Asiatische Hornisse und Bienen: Gefahr für Imker und Schutz der Völker
Warum die Asiatische Hornisse Honigbienen bedroht, wie sie vor dem Flugloch jagt und mit welchen Maßnahmen Imker ihre Völker schützen können – inklusive was nicht hilft.
Die Asiatische Hornisse ist nicht in erster Linie eine Gefahr für den Menschen, sondern für die Honigbiene. Vespa velutina ist ein spezialisierter Bienenjäger – und genau das macht sie für die Imkerei zu einer der größten aktuellen Herausforderungen. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Hornisse jagt, welchen Schaden sie anrichtet und mit welchen Maßnahmen Imkerinnen und Imker ihre Völker wirksam schützen können.
Maßnahmen am Bienenstand bringen Sie in die Nähe jagender Hornissen. Arbeiten Sie ruhig und mit Schutzkleidung. Bei einer bekannten Insektengift-Allergie kann jeder Stich gefährlich werden – führen Sie Ihr Notfallset mit und rufen Sie im Ernstfall den Notruf 112. Reizen Sie niemals ein Hornissennest.
Warum Bienen das Hauptopfer sind
Vespa velutina benötigt für die Aufzucht ihrer Larven große Mengen tierisches Eiweiß. Honigbienen sind dafür eine ideale Beute: Sie treten konzentriert an einem festen Ort auf – dem Bienenstock – und fliegen den ganzen Tag berechenbar ein und aus. Für die Hornisse ist ein Bienenstand damit eine verlässliche Nahrungsquelle, die sie über Wochen anfliegt.
Heimische Honigbienen (Apis mellifera) haben gegen die eingeschleppte Hornisse keine wirksame Verteidigung entwickelt, wie sie asiatische Bienenarten besitzen. Das macht europäische Völker besonders verwundbar.
Wie die Asiatische Hornisse jagt
Das typische Jagdbild ist unverkennbar: Die Hornisse steht im Schwirrflug wie ein Kolibri einige Zentimeter vor dem Flugloch und fängt heimkehrende, schwer beladene Sammlerinnen im Flug ab. Die erbeutete Biene wird an einem nahen Ast zerlegt; der eiweißreiche Brustmuskel wird zum Nest gebracht.
Dieses „Rütteln” vor dem Flugloch ist ein starkes Erkennungsmerkmal und zugleich ein Frühwarnzeichen für den Imker. Treten mehrere Hornissen gleichzeitig auf, geraten die Bienen in den sogenannten Paralyse-Zustand: Aus Angst stellen sie den Ausflug ein, verbleiben im Stock und sammeln keine Nahrung mehr.
Im Schwirrflug vor dem Flugloch fängt die Asiatische Hornisse heimkehrende Sammlerinnen ab – ein typisches Jagdbild.
Schäden für die Imkerei
Der Schaden entsteht weniger durch die Zahl der direkt erbeuteten Bienen als durch den Dauerstress. Stellt ein Volk die Sammeltätigkeit ein, fehlt im Spätsommer der Aufbau der Wintervorräte. Geschwächte Völker gehen schlechter über den Winter und brechen in Kombination mit anderen Belastungen – etwa der Varroamilbe – leichter zusammen.
Für Imkereien in stark betroffenen Regionen bedeutet das erheblichen Mehraufwand: ständige Kontrolle, Schutzvorrichtungen und im schlimmsten Fall Völkerverluste. Wie weit die Art in Deutschland bereits verbreitet ist, zeigt der Beitrag Asiatische Hornisse in Deutschland – Ausbreitung und Karte.
Schutzmaßnahmen am Bienenstand
Mehrere Maßnahmen haben sich in betroffenen Ländern bewährt. Sinnvoll ist eine Kombination:
Wirksame Schutzmaßnahmen am Bienenstand
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Flugloch verengen
Ein kleineres Flugloch lässt sich vom Wächterbienen besser verteidigen
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Muffschutz oder Schutzgitter
Vorbauten erschweren der Hornisse den direkten Anflug ans Flugloch
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Elektrische Schutzharfe
An stark betroffenen Ständen reduziert sie gezielt anfliegende Hornissen
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Stände aufräumen
Heruntergefallene Bienen und freie Anflugflächen reduzieren
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Völker stärken
Starke, gesunde Völker verteidigen sich deutlich besser
Ein verengtes Flugloch und ein vorgesetztes Schutzgitter erleichtern dem Volk die Verteidigung gegen anfliegende Hornissen.
Eine Fluglochverengung ist die einfachste und kostengünstigste Sofortmaßnahme: Sie reduziert die Angriffsfläche und stärkt die Verteidigung durch die Wächterbienen. In Kombination mit einem Muffschutz vor dem Stock wird der direkte Schwirrflug-Anflug erschwert.
An besonders exponierten Ständen setzen Imker zunehmend auf elektrische Schutzharfen, die anfliegende Hornissen gezielt abfangen, während Bienen die Gitterabstände passieren können. Wer mehrere Stände betreut, sollte zudem in Schutzkleidung investieren, um bei Kontrollen ruhig arbeiten zu können.
Nester finden und melden
Die nachhaltigste Maßnahme liegt nicht am Stock, sondern in der Umgebung: das Auffinden und Melden von Nestern. Ein entferntes Nest schaltet eine ganze Jagdquelle aus. Imker beobachten dazu die Flugrichtung abgehender Hornissen („Triangulation”), um das Nest einzukreisen, und geben den Fund an die zuständige Stelle weiter.
Gut gemeint, aber kontraproduktiv sind unselektive Fallen am Bienenstand. Sie fangen überwiegend heimische Insekten – Wespen, Bienen, Schmetterlinge – und tragen kaum zur Reduktion der Hornissen bei. Naturschutzverbände raten von flächigem Fallenstellen ausdrücklich ab. Warum das so ist und wann eine selektive Falle vertretbar sein kann, erklärt der Beitrag Fallen gegen die Asiatische Hornisse: sinnvoll oder schädlich?.
Ebenfalls wenig hilfreich: das Bekämpfen einzelner jagender Hornissen am Flugloch. Solange das Nest besteht, kommen ständig neue Tiere nach. Die Energie ist besser in Nestsuche, Meldung und solide Schutzvorrichtungen investiert.
Häufige Fragen
Warum ist die Asiatische Hornisse für Bienen so gefährlich?
Vespa velutina jagt gezielt Honigbienen, indem sie im Schwirrflug vor dem Flugloch lauert und heimkehrende Sammlerinnen abfängt. Schon wenige Hornissen können ein Volk so unter Dauerstress setzen, dass die Bienen die Flugaktivität einstellen, verhungern und im Spätsommer geschwächt in den Winter gehen.
Wie können Imker ihre Völker vor der Asiatischen Hornisse schützen?
Bewährt sind Fluglochverengungen, die das Volk besser verteidigen kann, sowie Muffschutz oder Schutzgitter vor dem Stock. An stark betroffenen Ständen kommen elektrische Schutzharfen zum Einsatz. Wichtig sind außerdem das Auffinden und Melden von Nestern in der Umgebung.
Sind Fallen am Bienenstand sinnvoll?
Unselektive Fallen fangen vor allem heimische Insekten und schaden mehr, als sie nutzen. Nur selektive Fallen mit großen Auslassöffnungen für Kleininsekten sind vertretbar, und auch sie ersetzen keine Nestentfernung. Die wirksamste Maßnahme bleibt das frühe Melden und Entfernen von Nestern.
Tötet die Asiatische Hornisse ganze Bienenvölker?
Direkt durch Beutezug selten in kurzer Zeit, aber der dauerhafte Jagddruck schwächt Völker erheblich. Bienen stellen aus Angst die Sammeltätigkeit ein, was zu Nahrungsmangel und geschwächten Wintervölkern führt. In Kombination mit anderen Belastungen können dadurch Völker zusammenbrechen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information für die Imkerpraxis und ersetzt keine fachliche Beratung durch Bieneninstitute oder Imkerverbände. Schutzmaßnahmen und rechtliche Vorgaben können sich regional unterscheiden. Bei allergischen Reaktionen nach einem Stich suchen Sie sofort ärztliche Hilfe oder rufen Sie den Notruf 112.
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