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Wohnschutz
Ratten & Mäuse → 16 Min. Lesezeit

Gelbhalsmaus oder Waldmaus im Haus: bestimmen, was erlaubt ist

Gelbhalsmaus bekämpfen? Sie und die Waldmaus sind besonders geschützt, die Hausmaus nicht. So bestimmen Sie die Art und werden die Maus legal wieder los.

Von Vyacheslav Levchenko
Kellerfenster mit laubgefülltem Lichtschacht an einer deutschen Putzfassade im Oktober – typischer Zugangsweg für Mäuse im Herbst

Zwischen September und November wird es in deutschen Kellern, Garagen und Gartenhäusern voll. Sinkende Nachttemperaturen und ein leer werdendes Nahrungsangebot draußen treiben Kleinsäuger an Gebäude heran — durch den laubgefüllten Lichtschacht, den Spalt unter dem Garagentor, die Mauerdurchführung der Leitungen. Wer dann etwas Kleines, Braunes über den Kellerboden huschen sieht, denkt zuerst an eine Hausmaus.

Häufig ist es keine. Die beiden Arten, die im Herbst am typischsten in Gebäude einwandern, sind die Waldmaus (Apodemus sylvaticus) und die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) — und für beide gilt etwas, das die meisten Ratgeber übergehen: Sie sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Die Hausmaus ist es nicht. Aus derselben Beobachtung folgen also je nach Art völlig unterschiedliche erlaubte Maßnahmen.

Inhalt · 10 Abschnitte

Mäusekot und Nagerurin können Krankheitserreger enthalten, in Deutschland vor allem Hantaviren. Kot niemals trocken fegen oder aufsaugen — dabei entstehen die Aerosole, über die eine Ansteckung vor allem erfolgt. Bei Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen oder nachlassender Urinmenge nach Kontakt mit Nagerkot suchen Sie bitte ärztliche Hilfe und erwähnen Sie den Kontakt. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.

Schnellübersicht: die vier Kandidaten

In deutschen Gebäuden treten im Herbst praktisch nur vier Kleinsäuger regelmäßig auf. Drei davon sind Nagetiere, einer ist keines.

Waldmaus

Augen & Ohren
Sehr große schwarze Augen, große abstehende Ohren
Schwanz
So lang wie Kopf und Rumpf oder länger
Fell
Oberseite gelbbraun, Unterseite scharf abgesetzt weiß
Geruch
Schwach, unauffällig

Gelbhalsmaus

Augen & Ohren
Sehr große schwarze Augen, große Ohren
Schwanz
Deutlich länger als Kopf und Rumpf
Fell
Kräftig rotbraun, gelbes Band quer über die Kehle
Geruch
Schwach, unauffällig

Hausmaus

Augen & Ohren
Kleinere Augen, kleinere Ohren
Schwanz
Etwa körperlang, beschuppt, wirkt nackt
Fell
Einheitlich graubraun, Unterseite kaum abgesetzt
Geruch
Streng, ammoniakartig

Spitzmaus

Augen & Ohren
Winzige Augen, Ohren im Fell verborgen
Schwanz
Kürzer als der Körper
Fell
Dunkel, samtig, Rüsselschnauze
Geruch
Moschusartig-muffig

Das schnellste Merkmal ist der Kopf. Waldmaus und Gelbhalsmaus haben auffallend große, glänzend schwarze Kulleraugen und große, abstehende Ohren — sie sehen aus wie das Klischee einer „niedlichen” Maus. Die Hausmaus wirkt daneben kleinäugig und kleinohrig. Die Spitzmaus fällt durch die lange, rüsselartige Schnauze und die fast unsichtbaren Augen sofort heraus.

Waldmaus und Gelbhalsmaus erkennen

Beide Arten gehören zur Gattung Apodemus, den Waldmäusen im weiteren Sinne. Sie leben normalerweise draußen — in Hecken, an Waldrändern, in Gärten — und suchen Gebäude vor allem im Herbst und Winter auf. Anders als die Hausmaus siedeln sie sich selten dauerhaft in bewohnten Räumen an; typisch sind Keller, Dachboden, Garage, Schuppen und Gartenhaus.

Gemeinsame Merkmale beider Arten:

  • Augen: sehr groß, kugelig, tiefschwarz und glänzend
  • Ohren: groß, dünnhäutig, deutlich vom Kopf abstehend
  • Schwanz: mindestens so lang wie Kopf und Rumpf zusammen, fein behaart
  • Fellgrenze: Oberseite gelb- bis rotbraun, Unterseite weiß oder cremeweiß — der Übergang ist scharf abgesetzt, nicht verwaschen
  • Bewegung: springt bei Störung weit und schnell davon; beide Arten sind sehr gute Kletterer und Springer

Die Sprungkraft ist ein gutes Feldmerkmal: Eine Hausmaus läuft an Wänden entlang, eine Waldmaus setzt bei Gefahr mit weiten Sprüngen über den freien Raum.

Waldmaus (Apodemus sylvaticus) seitlich auf Kieselsteinen – sehr großes schwarzes Auge und großes abstehendes Ohr
Waldmaus (Apodemus sylvaticus). Das große, kugelige schwarze Auge und das breite abstehende Ohr unterscheiden sie auf den ersten Blick von der Hausmaus. Foto: BlueBreezeWiki · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Waldmaus oder Gelbhalsmaus? Das Halsband entscheidet

Die beiden Arten sind einander so ähnlich, dass selbst Fachleute im Gelände gelegentlich Mühe haben. Zwei Merkmale tragen die Unterscheidung:

1. Die Zeichnung an der Kehle. Das ist das namengebende und zuverlässigste Merkmal. Die Gelbhalsmaus trägt ein gelbbraunes Band, das quer über die Kehle verläuft und beide Seiten vollständig verbindet — wie ein geschlossenes Halsband. Die Waldmaus hat an derselben Stelle allenfalls einen gelblichen Fleck oder einen Längsstreifen, der die Seiten nicht verbindet.

🔴 Wichtig für die Praxis: Dieses Merkmal ist nur von unten oder von vorn zu sehen. An einem Tier, das seitlich über den Kellerboden huscht, lässt es sich nicht beurteilen — und aus einem verschwommenen Handyfoto von der Seite auch nicht.

2. Die Größe. Die Gelbhalsmaus ist die kräftigere Art: Kopf-Rumpf-Länge etwa 9 bis 12 Zentimeter gegenüber 8 bis 10 Zentimeter bei der Waldmaus, das Gewicht deutlich höher. Wer beide Arten nie nebeneinander gesehen hat, kann daraus allein aber keinen sicheren Schluss ziehen.

Für den Hausgebrauch gilt deshalb: Wenn Sie das Halsband nicht sicher sehen, behandeln Sie den Fund wie eine geschützte Art. Das ist rechtlich die sichere Seite und praktisch kein Nachteil, weil das erlaubte Vorgehen bei beiden Arten identisch ist.

Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) seitlich auf einer Steinplatte – kräftig rotbraunes Fell, scharf abgesetzter weißer Bauch, langer Schwanz
Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis): kräftiger gebaut als die Waldmaus, Fell deutlich rotbrauner, Schwanz länger als Kopf und Rumpf. Das namengebende gelbe Halsband ist nur von vorn oder unten zu sehen. Foto: Donald Hobern from Copenhagen, Denmark · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Abgrenzung zur Hausmaus

Die Hausmaus (Mus musculus) ist der klassische Gebäudebewohner und die einzige der drei Mausarten, die ganzjährig in Wohnräumen lebt und sich dort vermehrt. Sie unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich:

  • Fell einheitlich graubraun, die Unterseite ist nur wenig heller und nicht scharf abgesetzt
  • Augen und Ohren kleiner im Verhältnis zum Kopf
  • Schwanz etwa körperlang, deutlich beschuppt und fast nackt wirkend
  • Geruch: streng und ammoniakartig. Ein Hausmausbefall riecht; ein einzelner Waldmausbesuch riecht nicht
  • Spuren: Schmierspuren an Laufwegen entlang von Wänden, Nagespuren an Verpackungen, Kot in bewohnten Räumen

Der praktische Unterschied: Waldmaus und Gelbhalsmaus sind Besucher, die Hausmaus ist ein Bewohner. Wer im Oktober zwei- bis dreimal ein großäugiges Tier im Keller sieht und im Frühjahr nichts mehr, hatte fast sicher Besuch von draußen. Wer ganzjährig Kot in der Küche findet, hat ein anderes Problem — dazu führt Mäuse vertreiben weiter, und Mäusekot sicher entfernen beschreibt die Reinigung.

Wenn es gar keine Maus ist

Zwei häufige Verwechslungen sind gar keine Mäuse im zoologischen Sinn:

Die Spitzmaus ist kein Nagetier, sondern ein Insektenfresser. Rüsselartig verlängerte Schnauze, winzige Augen, im Fell verborgene Ohren, dazu ein charakteristischer moschusartig-muffiger Geruch ohne die Ammoniaknote der Hausmaus. Sie nagt keine Vorräte an. Alle heimischen Spitzmausarten sind besonders geschützt — die Einzelheiten stehen in Spitzmaus erkennen und meiden.

Die Rötelmaus (Myodes glareolus) ist eine Wühlmaus: stumpfe, gerundete Schnauze, kleine Ohren, rostroter Rücken und ein Schwanz von nur etwa halber Körperlänge. Sie ist in der Bundesartenschutzverordnung namentlich ausgenommen und damit nicht geschützt — zugleich ist sie in Deutschland der wichtigste Überträger des Puumala-Hantavirus.

Rechtslage: welche Art ist geschützt?

Hier liegt der eigentliche Grund, die Art überhaupt zu bestimmen. Die Bundesartenschutzverordnung führt in Anlage 1 unter dem Sammeleintrag „Mammalia spp.“ alle heimischen Säugetierarten als besonders geschützt auf — und nennt anschließend eine Ausnahmeliste. Die Zugriffsverbote selbst stehen in § 44 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG: Verboten ist, Tieren dieser Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten – das Fangen ausdrücklich eingeschlossen, auch mit einer Lebendfalle.

Art Besonders geschützt? Was daraus folgt
Waldmaus ja – nicht in der Ausnahmeliste Kein Töten, kein Fangen (auch nicht lebend), kein Rodentizid. Zulässig: aussperren und hinauslassen; Ausnahmen nur durch die Naturschutzbehörde
Gelbhalsmaus ja – nicht in der Ausnahmeliste Wie Waldmaus
Hausmaus nein – namentlich ausgenommen Bekämpfung zulässig; das Tierschutzgesetz gilt weiterhin, die Tötungsart muss tierschutzgerecht sein
Rötelmaus nein – namentlich ausgenommen Bekämpfung zulässig
Spitzmaus ja – alle heimischen Arten Kein Töten, kein Gift, keine Falle

🔴 „Besonders geschützt” ist nicht dasselbe wie „streng geschützt”. Die strengere Kategorie zieht weitergehende Folgen nach sich und trifft auf diese Arten nicht zu. Wer beide Begriffe vermischt, bekommt ein falsches Bild von der Rechtslage.

„Nicht geschützt” heißt außerdem nicht „vogelfrei”. Für jedes wild lebende Tier gilt § 39 Absatz 1 BNatSchG: töten nur mit vernünftigem Grund. Welche Bußgelder die Bundesländer für Verstöße ansetzen, ordnet Geschützte Tiere im Garten ein.

Was daraus praktisch folgt: Solange Sie die Art nicht sicher bestimmt haben, sind Schlagfallen, Lebendfallen und Köder keine zulässige Option. Der Weg, der bei allen fünf Arten erlaubt und wirksam ist, heißt aussperren. Sitzt ein geschütztes Tier fest im Haus, öffnen Sie ihm den Weg nach draußen; ist das nicht möglich oder richtet es ernste Schäden an, kann die Untere Naturschutzbehörde im Einzelfall eine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG zulassen.

Hantavirus: warum die Art zählt

Hantaviren werden über Kot, Urin und Speichel infizierter Nagetiere ausgeschieden. Übertragen werden sie laut RKI vor allem durch Einatmen aufgewirbelter Partikel, daneben über verletzte Haut, Bisse oder verunreinigte Lebensmittel.

  • Die weitaus meisten deutschen Erkrankungen gehen auf das Puumala-Virus zurück, dessen Reservoir die Rötelmaus ist. Die Fälle häufen sich alle zwei bis drei Jahre in Ausbruchsregionen, laut RKI etwa auf der Schwäbischen Alb, im Bayerischen Wald, im Spessart, in Nordost-Hessen, im Münsterland und im westlichen Thüringen.
  • Reservoir der Dobrava-Belgrad-Viren sind laut RKI Arten der Gattung Apodemus: die Gelbhalsmaus (Genotyp Dobrava) und die Brandmaus (Genotyp Kurkino). Die Waldmaus wird dort nicht als Reservoir geführt. Dobrava-Infektionen treten vor allem im Norden Deutschlands auf und sind insgesamt selten.

Für die Praxis ist die genaue Zuordnung zweitrangig, weil die Schutzmaßnahmen identisch sind: Kot und Nistmaterial niemals trocken fegen oder saugen, sondern mit Desinfektionsmittel anfeuchten, einwirken lassen und feucht aufnehmen; dabei FFP2- oder FFP3-Maske und Handschuhe tragen, danach gründlich lüften. Die vollständige Anleitung steht in Keller nach Mäusebefall reinigen; die Übertragungswege erklärt Hantavirus-Übertragung.

Gelbhalsmaus im Haus: bekämpfen verboten – das ist erlaubt

Bekämpfen im üblichen Sinn – Schlagfalle, Lebendfalle, Köder – ist bei Gelbhals- und Waldmaus verboten (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG). Erlaubt und wirksam ist, das Tier hinauszulassen und die Zugänge zu schließen; eine Ausnahme kann nur die Untere Naturschutzbehörde erteilen (zu finden über die Behördensuche des Bundes mit Ihrem Ort). In dieser Reihenfolge:

  1. Bestimmen, bevor Sie handeln. Kopf ansehen: große Kulleraugen und abstehende Ohren sprechen für Apodemus — und damit für eine geschützte Art. Rüsselschnauze bedeutet Spitzmaus, ebenfalls geschützt.
  2. Bei Unsicherheit von der geschützten Art ausgehen. Das kostet nichts und vermeidet eine Ordnungswidrigkeit.
  3. Hinauslassen statt fangen, wenn das Tier heraus muss: Türen oder Kellerfenster öffnen, andere Ausgänge schließen, den Raum ruhig verlassen. Auch das Fangen mit einer Lebendfalle fällt bei geschützten Arten unter die Verbote des § 44 BNatSchG; wer ohne Fang nicht weiterkommt, fragt die Untere Naturschutzbehörde.
  4. Kot und Nistmaterial feucht entfernen, mit Maske und Handschuhen.
  5. Zugänge schließen — ohne diesen Schritt kommt im nächsten Kälteeinbruch das nächste Tier.

Zugänge dauerhaft schließen

Mäuse zwängen sich durch überraschend kleine Öffnungen; als Faustregel gilt: Was ein Bleistift passiert, passiert auch eine Maus. Im Herbst lohnt ein Rundgang mit genau diesem Blick.

  • Lichtschächte vom Laub befreien und mit einem engmaschigen Gitter abdecken — ein volles Laubpolster ist Trittbrett und Versteck zugleich
  • Kellerfenster mit Fliegengitter aus Metall statt Kunststoff sichern; Kunststoffgewebe wird durchnagt
  • Leitungsdurchführungen für Wasser, Strom und Lüftung mit Edelstahlwolle stopfen, dann verschließen. Bauschaum allein hält nicht, er wird durchnagt
  • Tür- und Torspalte an Garage, Schuppen und Gartenhaus mit Bürstendichtung schließen
  • Vorräte in Keller und Garage in feste Behälter umfüllen: Vogelfutter, Tierfutter, Blumenzwiebeln und Saatgut sind die stärksten Lockstoffe der Saison

Wer den Rundgang einmal im September macht, spart sich die Diskussion über Fallen meist ganz.

Häufige Fragen

Ist die Waldmaus geschützt?

Ja. Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung führt unter „Mammalia spp.“ alle heimischen Säugetierarten als besonders geschützt auf und nennt dazu eine Ausnahmeliste. Die Waldmaus steht nicht in dieser Ausnahmeliste, die Hausmaus dagegen schon. Für die Waldmaus gelten damit die Zugriffsverbote des § 44 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG: kein Töten, kein Fangen – auch nicht mit einer Lebendfalle –, kein Rodentizid. Zulässig ist, sie auszusperren und hinauszulassen; Ausnahmen kann nur die Naturschutzbehörde zulassen.

Wie unterscheide ich Waldmaus und Gelbhalsmaus?

Am gelben Band an der Kehle. Bei der Gelbhalsmaus verläuft es quer über die Kehle und verbindet beide Seiten vollständig; bei der Waldmaus ist dort höchstens ein Fleck oder Längsstreifen, der die Seiten nicht verbindet. Das Merkmal ist nur von vorn oder unten sichtbar. Zusätzlich ist die Gelbhalsmaus kräftiger: 9 bis 12 Zentimeter Kopf-Rumpf-Länge gegenüber 8 bis 10 Zentimeter.

Woran erkenne ich, dass es keine Hausmaus ist?

An Augen, Ohren und Fellgrenze. Waldmaus und Gelbhalsmaus haben sehr große schwarze Augen, große abstehende Ohren und eine scharf abgesetzte weiße Unterseite. Die Hausmaus ist einheitlich graubraun mit kleineren Augen und Ohren, ihr Schwanz wirkt beschuppt und nackt. Dazu kommt der Geruch: Ein Hausmausbefall riecht streng ammoniakartig, ein Waldmausbesuch nicht.

Warum kommen die Mäuse ausgerechnet im Herbst?

Zwischen September und November fallen die Nachttemperaturen, und draußen geht das Nahrungsangebot zurück. Gebäude bieten beides: Wärme und gelagerte Vorräte. Waldmaus und Gelbhalsmaus überwintern nicht im Winterschlaf, sie bleiben aktiv und brauchen deshalb durchgehend Futter.

Darf ich die Gelbhalsmaus bekämpfen?

Nicht mit Falle oder Gift: Die Gelbhalsmaus ist wie die Waldmaus besonders geschützt, § 44 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG verbietet Fangen, Verletzen und Töten – auch mit einer Lebendfalle. Erlaubt ist, sie hinauszulassen und die Zugänge dauerhaft zu schließen. Richtet ein Tier ernste Schäden an, kann die Untere Naturschutzbehörde eine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG zulassen.

Darf ich eine Waldmaus mit einer Schlagfalle fangen?

Nein. Als besonders geschützte Art fällt sie unter die Zugriffsverbote des § 44 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG; eine tötende Falle erfüllt den Tatbestand. Genau genommen gilt das Fangverbot auch für Lebendfallen. Erlaubt ist, Zugänge zu schließen und dem Tier den Weg nach draußen zu öffnen; in Ausnahmefällen kann die Untere Naturschutzbehörde eine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG zulassen.

Übertragen Waldmaus und Gelbhalsmaus Hantaviren?

Laut RKI ist die Gelbhalsmaus Reservoir des Dobrava-Virus, die verwandte Brandmaus des Kurkino-Genotyps; die Waldmaus wird nicht als Reservoir geführt. In Deutschland stammt die große Mehrheit der Erkrankungen ohnehin vom Puumala-Virus, dessen Träger die Rötelmaus ist. Weil sich die Schutzmaßnahmen nicht unterscheiden, gilt unabhängig von der Art: Kot niemals trocken fegen oder saugen, sondern anfeuchten, einwirken lassen und feucht aufnehmen — mit FFP2- oder FFP3-Maske und Handschuhen.

Wie bekomme ich eine Waldmaus wieder aus dem Haus?

Am besten ohne Fang: Tür oder Kellerfenster nach draußen öffnen, andere Türen schließen und den Raum ruhig verlassen – das Tier sucht selbst den Weg ins Freie. Auch das Fangen mit einer Lebendfalle fällt bei der besonders geschützten Waldmaus unter die Verbote des § 44 BNatSchG. Ohne verschlossene Zugänge am Gebäude kommt allerdings beim nächsten Kälteeinbruch das nächste Tier.

Reicht Bauschaum, um Mäuselöcher zu schließen?

Nein, Bauschaum allein wird durchnagt. Bewährt hat sich, die Öffnung zuerst mit Edelstahlwolle auszustopfen und erst darüber zu verschließen. Metall lässt sich mit Nagezähnen nicht durchtrennen, das Material bleibt dabei aber nachgiebig genug, um Rohrdurchführungen sauber auszufüllen.

Die Angaben in diesem Artikel dienen der Orientierung und ersetzen weder eine ärztliche noch eine rechtliche Beratung. Bei Krankheitszeichen nach Kontakt mit Nagerkot wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt; bei Fragen zum Artenschutz an die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises.

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