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Borreliose bei Hund und Katze: Erkennen, behandeln und Familie schützen

Borreliose Hund und Katze: klinische Anzeichen, C6-Test, Impfentscheidung, sichere Wirkstoffe für Katzen und Familienschutz – tierärztlich orientiert nach ESCCAP und StIKo Vet.

Borreliose bei Hund und Katze – Tierarzt untersucht einen Hund auf Zecken neben einer aufmerksamen Hauskatze

Wenn Hund oder Katze nach einem Zeckenstich plötzlich lahmen, müde wirken oder im Bluttest seropositiv sind, stehen Tierhalter vor sehr spezifischen Fragen: Hat mein Tier wirklich eine aktive Borreliose? Soll ich impfen lassen? Kann ich mich beim Tier anstecken? Und welcher Zeckenschutz ist für Katzen überhaupt sicher? Dieser Ratgeber bündelt die veterinärmedizinische Sicht auf die Lyme-Borreliose bei Hund und Katze – mit klarer Trennung von informativer Übersicht und tierärztlicher Entscheidung. Wer den allgemeinen Zeckenschutz und die Krankheiten-Übersicht für Hunde sucht, findet beides ausführlich im Ratgeber Zecken beim Hund erkennen und entfernen.

Tierärztlicher Hinweis

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung oder Diagnose. Die Empfehlungen orientieren sich an den ESCCAP-Leitlinien für Vektor-übertragene Erkrankungen, an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) und an den Hinweisen des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte (BPT). Jede Diagnose und jede Therapieentscheidung – ob Antibiotikum, Impfung oder Zeckenschutzpräparat – gehört in die Hände der behandelnden Tierarztpraxis.

Schnelle Übersicht: Borreliose bei Hund und Katze

Wer wenig Zeit hat, findet hier die wichtigsten Eckdaten. Die Details folgen in den nachfolgenden Abschnitten.

Borreliose bei Haustieren – 7 Eckdaten

  1. Seroprävalenz in Deutschland

    Hunde regional 5–25 %, Katzen rund 3–5 % – die meisten ohne klinische Symptome

  2. Hunde nur in etwa 5–10 % der Infektionen symptomatisch

    Mehrheit der seropositiven Hunde bleibt klinisch gesund

  3. Katzen erkranken klinisch sehr selten

    Subklinische Verläufe dominieren, klinische Fälle sind Einzelberichte

  4. Wanderröte beim Tier sehr selten erkennbar

    Wichtigstes klinisches Leitsymptom beim Hund ist die wechselnde Lahmheit

  5. Borreliose-Impfung nur für Hunde verfügbar

    Keine Lyme-Impfung für Katzen oder Menschen in Deutschland zugelassen

  6. Keine direkte Übertragung Tier zu Mensch

    Risiko entsteht über eingeschleppte Zecken, nicht durch Kontakt mit dem Tier

  7. Permethrin tödlich für Katzen

    Auch Kontakt mit frisch behandeltem Hund kann lebensgefährlich sein

Die Kernaussage vorweg: Borreliose bei Haustieren ist meist eine serologische Beobachtung, nicht eine klinische Diagnose. Wer den Unterschied zwischen Antikörpernachweis und aktiver Erkrankung versteht und gleichzeitig den Zeckenschutz speziesgerecht auswählt, schützt Tier und Familie zugleich.

Wird Borreliose vom Tier auf den Menschen übertragen?

Diese Frage steht praktisch immer am Anfang. Die kurze Antwort: Eine direkte Übertragung von Hund oder Katze auf den Menschen ist nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand nicht belegt. Borrelien gelangen über den Speichel einer saugenden Zecke in den Wirt – Kratzer, Lecken oder Streicheln sind keine bekannten Übertragungswege.

Das relevante Risiko entsteht indirekt: Hunde und Katzen bewegen sich in Bodennähe, in hohen Gräsern, Hecken und feuchtem Unterholz – also genau dort, wo Zecken sitzen. Sie sammeln Zecken erheblich effektiver als Menschen und schleppen sie in die Wohnumgebung. Ein Teil dieser Zecken fällt im Haus ab, sucht aktiv nach einem neuen Wirt und wechselt auf Familienmitglieder über – über das Sofa, das Bett oder beim Streicheln.

Wie Tiere indirekt zum Borreliose-Risiko der Familie beitragen

  1. 1
    Spaziergang oder Freigang

    Hund oder Katze streift durch Gras, Unterholz oder Garten – Zecken haften am Fell

  2. 2
    Mitnahme in den Haushalt

    Ein Teil der Zecken hat noch nicht gebissen und löst sich im Wohnraum vom Fell

  3. 3
    Wirtswechsel im Wohnraum

    Lose Zecken suchen aktiv nach einem neuen Wirt – Mensch oder zweites Tier

  4. 4
    Stich beim Menschen

    Erst hier kann Borrelien-Übertragung stattfinden – nach 12–24 h Saugzeit

Quelle: ESCCAP-Leitlinien zur Bekämpfung von vektorübertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen; RKI-Ratgeber Lyme-Borreliose.

Aus dieser Logik folgt die zentrale Konsequenz: Konsequenter Zeckenschutz beim Tier ist gleichzeitig effektiver Familienschutz. Wer Hund und Katze schützt, reduziert die in die Wohnumgebung eingeschleppte Zeckenlast erheblich – und damit das menschliche Borreliose-Risiko. Die Mechanik des menschlichen Übertragungsfensters und die Maßnahmen nach einem Stich erklärt der Ratgeber Borreliose vorbeugen nach Zeckenstich.

Klinische Anzeichen beim Hund – wechselnde Lahmheit als Leitsymptom

Anders als beim Menschen ist beim Hund die Wanderröte (Erythema migrans) praktisch nicht erkennbar – das dichte Fell verdeckt jede Hautveränderung, und auch bei dünn behaarten Stellen wird sie selten beobachtet. Die klinische Diagnose der Hundeborreliose stützt sich deshalb auf andere Leitsymptome, die typischerweise Wochen bis Monate nach einem oft unbemerkten Zeckenstich auftreten.

Lyme-Borreliose beim Hund – die typische Symptomtrias

  1. 1
    Shifting leg lameness – wandernde Lahmheit

    Heute das eine Bein, morgen das andere – wechselnde Gelenkbeschwerden ohne Trauma; klinisches Leitsymptom

  2. 2
    Fieber und Mattigkeit

    Unspezifisch, oft begleitend; das Tier wirkt müde, frisst weniger, zieht sich zurück

  3. 3
    Geschwollene Lymphknoten

    Häufig am Hals, an den Kniekehlen oder unter den Achseln tastbar

  4. 4
    Lyme-Nephritis (selten, aber ernst)

    Nierenschäden mit Eiweißverlust – besonders Berner Sennenhunde, Labrador und Golden Retriever sind prädisponiert

  5. 5
    Lyme-Karditis (sehr selten)

    Herzrhythmusstörungen; bei Hunden seltener beschrieben als beim Menschen

Quelle: ESCCAP-Leitlinien, Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Die Diagnose ist klinisch und stützt sich zusätzlich auf Serologie.

Warum „shifting leg lameness” so wegweisend ist. Wenn ein Hund eine wandernde, nicht-traumatische Lahmheit zeigt und in einem Borrelien-Endemiegebiet lebt, gehört die Lyme-Borreliose in die differenzialdiagnostischen Überlegungen der Tierarztpraxis. Andere Ursachen – Verletzungen, Bandscheibenvorfälle, andere Infektionen, immunmediierte Gelenkerkrankungen – müssen aber abgegrenzt werden, deshalb ist eine veterinärmedizinische Untersuchung unverzichtbar.

Lyme-Nephritis – die ernsthafte Komplikation. Die Lyme-assoziierte Glomerulonephritis ist insgesamt selten, kann aber dramatisch verlaufen und führt unbehandelt zum Nierenversagen. Berner Sennenhunde, Labrador- und Golden Retriever gelten als überdurchschnittlich gefährdet. Bei Eiweiß im Urin (Proteinurie) ist eine umgehende tierärztliche Abklärung essenziell.

Allgemeines Vorgehen für Halter. Bei wechselnder Lahmheit, anhaltendem Fieber oder unklarer Müdigkeit nach möglichem Zeckenkontakt sollte die Tierarztpraxis aufgesucht werden – auch wenn der Zeckenstich Wochen zurückliegt. Eine sorgfältige Fellkontrolle nach jedem Spaziergang reduziert nicht nur die Anzahl saugender Zecken, sondern dokumentiert auch das Expositionsrisiko über die Saison.

Halter untersucht das Fell eines Hundes mit einem feinzinkigen Kamm auf Zecken nach einem Waldspaziergang
Tägliche Fellkontrolle mit feinem Kamm – die einfachste und wirksamste Maßnahme zur Reduktion eingeschleppter Zecken.

Klinische Anzeichen bei der Katze – fast immer subklinisch

Bei Katzen verläuft die Borreliose biologisch grundlegend anders als beim Hund: Sie verläuft fast immer subklinisch, also ohne erkennbare Symptome. Serologische Studien aus europäischen Populationen zeigen Antikörperraten zwischen rund 3 und 5 Prozent bei untersuchten Hauskatzen mit Freigang – klinisch manifeste Verläufe sind dagegen ausgesprochen selten und werden überwiegend als Einzelfallberichte dokumentiert.

Warum erkranken Katzen so selten klinisch? Die Datenlage ist hier wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Eine plausible Hypothese aus der vergleichenden Immunologie geht davon aus, dass das Immunsystem der Katze Borrelien effektiver kontrolliert und eine Manifestation in Gelenken oder Organen seltener zulässt. Auch Verhaltensunterschiede spielen eine Rolle: Katzen putzen sich intensiv und entfernen viele Zecken bereits vor der borrelienkritischen Saugdauer.

Wenn Katzen klinische Symptome zeigen, beschreiben Einzelfallberichte:

Mögliche – aber seltene – Anzeichen bei der Katze

  • Plötzliche Monoarthritis (ein einzelnes geschwollenes Gelenk)
  • Lethargie über mehrere Tage ohne erkennbare Ursache
  • Appetitlosigkeit in Kombination mit Bewegungsunlust
  • Mildes Fieber ohne andere infektiöse Anzeichen
  • Selten neurologische Auffälligkeiten (Einzelberichte)

Wichtige Botschaft an Halter: Diese Aufzählung soll nicht alarmieren, sondern einordnen. Die genannten Symptome haben bei Katzen deutlich häufiger andere Ursachen – Verletzungen, andere Infektionen, Erkrankungen der Zähne, Nieren- oder Schilddrüsenprobleme. Eine Borreliose ist bei der Katze diagnostisch ein Ausschlussbefund und keine erste Verdachtsdiagnose. Trotzdem gilt: Bei unklaren Symptomen gehört die Katze in die Tierarztpraxis. Borrelien-Tests werden hier nur sehr zurückhaltend und gezielt eingesetzt.

Auch wenn die Katze klinisch fast nie erkrankt, bleibt der indirekte Beitrag zum Familienrisiko relevant: Freigängerkatzen schleppen ebenso Zecken in den Haushalt wie Hunde. Auch hier ist die Anti-Zecken-Prophylaxe wichtig – und genau hier beginnt das kritische Sicherheitsthema, das im Abschnitt zu Permethrin ausführlich besprochen wird.

Halter streicht ruhig durch das Fell einer Tabby-Katze am hellen Wohnzimmerfenster
Auch bei Freigängerkatzen lohnt die ruhige Fellkontrolle – Katzen schleppen Zecken in den Haushalt.

Diagnostik der Borreliose bei Hund und Katze

Die Borreliose-Diagnostik beim Tier hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Der wichtigste Schritt war die Einführung des C6-Antigentests, der – anders als klassische ELISA-Tests – nicht durch eine vorausgegangene Impfung ausgelöste Antikörper detektiert, sondern Antikörper gegen ein spezifisches Borrelien-Peptid (C6).

Diagnostische Bausteine bei Verdacht auf Borreliose beim Tier

  1. 1
    C6-Schnelltest in der Praxis

    SNAP 4Dx Plus oder ähnliche In-house-Tests – differenzieren impfinduzierte von infektinduzierten Antikörpern

  2. 2
    Quantitativer C6-Wert

    Höhe des Antikörperwerts kann Hinweise auf Aktivität geben – Verlaufsbeurteilung möglich

  3. 3
    Western Blot

    Bestätigungstest bei unklarem Befund oder zur Differenzierung verschiedener Borrelien-Spezies

  4. 4
    Synoviaanalyse / PCR aus Gelenkpunktat

    Bei Lyme-Arthritis-Verdacht: direkter Erregernachweis im betroffenen Gelenk

  5. 5
    Urin-Eiweißbestimmung (UPC)

    Screening auf Lyme-Nephritis bei prädisponierten Rassen

Quelle: ESCCAP-Leitlinien zur Diagnostik vektorübertragener Erkrankungen; BPT-Fachinformationen.

Der zentrale Grundsatz – diagnostisch wie therapeutisch: Seropositiv ist nicht gleich krank. In Endemiegebieten sind viele klinisch völlig gesunde Hunde C6-positiv – ein Zeichen, dass das Immunsystem irgendwann erfolgreich mit einer Borrelien-Exposition umgegangen ist. Die isolierte Tatsache eines positiven Tests rechtfertigt keine Therapie. Erst die Kombination aus passender Klinik (typische Lahmheit, Fieber, Proteinurie) und positivem Antikörperbefund führt zu einer aktiven Behandlungsindikation.

Bei der Katze gilt Zurückhaltung in besonderem Maß. Da klinische Verläufe extrem selten sind und positive Antikörperbefunde fast immer subklinisch bleiben, raten erfahrene Veterinärinternisten von routinemäßigen Screening-Tests bei symptomlosen Katzen ab. Tests werden gezielt eingesetzt, wenn eine spezifische klinische Fragestellung vorliegt.

Was Halter dokumentieren sollten: Datum von Zeckenstichen, Körperregion des Stichs, Dauer der Anhaftung, falls erkennbar, und alle ungewöhnlichen Verhaltensänderungen – Lahmheit, Fressunlust, Müdigkeit. Diese Information ist für die tierärztliche Beurteilung Gold wert.

Wer in der häuslichen Erstversorgung gut ausgestattet sein möchte – Pinzette, Desinfektion, Notizmaterial und Verbandzeug für Bagatellverletzungen –, profitiert von einem speziellen Tier-Erste-Hilfe-Set.

Seropositiver, aber klinisch gesunder Hund – was tun?

Diese Konstellation – positiver C6-Test ohne erkennbare Symptome – ist in der Praxis ausgesprochen häufig. Sie führt regelmäßig zu der Frage, ob „vorsorglich” mit Doxycyclin behandelt werden sollte. Die internationale Veterinär-Community diskutiert das kontrovers, die Datenlage hat sich aber in den letzten Jahren konsolidiert.

Die aktuelle ESCCAP-Empfehlung lautet: Bei seropositiven, aber asymptomatischen Hunden wird keine prophylaktische Antibiotikatherapie empfohlen. Begründet wird das mit drei Argumenten:

  • Die überwiegende Mehrheit der seropositiven Hunde entwickelt nie eine klinische Borreliose
  • Eine prophylaktische Antibiotikagabe verursacht Mikrobiom-Veränderungen, mögliche Magen-Darm-Nebenwirkungen und beiträgt zur Resistenzentwicklung
  • Antikörper können nach durchgemachter Exposition jahrelang persistieren, ohne dass dies einen Krankheitswert hat

Was stattdessen sinnvoll ist:

Vorgehen bei seropositivem, klinisch gesundem Hund

  • Anti-Zeckenprophylaxe konsequent fortsetzen – Wiederexposition reduzieren
  • Halbjährliche Verlaufskontrolle in der Tierarztpraxis besprechen
  • Bei prädisponierten Rassen (Berner Sennenhund, Labrador, Golden Retriever): jährliche Urin-Eiweißkontrolle (UPC)
  • Auf neue Symptome achten: wandernde Lahmheit, Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit
  • Bei klinischer Veränderung umgehend tierärztliche Vorstellung

Wann doch behandelt wird. Eine Antibiotikatherapie ist bei seropositiven Hunden indiziert, sobald klinische Symptome auftreten – typischerweise wandernde Lahmheit, Fieber, geschwollene Lymphknoten oder Hinweise auf Lyme-Nephritis (Proteinurie). In diesem Fall ist die Therapie nicht „prophylaktisch”, sondern gezielt gegen die manifeste Infektion gerichtet.

Was die Praxis manchmal anders macht. Einzelne Tierarztpraxen bevorzugen eine niedrigschwelligere Therapie, besonders bei prädisponierten Rassen oder bei sehr hohen C6-Werten. Die Entscheidung bleibt eine individuelle veterinärmedizinische Abwägung, die die ESCCAP-Empfehlung als orientierenden Rahmen versteht.

Antibiotikatherapie bei klinisch manifester Borreliose

Wenn ein Hund tatsächlich eine klinisch manifeste Borreliose entwickelt, ist die Therapie gut etabliert und in den meisten Fällen sehr wirksam. Die folgende Übersicht orientiert sich an den ESCCAP-Empfehlungen und an der breit akzeptierten veterinärmedizinischen Praxis – die konkrete Auswahl, Dosierung und Behandlungsdauer entscheidet die Tierarztpraxis individuell.

Antibiotikatherapie bei Lyme-Borreliose – Hund vs. Katze

Aspekt Hund Katze
Wirkstoff erster Wahl Doxycyclin oral Doxycyclin oral (in den seltenen Fällen)
Standarddosis 10 mg/kg einmal täglich 5–10 mg/kg einmal täglich
Behandlungsdauer 28 Tage (4 Wochen) 4 Wochen, individuelle Anpassung
Alternative Amoxicillin 20 mg/kg 3× täglich Amoxicillin – seltene Indikation
Erwartete Reaktionszeit Lahmheit bessert sich oft in 24–72 h Klinische Erfahrung sehr begrenzt
Häufigkeit klinischer Behandlung Häufig in der Praxis Sehr selten – klinische Verläufe rar

Begleitende Maßnahmen. Bei Lyme-Arthritis profitiert das Tier von Schonung in der ersten Behandlungswoche – ohne komplette Ruhigstellung, aber mit reduzierten Belastungen. Bei Lyme-Nephritis ist zusätzlich eine spezialisierte internistische Begleitung mit nierenfreundlicher Diät, Blutdruckkontrolle und gegebenenfalls weiteren Medikamenten erforderlich.

Wichtige Hinweise zur Doxycyclin-Gabe. Doxycyclin sollte mit ausreichend Wasser und – beim Hund – idealerweise zusammen mit etwas Futter verabreicht werden, um Ösophagitis zu vermeiden. Magen-Darm-Reaktionen sind die häufigsten Nebenwirkungen. Eine erfolgreiche Therapie zeigt sich klinisch (Besserung der Lahmheit, Rückgang von Fieber, normalisierte Aktivität) – Kontroll-Antikörpertests werden nicht routinemäßig empfohlen, da die Antikörper über Monate nachweisbar bleiben.

Wann eine Anschlusstherapie nötig wird. Bei unzureichendem Ansprechen, bei Rückfall oder bei Lyme-Nephritis-Verdacht kann eine Verlängerung der Behandlung oder eine Umstellung erforderlich werden. Diese Entscheidungen gehören in die Hände der Tierarztpraxis und – bei komplexen Fällen – in die einer veterinärmedizinischen Internistik-Sprechstunde.

Borreliose-Impfung für Hunde – wann sinnvoll, wann nicht?

In Deutschland sind aktuell mehrere Borreliose-Impfstoffe für Hunde zugelassen, darunter Merilym 3 und Virbagen Canis L. Sie arbeiten mit dem OspA-Antigen (Outer Surface Protein A), das die Borrelien in der Zecke exprimieren. Antikörper gegen OspA wirken bereits im Zeckendarm und blockieren die Borrelien, bevor sie überhaupt in den Hund wandern.

Wichtige Klarstellung vorweg: Für Katzen und für Menschen ist in Deutschland keine Borreliose-Impfung zugelassen – diese Lücke besteht weltweit. Auch in der EU/EMA befindet sich für Menschen der Impfstoffkandidat VLA15 (Pfizer/Valneva) noch in der klinischen Prüfung. Wer eine Katze hat oder die Familie schützen will, kann sich also nicht auf Impfschutz verlassen, sondern muss konsequent auf Zeckenprophylaxe setzen.

Die StIKo-Vet-Empfehlung für Hunde ist differenziert. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt die Borreliose-Impfung beim Hund nicht generell, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen:

Indikation zur Borreliose-Impfung beim Hund (StIKo Vet)

  • Hunde mit deutlich erhöhter Zeckenexposition: Jagdhunde, Hütehunde, Suchhunde
  • Hunde in stark endemischen Regionen mit dokumentiert hoher Borrelien-Prävalenz der Zecken
  • Hunde, die viel Zeit im Wald, in hohen Gräsern oder in Risikogebieten verbringen
  • Im Einzelfall: prädisponierte Rassen mit hohem Lyme-Nephritis-Risiko nach individueller Abwägung
  • Voraussetzung: vor Erstimpfung serologisch unauffälliger Hund – Sinn der Impfung sonst eingeschränkt

Was die Impfung nicht ersetzt. Auch geimpfte Hunde brauchen weiterhin Anti-Zeckenprophylaxe. Erstens: Die Impfung wirkt nur gegen die im Impfstoff enthaltenen Borrelien-Serotypen – nicht gegen alle in Europa zirkulierenden. Zweitens: Zecken übertragen nicht nur Borrelien, sondern auch Babesien, Anaplasmen und FSME-Viren – gegen die schützt die Borreliose-Impfung nicht. Drittens: Auch geimpfte Hunde tragen lose Zecken in den Haushalt und tragen damit weiter zum Familienrisiko bei.

Praktische Konsequenz. Die Borreliose-Impfung ist ein zusätzliches Werkzeug, kein Ersatz. Die Entscheidung – impfen oder nicht – sollte gemeinsam mit der Tierarztpraxis getroffen werden, basierend auf Expositionsrisiko, Rasseprädisposition, Vorerkrankungen und individueller Verträglichkeit.

Zeckenschutz bei der Katze – Sicherheit zuerst

Dies ist der vielleicht wichtigste Abschnitt dieses Ratgebers. Zeckenschutz für Katzen unterscheidet sich grundlegend vom Zeckenschutz für Hunde, weil Katzen einen anderen Stoffwechsel haben. Insbesondere fehlen Katzen bestimmte Leberenzyme (Glucuronidierung), die viele für Hunde sichere Wirkstoffe schnell abbauen. Das Ergebnis: Was für den Hund harmlos ist, kann für die Katze tödlich sein.

Lebensgefahr: Permethrin und Katzen

Permethrin – enthalten in vielen Hunde-Spot-ons wie Advantix oder Exspot – ist für Katzen hochgiftig. Bereits Kontakt mit einem frisch behandelten Hund (Aneinanderkuscheln, gemeinsames Schlafen, Lecken des Hundefells) kann zu schweren, oft tödlichen Vergiftungen führen. Symptome: starkes Speicheln, Muskelzittern, Krämpfe, Unruhe, Atemstörungen. Bei Verdacht sofort tierärztlichen Notdienst aufsuchen – Verzögerung kostet Leben. In Mehrtierhaushalten mit Katzen dürfen permethrinhaltige Hunde-Spot-ons nicht eingesetzt werden – oder Hund und Katze müssen über mindestens 72 Stunden räumlich strikt getrennt sein. Sicherer ist der Verzicht auf Permethrin.

Welche Wirkstoffe sind für Katzen sicher? Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten in Deutschland zugelassenen, katzensicheren Wirkstoffe den hundeexklusiven gegenüber. Sie ersetzt nicht die individuelle Beratung in der Tierarztpraxis.

Zeckenschutz-Wirkstoffe – Verträglichkeit Hund vs. Katze

Wirkstoff Hund Katze Hinweis
Permethrin zugelassen lebensgefährlich Strikte Trennung in Mehrtierhaushalten erforderlich
Deltamethrin (z. B. Scalibor-Halsband) zugelassen lebensgefährlich Wie Permethrin: nicht in Katzenhaushalten
Fipronil (z. B. Frontline) zugelassen zugelassen Eine der ältesten katzensicheren Optionen
Fluralaner (z. B. Bravecto Plus für Katzen) zugelassen (orale Form Hund) zugelassen (Spot-on Katze) Lange Wirkdauer bis 12 Wochen – verschreibungspflichtig
Selamectin (z. B. Stronghold Plus) zugelassen zugelassen Auch gegen Flöhe und einige Würmer wirksam
Flumethrin + Imidacloprid (Seresto) zugelassen zugelassen (Katzen-Variante) Halsband mit Katzen-Sonderformulierung verwenden

Praktische Empfehlungen für Mehrtierhaushalte:

Sicherer Zeckenschutz in Haushalten mit Hund und Katze

  • Nur permethrinfreie Präparate für den Hund wählen (z. B. orales Fluralaner statt Permethrin-Spot-on)
  • Etiketten und Packungsbeilagen sorgfältig lesen – Wirkstoff prüfen, nicht nur Markenname
  • Spot-on auf den Hund auftragen, wenn die Katze außer Reichweite ist – mindestens 24–48 h trennen, wenn das Mittel vom Hersteller für Mehrtierhaushalte nicht freigegeben ist
  • Hundehalsbänder mit Deltamethrin in Katzenhaushalten meiden – Wechsel auf Seresto (Katzen-sicher) oder Alternativen
  • Für die Katze ausschließlich katzenzugelassene Präparate verwenden – nie Hundepräparate teilen oder umdosieren
  • Bei Verdacht auf Vergiftung (Zittern, Speicheln, Krämpfe): sofort tierärztlicher Notdienst

Was Halter im Notfall mitnehmen sollten: Die Originalverpackung oder den Beipackzettel des Präparats und – wenn möglich – Information über Anwendungszeitpunkt und Dosis. Diese Daten beschleunigen die Behandlung in der Tierarztpraxis erheblich.

Familienschutz durch konsequenten Tierschutz

Studien aus mehreren europäischen Ländern zeigen einen messbaren Zusammenhang zwischen Haustierhaltung und Borreliose-Risiko beim Menschen: Hundehalter werden statistisch häufiger gestochen als Menschen ohne Hund – nicht weil der Hund die Krankheit überträgt, sondern weil über das Tier mehr Zecken in die Wohnumgebung gelangen und mehr gemeinsame Aufenthalte in zeckenreichen Habitaten stattfinden. Auch Freigängerkatzen tragen messbar zur häuslichen Zeckenlast bei.

Aus dieser Datenlage folgt eine klare Prioritätenliste für den Familienschutz – und die guten Nachrichten überwiegen: Mit überschaubaren Routinen lässt sich das Risiko sehr deutlich reduzieren.

Familienschutz im Tierhalter-Haushalt – die 6 wichtigsten Maßnahmen

  1. Konsequente Anti-Zecken-Prophylaxe beim Tier

    Reduziert nicht nur das Risiko des Tieres, sondern auch die in den Haushalt eingeschleppten Zecken

  2. Tägliche Fellkontrolle nach Spaziergang und Freigang

    Besonders Ohren, Hals, Achseln, Bauch, zwischen den Zehen – auch lose, noch nicht festgesaugte Zecken werden entfernt

  3. Schlafzimmer-Türen für das Tier schließen

    Reduziert Wirtswechsel von Zecken auf schlafende Familienmitglieder erheblich

  4. Hundekörbchen und Liegeplätze regelmäßig waschen

    Bei mindestens 60 °C – tötet auch losgelöste Zecken und Larven

  5. Eigene Körperkontrolle nach gemeinsamen Spaziergängen

    Vor allem Beine, Leisten, Achseln, Haaransatz, Nacken – beim Duschen mit der Hand kontrollieren

  6. Garten zeckenarm halten

    Rasen kurz, Laubhaufen vermeiden, Übergangszonen zu Hecken pflegen – siehe Borreliose-Vorbeugung

Tägliche Fellkontrolle – die wirksamste Einzelmaßnahme. Studien zeigen: Wer den Hund nach jedem Spaziergang systematisch absucht, kann die Zahl der in die Wohnung eingeschleppten Zecken um über 80 Prozent reduzieren. Eine Pinzette und ein feiner Kamm in der Nähe der Haustür machen die Routine einfach. Detaillierte Hinweise zur strukturierten Beobachtung nach einem menschlichen Stich finden Sie im Ratgeber Borreliose vorbeugen nach Zeckenstich im Abschnitt „Haustiere”.

Hygiene der Liegeplätze. Hundedecken und Katzenkissen sollten regelmäßig bei 60 °C gewaschen werden. Eine wasserabweisende, abwischbare Außendecke für den Hundekorb erleichtert die Reinigung und reduziert das Eindringen losgelöster Zecken ins Polster.

Wenn ein Familienmitglied gestochen wird. Bei einem Zeckenstich beim Menschen gelten dieselben Regeln wie ohne Haustier: schnelle, korrekte Entfernung (siehe Zecke richtig entfernen), Dokumentation, strukturierte Beobachtung der Einstichstelle über 4–6 Wochen. Die wichtigsten Krankheitsbilder erklärt der Ratgeber Borreliose-Symptome erkennen, die Behandlung beim Menschen ist Thema in Borreliose behandeln.

Wer hier zur Borreliose-Vorbeugung kommt, hat oft schon einen konkreten Anlass – einen aktuellen Zeckenfund, einen seropositiven Tierarztbefund, eine Lahmheit, die nicht erklärbar ist. In jeder dieser Situationen gilt der gleiche Grundsatz: Frühzeitige tierärztliche Abklärung ist immer besser als langes Abwarten oder selbst gewählte Therapien. Borreliose bei Hund und Katze ist eine in der Regel sehr gut handhabbare Erkrankung, wenn sie ernst genommen und gemeinsam mit der Tierarztpraxis beobachtet und – wenn nötig – behandelt wird.

Häufige Fragen

Kann mich mein Hund mit Borreliose anstecken?

Nein, eine direkte Übertragung von Hund oder Katze auf den Menschen ist nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand nicht belegt. Das relevante Risiko entsteht indirekt: Hunde und Katzen tragen Zecken in die Wohnumgebung, die anschließend auf Menschen überwechseln können. Konsequenter Zeckenschutz beim Tier reduziert deshalb auch das Borreliose-Risiko der Familie.

Ein C6-Test war positiv – bedeutet das, mein Hund hat Borreliose?

Nein. In Risikogebieten sind viele klinisch gesunde Hunde seropositiv, weil sie irgendwann Kontakt mit Borrelien hatten. Seropositiv bedeutet ‚Antikörper vorhanden‘, nicht ‚aktive Erkrankung‘. Die ESCCAP empfiehlt bei symptomlosen seropositiven Hunden ausdrücklich keine prophylaktische Antibiotikatherapie – nur Beobachtung und Tierarztgespräch.

Sollte ich meinen Hund gegen Borreliose impfen lassen?

Die StIKo Vet empfiehlt die Borreliose-Impfung beim Hund nicht generell, sondern nur bei deutlich erhöhter Exposition – etwa Jagd-, Hüte- oder Suchhunde in stark endemischen Regionen. Für die meisten Familienhunde überwiegt nach aktueller Bewertung die konsequente Anti-Zecken-Prophylaxe. Die Entscheidung trifft die Tierarztpraxis individuell.

Ist Bravecto Plus sicher für meine Katze?

Bravecto Plus (Fluralaner und Moxidectin als Spot-on) ist speziell für Katzen zugelassen und gilt nach EMA-Bewertung als gut verträglich. Wie bei jedem Arzneimittel sind individuelle Reaktionen möglich – die Auswahl und Dosierung sollten Sie immer mit der Tierarztpraxis besprechen, besonders bei sehr jungen, sehr alten oder kranken Tieren.

Was tun, wenn meine Katze ein Permethrin-Präparat abgeleckt hat?

Sofort die Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst kontaktieren – Permethrin ist für Katzen lebensgefährlich. Erste Anzeichen sind Speichelfluss, Muskelzittern, Krämpfe und Unruhe. Nicht selbst Erbrechen auslösen, das Etikett des Produkts mitnehmen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Prognose.

Wie oft sollte ich Hund und Katze auf Zecken kontrollieren?

Nach jedem Spaziergang beziehungsweise nach jedem Freigang in der Zeckensaison von März bis Oktober – in milden Jahren auch ganzjährig. Eine systematische Fellkontrolle dauert wenige Minuten und reduziert nicht nur das Krankheitsrisiko des Tieres, sondern auch die Zahl der in den Haushalt eingeschleppten Zecken erheblich.

Schützt die FSME-Impfung meinen Hund auch vor Borreliose?

Nein. FSME wird durch ein Virus verursacht, Borreliose durch Bakterien – beide brauchen jeweils einen eigenen Impfstoff. Die FSME-Impfung für Menschen ist nur für Menschen zugelassen, nicht für Tiere. Für Hunde existiert in Deutschland ein Borreliose-Impfstoff, nicht aber für Katzen oder Menschen.

Darf mein Hund mit Borreliose auf den Hundespielplatz?

Borreliose ist nicht von Hund zu Hund oder von Hund zu Mensch direkt übertragbar – es besteht keine Ansteckungsgefahr für andere Hunde oder Halter. Solange Ihr Hund unter Behandlung klinisch stabil ist, sich gut bewegt und kein Fieber hat, ist der Besuch des Hundeplatzes meist möglich. Die Belastung sollte aber dem Genesungsverlauf angepasst werden – im Zweifel die Tierarztpraxis fragen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information zur Lyme-Borreliose bei Hund und Katze und ersetzt keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Bei Verdacht auf eine Borrelien-Infektion, bei wandernder Lahmheit, Fieber, Mattigkeit oder anderen Auffälligkeiten nach möglichem Zeckenkontakt sollte umgehend die Tierarztpraxis aufgesucht werden. Auch die Auswahl und Anwendung von Zeckenschutzpräparaten – besonders bei Katzen oder in Mehrtierhaushalten – gehört in tierärztliche Hand.

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