorsätzlich.
Welche Strafe droht für das Töten von Bienen?
Bei Wildbienen und Hummeln greift § 44 BNatSchG: Töten oder Nestzerstörung ist eine Ordnungswidrigkeit mit einem Rahmen bis 50.000 Euro, angesetzt werden in der Praxis 50 bis 250 Euro. Honigbienen eines Imkers fallen nicht unter das Artenschutzrecht – die Bundesartenschutzverordnung nimmt domestizierte Formen ausdrücklich aus. Sie sind fremdes Eigentum, hier drohen Schadenersatz und gegebenenfalls eine Strafbarkeit wegen Sachbeschädigung. Erlaubt ist das Abtöten in keinem der beiden Fälle.
Darf ich meine Hecke im Sommer schneiden?
Nur schonend. Vom 1. März bis zum 30. September verbietet § 39 Absatz 5 Satz 1 Nummer 2 BNatSchG, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und Bäume außerhalb des Waldes abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Erlaubt bleiben Form- und Pflegeschnitte, die nur den Zuwachs beseitigen oder der Gesunderhaltung dienen. Das Verbot gilt unabhängig davon, ob dort gerade ein Vogel brütet; der Rahmen liegt bei bis zu 10.000 Euro.
Darf ich Fledermäuse aus meinem Dach entfernen?
Nein. Alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten sind streng geschützt (Anhang IV FFH-Richtlinie, § 7 Absatz 2 Nummer 14 BNatSchG). Weder die Tiere selbst noch ihre Quartiere dürfen gestört, beschädigt oder zerstört werden. Baumaßnahmen am Dach müssen mit der Naturschutzbehörde abgestimmt werden. Der Bußgeldrahmen liegt bei 50.000 Euro – und weil Fledermäuse streng geschützt sind, ist die vorsätzliche Tat zugleich eine Straftat nach § 71 BNatSchG mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.
Was soll ich tun, wenn ich einen verletzten Igel im Garten finde?
Gesunde Igel brauchen keine Hilfe. Einen verletzten oder bewusstlosen Igel können Sie aufnehmen und bei einer Igelstation oder einem Tierarzt abgeben. Das Aufnehmen zur Pflege ist legal – das dauerhafte Halten in Gefangenschaft dagegen nicht. Igelstationen sind über die Deutsche Wildtierstiftung oder nabu.de zu finden.
Sind Maulwürfe in Deutschland geschützt?
Ja. Der Maulwurf (Talpa europaea) ist besonders geschützt – die Bundesartenschutzverordnung stellt alle heimischen Säugetiere gesammelt als Mammalia spp. unter Schutz. Verboten ist nach § 44 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG nicht nur das Töten, sondern ausdrücklich auch das Fangen. Lebendfallen sind deshalb entgegen einer verbreiteten Annahme ebenfalls unzulässig, selbst wenn das Tier unversehrt umgesetzt wird. Zulässig bleiben Vergrämungsmaßnahmen und das Einebnen der Hügel, solange das Tier dabei nicht verletzt wird.
Was droht beim Überfahren eines Igels?
Ein versehentliches Überfahren im Straßenverkehr ist nicht bußgeldbewehrt – es fehlt an Vorsatz und an einem vermeidbaren Verhalten. Das mutwillige Überfahren erfüllt dagegen § 44 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG und ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 69 Absatz 2 mit einem Rahmen bis 50.000 Euro; hinzu kommt § 17 Tierschutzgesetz, der das Töten eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund unter Strafe stellt.
Darf ich Erdkröten im Garten umsetzen oder anfassen?
Ja. Das vorsichtige Umsetzen von Erdkröten von einer gefährlichen Stelle (z. B. einer Straße) ist erlaubt und gilt sogar als aktive Artenschutzhilfe. Erdkröten sind besonders geschützt nach § 44 BNatSchG, aber das Anfassen oder kurzfristige Umsetzen zur Rettung ist kein Verstoß. Das dauerhafte Halten in Gefangenschaft ist dagegen verboten. Nach dem Kontakt Hände waschen.
Dieser Artikel stellt allgemeine Informationen zum deutschen Artenschutzrecht bereit und ersetzt keine Rechtsberatung. Bußgeldrahmen und Schutzstatus einzelner Arten können sich durch Gesetzesänderungen oder neue Verordnungen ändern. Wenn Sie in Ihrem Garten auf eine Situation stoßen, bei der geschützte Tiere betroffen sein könnten, wenden Sie sich immer zuerst an die untere Naturschutzbehörde Ihrer Gemeinde. Eine unverbindliche Anfrage vor dem Eingriff ist immer der sicherste Weg – und schützt Sie zuverlässig vor unbeabsichtigten Verstößen.
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